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Halter wegen Versicherungsbetrugs angeklagt
Wer hat den Mercedes zersägt?

Eine Deluxe-Version des Mercedes CLS wurde bei dem Unfall „zersägt“, wie es Richter Tim Hartmann ausdrückte. Wer dafür verantwortlich ist, blieb offen.
  • Eine Deluxe-Version des Mercedes CLS wurde bei dem Unfall „zersägt“, wie es Richter Tim Hartmann ausdrückte. Wer dafür verantwortlich ist, blieb offen.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

dach Betzdorf. Ein recht schweigsamer Angeklagter und ein Vorfall, der kaum zu rekonstruieren war: Die Vorzeichen für die Verhandlung um einen versuchten Versicherungsbetrug und eine falsche Verdächtigung am Betzdorfer Amtsgericht dieser Tage waren denkbar ungünstig. Am Ende sprach Tim Hartmann Oleg R. (alle Namen geändert) frei. Er könne ihm die Vorwürfe aus der Anklageschrift nicht nachweisen, so der Richter.
Mercedes demoliertDas passte auch zu den Einschätzungen der beiden weiteren Juristen im Saal 512. Sowohl Verteidiger Daniel Walker (Betzdorf) als auch Staatsanwalt Kern hatten jeweils einen Freispruch gefordert.
Was war passiert? Es ging um einen Mercedes CLS 500, ein hochmotorisiertes Coupé, das Oleg R. erst zwei Monate zuvor erworben hatte. Das war in der Nacht zum 11.

dach Betzdorf. Ein recht schweigsamer Angeklagter und ein Vorfall, der kaum zu rekonstruieren war: Die Vorzeichen für die Verhandlung um einen versuchten Versicherungsbetrug und eine falsche Verdächtigung am Betzdorfer Amtsgericht dieser Tage waren denkbar ungünstig. Am Ende sprach Tim Hartmann Oleg R. (alle Namen geändert) frei. Er könne ihm die Vorwürfe aus der Anklageschrift nicht nachweisen, so der Richter.

Mercedes demoliert

Das passte auch zu den Einschätzungen der beiden weiteren Juristen im Saal 512. Sowohl Verteidiger Daniel Walker (Betzdorf) als auch Staatsanwalt Kern hatten jeweils einen Freispruch gefordert.
Was war passiert? Es ging um einen Mercedes CLS 500, ein hochmotorisiertes Coupé, das Oleg R. erst zwei Monate zuvor erworben hatte. Das war in der Nacht zum 11. Februar 2018 „zersägt“ worden, wie es Richter Hartmann ausdrückte. Die Kernfrage des Prozesses: von wem? Der Wagen stand jedenfalls reichlich demoliert auf einem Parkplatz vor dem Wissener Rathaus, im Ortsteil Nisterbrück hatte man Fahrzeugteile auf der Straße gefunden.
Nun ging Oleg R. an jenem Tag zur Polizei und erstattete Anzeige gegen unbekannt. Zehn Tage später meldete er den Schaden bei der Versicherung. Auch hier der Verweis: Er wisse nicht, wer den Unfall mit seinem Daimler gebaut habe.

38.000 Euro Schaden

Das sah die Staatsanwaltschaft Koblenz anders. Aufgrund von Zeugenaussagen bei der Polizei war sie der Auffassung, dass Oleg R. sehr wohl bekannt sei, wer mit seinem Auto in dieser Nacht eine Spritztour unternommen hatte. Die Konsequenz daraus war eine Anklage.
Knapp 38.000 Euro Schaden hatte ein Gutachter an dem seinerzeit gut vier Jahre alten 408-PS-Boliden ermittelt: wirtschaftlicher Totalschaden. Knackpunkt des Falls war die Frage um den Fahrzeugschlüssel. Oleg R. hatte in dieser Nacht mit Bekannten gefeiert, samt reichlich Alkohol. In der Wohnung von Uwe F., unweit vom Parkplatz, ging es los, später dann in einer Gaststätte weiter.

Angeklagter gibt sich unwissend

Die Staatsanwaltschaft ging zunächst davon aus, dass Uwe F. der Zersäger des CLS 500 war – und Oleg R. davon wusste. Doch der Angeklagte ließ über seinen Anwalt verlauten, er habe den Schlüssel nicht weitergegeben: „Er hat keine positive Kenntnis vom Fahrer oder von einem Unfallhergang“, so Verteidiger Walker. Und: „Er hat dem Zeugen F. das Fahrzeug nicht überlassen.“ Weitere Rückfragen wollte der Angeklagte nicht beantworten, auch nicht die obligatorischen Auskünfte zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen erteilen. Die sind aber wichtig, wenn es zu einer Verhängung einer Geldstrafe kommt – oder zu einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage. Und genau das bot Staatsanwalt Kern an. Die Verteidigung aber lehnte ab. Sein Mandant wolle ein Urteil, so Walker nach einer kurzen Beratungspause.

War Uwe F. der Fahrer?

Zuvor hatte sich das Gericht die Aussage von Jaqueline S. angehört. Sie war beim „Warm-up“ in der Wohnung von Uwe F. dabei gewesen. Oleg R. sei irgendwann in die Gaststätte weitergezogen. Der Mercedes-Schlüssel und weitere persönliche Dinge habe er dort gelassen: „Ich meine, Oleg hat gesagt: ,Ich lass dir den Schlüssel da, aber fahr nicht mit dem Auto’“, so die Zeugin. Sie und Uwe F. seien in der Wohnung geblieben. Allerdings habe Uwe F. diese in der Nacht zweimal verlassen. Als er das zweite Mal wiedergekommen sei, habe er aufgeregt gewirkt. „Er war neben der Spur“, habe aber behauptet, Zeuge einer Schlägerei geworden und deswegen nun etwas aufgeregt zu sein. Am nächsten Tag sei Oleg R. wieder zur Wohnung gekommen, aber sie habe nicht gehört, was die beiden Männer besprochen haben.

Schlüssel möglicherweise gestohlen worden

Uwe F. selbst war nicht vor Gericht erschienen. Richter Hartmann verlas das Protokoll der Vernehmung bei der Polizei. Darin bestritt Uwe F., mit dem Wagen in der Nacht gefahren zu sein. Er mutmaßte vielmehr, dass jemand den alkoholbedingten Zustand von Oleg R. ausgenutzt und den Schlüssel gestohlen haben könnte.
Der Angeklagte selbst hatte ein wasserdichtes Alibi. Denn für ihn war die Nacht nach dem Gaststättenbesuch noch nicht vorbei. Er zog mit Bekannten weiter, hatte sich später von seinem Bruder abholen lassen.
Mittlerweile befindet sich Oleg R. mit seiner Versicherung im Rechtsstreit: Obwohl das Auto Vollkasko-Schutz hatte, hat er bislang noch keinen Cent gesehen. Die Gesellschaft geht – wie zunächst die Staatsanwaltschaft auch – davon aus, er habe den Schlüssel weitergegeben, an jemanden, der keinen Führerschein hat und betrunken war.
Wie es auch letztlich gewesen ist, Richter Hartmann zeigte in der Urteilsbegründung jedenfalls ein Herz fürs motorisierte Blech: „Schade um das schöne Auto.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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