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Mann vor Amtsgericht Betzdorf verurteilt
Wegen „Schlampe!“ beinahe eingefahren

Vor dem Amtsgericht Betzdorf wurde ein 45-Jähriger zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt.
  • Vor dem Amtsgericht Betzdorf wurde ein 45-Jähriger zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach Betzdorf. Das war knapp: Markus V. ist wegen des Begriffs „Schlampe“ bzw. „Ossi-Schlampe“ zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Mit Ach und Krach wurde die Strafe am Betzdorfer Amtsgericht zur Bewährung ausgesetzt.
Richterin Beatrice Haas hatte in der Verhandlung nicht gerade leichtes Spiel. Es ging um ein Telefongespräch, das der 45-jährige Angeklagte vor einem Jahr aus einer Betzdorfer Kneipe heraus mit seiner damaligen Ehefrau geführt hatte. Die Beweisaufnahme zeichnete sich dadurch aus, dass sich die Zeuginnen in zwei Lager spalteten: Die einen sagte zugunsten von Markus V. (Name geändert) aus, die anderen taten das Gegenteil.

dach Betzdorf. Das war knapp: Markus V. ist wegen des Begriffs „Schlampe“ bzw. „Ossi-Schlampe“ zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Mit Ach und Krach wurde die Strafe am Betzdorfer Amtsgericht zur Bewährung ausgesetzt.
Richterin Beatrice Haas hatte in der Verhandlung nicht gerade leichtes Spiel. Es ging um ein Telefongespräch, das der 45-jährige Angeklagte vor einem Jahr aus einer Betzdorfer Kneipe heraus mit seiner damaligen Ehefrau geführt hatte. Die Beweisaufnahme zeichnete sich dadurch aus, dass sich die Zeuginnen in zwei Lager spalteten: Die einen sagte zugunsten von Markus V. (Name geändert) aus, die anderen taten das Gegenteil.

"Du blöde Kuh"

Im „Team Markus“ spielten die beiden Bedienungen der Gaststätte, beides Bekannte des Angeklagten, wie er später einräumte. Sie gaben an, das Telefonat mitbekommen zu haben, wenn auch nicht komplett. Beide wussten, dass es sich um ein Gespräch des Angeklagten mit seiner getrennt lebenden Frau gehandelt hat. Es sei um Geld gegangen, um ein Weihnachtsgeschenk für den gemeinsamen Sohn, sagten die Kellnerinnen. Markus V. habe dabei die meiste Zeit normal geredet. Lediglich gegen Ende soll ihm ein „Du blöde Kuh!“ oder ähnliches herausgerutscht sein. Das sei alles gewesen.
Die jetzige Frau des Angeklagten saß neben Markus V. an der Theke, als er das in Rede stehende Telefonat führte. Er sei erst ganz ruhig gewesen, habe sich erst gegen Ende des Gesprächs aufgeregt, sagte seine Gattin im Zeugenstand. Eine Beleidigung sei nicht ausgesprochen worden. Auf Nachfrage von Staatsanwalt Mies war sie sich aber dann doch nicht mehr so ganz sicher. „Es war auch Alkohol im Spiel“, sagte sie.
Klar, auch der Anklagte selbst bestritt vehement, die Schimpfworte gegenüber seiner damaligen Frau – mittlerweile ist das Paar geschieden, er lebt mit seiner neuen Frau in der Schweiz – gebraucht zu haben. Vielmehr sei er es gewesen, der angebrüllt worden sei. Es sei mal wieder ums Geld gegangen. Nun sei wohl das Motiv seiner Ex Rache. In seinem letztem Wort befand er: „Ich soll systematisch fertiggemacht werden.“

Ex-Freundin schildert den Sachverhalt gänzlich anders

Bei der Ex hingegen klang alles völlig anders: Als sie gerade bei einer Freundin zu Besuch war, habe Markus V. sie angerufen. Er sei offensichtlich „wieder in seinem Wahn“ gewesen. Er habe sie dann mehrfach beleidigt, als „Ossi-Schlampe“, „Türken-Hure“ und als „faule Sau“ bezeichnet. Und dann habe er gesagt: „Ich hab’ 40 000 Euro auf deinen Kopf ausgesetzt. Du wirst dein blaues Wunder noch erleben.“ Das sei dann zuviel des Guten für sie gewesen, so die Ex, die schließlich Anzeige erstattete.
Und auch deren Freundin, die alles mitangehört habe, wie sie selbst im Zeugenstand angab, bestätigte die Version der Ex im Großen und Ganzen. Die sei nach dem Anruf „fix und fertig gewesen“, habe geweint und gezittert.
Zwar hat die Freundin offensichtlich Probleme mit dem Gehör, dennoch stützte sich Staatsanwalt Mies in seinem Plädoyer vor allem auf deren Aussage. Er forderte schließlich drei Monate Haft. Das kam nicht von ungefähr, denn Markus V. kam mit einem Rucksack von 13 Vorstrafen in den Gerichtssaal. Dabei liest sich sein Eintrag im Bundeszentralregister beinahe wie das Strafgesetzbuch an und für sich: Betrug, Unterschlagung, Diebstahl, Steuerhinterziehung, Hausfriedensbruch, falsche Verdächtigung, Trunkenheit am Steuer etc.

Dritte Bewährungsstrafe parallel 

Das war wohl auch der Grund, warum Richterin Haas vor den Plädoyers den recht offenen Hinweis gab, dass es im Falle eines Schuldspruchs wohl nicht mit einer Geldstrafe getan sein werde. So war allerdings die Ausgangslage: Michael V. wurde ein Strafbefehl samt Zahlungsanweisung wegen der Beleidigungen zugestellt. Wegen eines Einspruchs war es überhaupt erst zu der Verhandlung gekommen. Hätte der Angeklagte gemeinsam mit seinem Anwalt Stephan Gast (der schließlich einen Freispruch forderte) den Einspruch noch während der Verhandlung zurückgenommen, wäre die Geldstrafe amtlich und eine etwaige Freiheitsstrafe vom Tisch gewesen. Doch das geschah nicht.
Die Konsequenz: Richterin Haas folgte der Staatsanwaltschaft. Das bedeutet allerdings auch, dass Michael V. nochmals eine Bewährungschance erhält, es ist die dritte parallel. Und das wohl nur, weil er in der Schweiz beruflich Fuß gefasst und mittlerweile wieder verheiratet ist, ihm also eine positive Sozialprognose zu stellen war. Vier Jahre lang sollte er sich nun nichts zu schulden kommen lassen. Außerdem muss er 3000 Euro an die Betzdorfer Caritas überweisen (in Raten). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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