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Dritte Phase zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie
Von der mäßigen zur guten Sieg

Ein optisch schöner Fluss ist nicht immer auch ein ökologisch guter Fluss. Gerade dann, wenn direkt angrenzend Landwirtschaft betrieben wird. Das gilt auch für die Sieg.
  • Ein optisch schöner Fluss ist nicht immer auch ein ökologisch guter Fluss. Gerade dann, wenn direkt angrenzend Landwirtschaft betrieben wird. Das gilt auch für die Sieg.
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thor Betzdorf/Kirchen. Wenn Dr. Franz Straubinger, Geschäftsführer der Hatzfeldt-Wildenburg’schen Verwaltung, die Sieg als eine jahrhundertealte „Industriestraße“ bezeichnet, so darf man ihm nicht widersprechen. Auch wenn für den Schiffsverkehr viel zu klein, flankierte sie doch die Entwicklung der großen Walz- und Hüttenwerke, der mächtigen Grubenanlagen und aller metallverarbeitenden Betriebe. Diese Funktion sieht man der Sieg heute noch an.

Umso ehrgeiziger ist das Ziel, den grenzüberschreitenden Fluss bis 2027 den Kriterien der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) anzupassen. Bis dahin soll aus der „mäßigen“ Sieg die „gute“ Sieg werden, was ihren chemischen und ökologischen Zustand angeht.

thor Betzdorf/Kirchen. Wenn Dr. Franz Straubinger, Geschäftsführer der Hatzfeldt-Wildenburg’schen Verwaltung, die Sieg als eine jahrhundertealte „Industriestraße“ bezeichnet, so darf man ihm nicht widersprechen. Auch wenn für den Schiffsverkehr viel zu klein, flankierte sie doch die Entwicklung der großen Walz- und Hüttenwerke, der mächtigen Grubenanlagen und aller metallverarbeitenden Betriebe. Diese Funktion sieht man der Sieg heute noch an.

Umso ehrgeiziger ist das Ziel, den grenzüberschreitenden Fluss bis 2027 den Kriterien der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) anzupassen. Bis dahin soll aus der „mäßigen“ Sieg die „gute“ Sieg werden, was ihren chemischen und ökologischen Zustand angeht. Dass es bis dahin noch ein längerer Weg ist, verdeutlichte am Mittwochabend eine Diskussionsrunde, zu der Straubinger als Mitglied des „Blauen runden Tischs“ vorab ein kurzes Statement per Video vorbereitet hatte.

Zur Vorbereitung des dritten Umsetzungsphase der WRRL ab 2022 werden derzeit Maßnahmen fortgeschrieben und Bewirtschaftungspläne angepasst – die Struktur- und Dienstleistungsdirektionen beteiligen und informieren mit 16 digitalen Veranstaltungen die Öffentlichkeit in Rheinland-Pfalz. Nunmehr war die Sieg an der Reihe.

Sieg derzeit nur mäßiges Niveau

800 Projekte mit einem Volumen von einer halben Milliarde Euro hat allein die SGD Nord vor der Brust, wie Abteilungsleiter Joachim Gerke berichtete. Ziel sei es, nicht nur bei den Fließgewässern besagten Zustand zu erreichen, sondern auch beim Grundwasser – und hierbei gehe es sowohl um Qualität als auch um Quantität. Was die Fische und die Stoffeinträge betrifft, hat die Sieg laut Gerke derzeit nur mäßiges Niveau. Sogar „ungenügend“ sei die Situation an der mittleren Nister und an der Heller.

Für manche vielleicht überraschend: Seit 2015 ist der Zustand gerade auch an den Nebenflüssen eher schlechter geworden. Gerke führte das u. a. darauf zurück, dass Strukturverbesserungen (etwas an der Daade) nur langsam ihre Wirkung entfalteten. Auch die Dürresommer 2018 und ’19 hätten Spuren hinterlassen.

Der SGD-Vertreter ging auch kurz auf die Durchgängigkeit der Sieg ein – das zentrale Thema im Oberkreis im Zusammenhang mit der WRRL. „Bei der Durchgängigkeit und der Hydromorphologie besteht ein großer Nachholbedarf“, gestand Gerke. Besser sehe es da schon bei den Einträgen von Nähr- und Schadstoffen aus. Und ja, man stimme sich bei der Sieg auch mit Nordrhein-Westfalen ab, auch wenn zeitlich versetzt eventuell andere Schwerpunkte gesetzt würden.

Austausch mit NRW sehr oberflächlich

Schon da trat erstmals Joachim Reifenrath, Gewässer-Experte der BUND-Kreisgruppe Altenkirchen, im Chat auf den Plan. Der Austausch mit NRW sei „sehr oberflächlich“. Zudem kritisierte er, dass vonseiten des Landes die Bergbau-Vergangenheit des Siegerlandes nicht richtig wahrgenommen werde und viel mehr auf Schwermetalle hin untersucht werden müsse. Es sollten nicht die einzigen kritischen Anmerkungen bleiben. Manche Teilnehmer wünschten sich schlicht mehr Tempo und Durchsetzungswillen von der SGD Nord.

In Untergruppen wurden in Chats verschiedene Themen genauer behandelt. Thomas Meuer (SGD) erläuterte die Situation der einzelnen Wehre im AK-Land. Viel Neues war dabei allerdings nicht zu erfahren. In Euteneuen strebe man den naturnahen Rückbau des Bauwerks an (ohne Nutzung der Wasserkraft). Und zur Freusburger Mühle sagte Meuer: „Momentan ruhen die Maßnahmen aufgrund eines Notifizierungsverfahrens bei der EU.“ In Scheuerfeld seien die Wasserrechte ausgelaufen (Eigentümer der Turbine sind die Mainzer Stadtwerke). Derzeit seien Maßnahmen in Planung, um hier weiter die Anlagen betreiben zu können.

„Wichtig ist, einen entsprechenden Kompromiss zu finden“, sagte Meuer. Denn über die Art und Weise, wie eine Durchgängigkeit erreichbar sei, könne man sehr lange diskutieren.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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