SZ

Fichten-Ernte im Akkord
Waldbesitzer pleite: Kosten für neuen Wald sind gigantisch

Solche Bilder finden sich überall im AK-Land. Unmengen Holz sind aus dem Wald gekarrt worden – und leider oft zu einem schlechten Kurs verkauft worden. Unser Foto ist in Brachbach entstanden.
  • Solche Bilder finden sich überall im AK-Land. Unmengen Holz sind aus dem Wald gekarrt worden – und leider oft zu einem schlechten Kurs verkauft worden. Unser Foto ist in Brachbach entstanden.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Betzdorf. Gegen die Zerstörungswut des Borkenkäfers ist der Orkan „Kyrill“ eine Kleinigkeit gewesen: Seit 2018 sind allein im AK-Land 1,7 Millionen Festmeter Holz aus dem Wald gekarrt worden. „Da reichen 50.000 Lastwagen nicht aus“, sagt Forstamtsleiter Michael Weber und liefert gleich noch eine Zahl: 100.000 Festmeter Holz fallen in normalen Jahren im Kreisgebiet an. Aber von der Normalität ist man im Wald Lichtjahre entfernt.
Noch immer laufen die Harvester von früh bis spät, und jeden Tag kommen neue Kahlflächen hinzu. Dabei ist bereits die Fläche von 7000 Fußballplätzen im AK-Land abgeholzt worden.
Rund 85 Prozent der Fichten geerntetAber: Allzu viele Fichten haben die Borkenkäfer nicht übrig gelassen – und so neigt sich die Ernte im Akkord allmählich ihrem Ende entgegen.

damo Betzdorf. Gegen die Zerstörungswut des Borkenkäfers ist der Orkan „Kyrill“ eine Kleinigkeit gewesen: Seit 2018 sind allein im AK-Land 1,7 Millionen Festmeter Holz aus dem Wald gekarrt worden. „Da reichen 50.000 Lastwagen nicht aus“, sagt Forstamtsleiter Michael Weber und liefert gleich noch eine Zahl: 100.000 Festmeter Holz fallen in normalen Jahren im Kreisgebiet an. Aber von der Normalität ist man im Wald Lichtjahre entfernt.
Noch immer laufen die Harvester von früh bis spät, und jeden Tag kommen neue Kahlflächen hinzu. Dabei ist bereits die Fläche von 7000 Fußballplätzen im AK-Land abgeholzt worden.

Rund 85 Prozent der Fichten geerntet

Aber: Allzu viele Fichten haben die Borkenkäfer nicht übrig gelassen – und so neigt sich die Ernte im Akkord allmählich ihrem Ende entgegen. „Ich schätze, wir stehen bei 85 Prozent“, sagt der Technische Produktionsleiter des Forstamts, Frank Schneider, im Gespräch mit der SZ. Soll heißen: Der Großteil einer Rekord-Ernte, die sich niemand gewünscht hat, ist erledigt.

Holzpreis steigt wieder

Auch die Lastwagen mit den Übersee-Containern werden wohl nicht mehr allzu lange das Bild in den Wäldern prägen: „Wir wickeln noch einige Verträge ab“, sagt Schneider, „aber es werden weniger“. Denn der Holzpreis sei in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegen, sodass niemand mehr gezwungen sei, sein Holz zum Schleuderpreis nach China zu verschiffen.
Allerdings: Für viele Waldbesitzer ist der Preisanstieg viel zu spät gekommen. „Nur die, die jetzt noch Holz haben, profitieren“, verdeutlicht Schneider. Alle, die ihre Flächen aber schon frühzeitig geräumt und ihr Holz kaum kostendeckend verkauft haben, gehen leer aus.

Haubergsgenossenschaften hart getroffen

„Die wirtschaftliche Lage ist existenzbedrohend“, sagt Friedrich Freiherr von Hövel im Gespräch mit der SZ. Der Vorsitzende des Kreiswaldbauvereins macht zwar deutlich, dass man die vielen Haubergsgenossenschaften im Kreis nicht über einen Kamm scheren könne. Aber sie alle werden in voller Härte von einer einfachen Gleichung getroffen: „80 bis 90 Prozent der Einnahmen fehlen – und bei den Ausgaben handelt es sich um Fixkosten.“
Denn der Wald frisst Geld, für den Förster, die Steuer und die Berufsgenossenschaft, aber auch für Anpflanzungen, Kulturpflege und die Instandhaltung der Wege. „All das haben wir in der Vergangenheit aus den Erlösen des Holzverkaufs bezahlt. Aber die sind de facto weg“, sagt von Hövel.

Kosten für neuen Wald sind gigantisch

Und so stimmt er einer düsteren Prognose von Frank Schneider zu. Der Förster sagt: „Viele Waldbesitzer sind pleite, sie wissen es nur noch nicht. Denn die Kosten für einen neuen Wald sind gigantisch, da muss richtig Geld in die Hand genommen werden.“ Damit meint er nicht nur das kostspielige Anpflanzen, sondern vor allem die jahrzehntelange Pflege der Kulturen.

Waldbesitzer fordern Anteil aus CO2-Besteuerung

Kein Wunder also, dass die Forderung der Waldbesitzer immer lauter wird, Geld aus der CO2-Besteuerung zu bekommen. „Der Wald erfüllt viele Funktionen, die für die gesamte Gesellschaft wichtig sind“, sagt von Hövel und nennt die Wasserhaltung, den Erosionsschutz und die Erholungsfunktion. All diese Leistungen des Waldes lassen sich aber nur sperrig in Geld umrechnen – im Gegensatz zur CO2-Speicherung. Die lässt sich leicht berechnen, und wenn CO2-Emissionen mit einer Steuer belegt werden, sei es nur recht und billig, wenn CO2-Senken belohnt würden. „Wir möchten unseren Anteil haben“, wiederholt von Hövel eine der zentralen Forderungen der Waldbesitzer, „sonst werden viele Waldbesitzer nicht in der Lage sein, einen neuen Wald aufzubauen“.

Keine großen Unfälle bei Waldarbeiten

Das weiß auch Forstamtsleiter Michael Weber, und es treibt ihm die Sorgenfalten auf die Stirn. Und doch steuert er mit Blick auf die Akkord-Arbeiten im Wald zumindest einen erfreulichen Aspekt bei: „Wir mussten nicht ein einziges Mal den Rettungshubschrauber anfordern.“ Und das sei angesichts der Gefahr, die bei der Holzernte immer lauert, nicht selbstverständlich. Auch seien keine größeren Geschäfte geplatzt: „Zumindest das ist gut gelaufen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen