Freiherr-vom-Stein-Gymnasium verabschiedet Studiendirektor
Von Werten und Wertschätzung

Für Joachim Langhauser geht eine lange Schulzeit am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium zu Ende.
  • Für Joachim Langhauser geht eine lange Schulzeit am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium zu Ende.
  • Foto: thor
  • hochgeladen von Praktikant Online

thor Betzdorf/Kirchen. Es sind Charaktere wie er, die oft über Wohl und Wehe einer Firma, einer Mannschaft, eines Vereins – und eben auch einer Schule entscheiden. Nicht im Rampenlicht, nicht an vorderster Front, doch in zweiter Reihe ungemein effektiv und wichtig. Joachim Langhauser war so einer. Der Studiendirektor am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium hat viele, viele Jahre in der Schulleitung verbracht und zuletzt als kommissarischer Schulleiter das Gymnasium nicht nur ohne Reibungsverluste durch die Vakanz geführt, sondern zusätzlich noch durch die Hochphase der Pandemie. Nun ist Schluss. Langhauser hat am Freitag seinen (aller-)letzten Schultag, der 63-Jährige geht in den Ruhestand. Und bleibt als Pfälzer trotzdem der Region erhalten.

Lehrer aus Unzufriedenheit

Dabei ist er Lehrer aus Unzufriedenheit geworden: „An meinem Heimatgymnasium habe ich manche Dinge erlebt, mit denen ich nicht einverstanden war“, sagt Langhauser. Also entscheidet er sich dafür, es besser zu machen und tritt ein Lehramtsstudium in Mannheim an: „Meine Zielsetzung war die, ein guter Lehrer zu werden. Ich hatte großes Interesse daran, mit Kindern zu arbeiten und sie fit zu machen für ein Leben nach der Schule.“ Die Fächer sind schnell gefunden: schlecht in Mathe, gut in Sprachen, werden es Deutsch und Französisch.

Aus dem sonnigen Süden erreicht Langhauser dann irgendwann ein Anruf aus Koblenz mit dem Angebot einer Planstelle am Betzdorfer Gymnasium. Und nein, er habe das nicht mit „Sibirien“ assoziiert. Diesen Vergleich habe er erst viel später von Michael Lieber gehört.

Und siehe da: Langhauser und seine Frau Ulrike, ebenfalls Lehrerin, werden mit dem Westerwald („den kannte ich nur vom Lied her“) und dem Siegerland schnell warm: Die Menschen seien hier zwar etwas zurückhaltender und redeten nicht viel. „Aber was sie sagen, hat Hand und Fuß. Sie haben das Herz am rechten Fleck.“ Auch am Gymnasium selbst sei er sehr freundlich aufgenommen worden. Er habe schnell gemerkt, dass er seine Vorstellung von „Lehrersein“ hier auch werde umsetzen können. Den Auftakt machen 18 Stunden wöchentlich in Deutsch für Schüler der Jahrgangsstufe 9.

Schülerschaft steht für die Qualität der Schule

Zentraler Punkt seiner Laufbahn wird dann ein Spagat, an dem viele Pädagogen oft genug scheitern. Die richtige Balance zwischen Wertevermittlung und Wertschätzung zu finden. Langhauser will den Schülern das Gefühl vermitteln, dass sie ernst genommen werden, dass sie auch mal mit Sorgen zu ihm kommen können. Ein großes Anliegen ist, den Kindern die weit verbreitete Angst vor Französisch zu nehmen. Überhaupt gehört es zu seinem Selbstverständnis, die Schüler darin zu bestärken, an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben.

Dabei weiß Langhauser immer, wo er arbeitet: „Natürlich haben wir einen Leistungsanspruch. Wir haben eine gute und leistungsfähige Schülerschaft, die für die Qualität unserer Schule steht.“ In all den Jahren ist es ihm dabei ein besonderes Anliegen, das Gymnasium gegen das Klischee einer elitären Einrichtung zu verteidigen. Hier erhalte jeder eine Chance. Denn: „Eine soziale Schichtung ist mir zutiefst zuwider.“

Persönliche Zufriedenheit steht vor der Karriere

Irgendwann wird dann auch das Talent für Verwaltung und Organisation bei Langhauser entdeckt. Den Auftakt macht der Job als Mittelstufenleiter, für den er sich erfolgreich beworben hatte. Als Manfred Weber dann neuer Direktor des Gymnasiums wird, weiß er sehr genau, wen er sich an die Seite holen muss. Neben Helmut Münzel wird Langhauser Stellvertreter des Schulleiters. Und er hält gemeinsam mit Münzel die Stellung, als nach Webers Abschied die erste Vakanz entsteht. Ja, er habe auch immer mal Angebote erhalten, andernorts selbst eine Schule zu übernehmen: „Aber dazu hätte ich ja meinen Lebensmittelpunkt aufgeben müssen.“ Die persönliche Zufriedenheit habe vor der Karriere gestanden.
Doch nun war er ganz zum Schluss doch noch an vorderster Front. Noch einmal habe er gemerkt, wie wichtig es als Schulleiter sei, auf ein gutes Team bauen zu können, sagt Langhauser.

Angst vor dem großen Loch im Ruhestand hat der 63-Jährige nicht. Wandern, Reisen und viel Lesen steht jetzt auf dem privaten Stundenplan. Und überhaupt seien die Aufgaben zu Hause in Steineroth klar verteilt – in diesem Punkt ist der nahtlose Übergang aus dem Berufsleben garantiert. Ob in zweiter oder erster Reihe, weiß allein seine Frau.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

15 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen