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Auf die NABU-Stiftung wartet viel Arbeit
Westerwälder Seenplatte verkauft

Die Westerwälder Seenplatte soll dauerhaft als Naturparadies und touristisches Ziel erhalten werden: Das Fürstenhaus zu Wied hat die sieben Weiher an die NABU-Stiftung „Nationales Naturerbe“ verkauft.  Fotos: damo
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  • Die Westerwälder Seenplatte soll dauerhaft als Naturparadies und touristisches Ziel erhalten werden: Das Fürstenhaus zu Wied hat die sieben Weiher an die NABU-Stiftung „Nationales Naturerbe“ verkauft. Fotos: damo
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damo Hachenburg. Vor vierhundert Jahren war es sicher deutlich angenehmer, Deutschlands Adel anzugehören – zumindest dürfte Graf Friedrich zu Wied im 17. Jahrhundert noch weitaus weniger Ärger mit seinen Karpfenteichen gehabt haben als seine Nachfahren heute. Aber all das Gezerre und Gerangel um die Zukunft der Westerwälder Seenplatte gehört für das Fürstenhaus bald der Vergangenheit an: Die NABU-Stiftung „Nationales Naturerbe“ hat alle sieben Weiher gekauft.

„Seit 1975 hat der Schriftwechsel mit den Behörden signifikant zugenommen“, berichtete Isabelle Fürstin zu Wied gestern am Dreifelfer Weiher.

damo Hachenburg. Vor vierhundert Jahren war es sicher deutlich angenehmer, Deutschlands Adel anzugehören – zumindest dürfte Graf Friedrich zu Wied im 17. Jahrhundert noch weitaus weniger Ärger mit seinen Karpfenteichen gehabt haben als seine Nachfahren heute. Aber all das Gezerre und Gerangel um die Zukunft der Westerwälder Seenplatte gehört für das Fürstenhaus bald der Vergangenheit an: Die NABU-Stiftung „Nationales Naturerbe“ hat alle sieben Weiher gekauft.

„Seit 1975 hat der Schriftwechsel mit den Behörden signifikant zugenommen“, berichtete Isabelle Fürstin zu Wied gestern am Dreifelfer Weiher. Leider waren die Briefe selten erfreulich: Fast immer ging es um Natur- und Gewässerschutz, und immer häufiger wurde deutlich, „dass nicht mehr alle Interessen unter einen Hut zu bringen sind“. Da zudem millionenschwere Sanierungen an Dämmen und Abläufen anstehen, hat das Fürstenhaus schon vor einigen Jahren beschlossen, einen Käufer zu suchen. Wenn auch mit einem weinenden Auge, wie die Fürstin beim Pressegespräch anklingen ließ. Aber „40 Jahre heftige Auseinandersetzungen“ und der Optimismus, dass der Verkauf für die „Seenplatte eine große Chance“ sein könnte, haben den Ausschlag gegeben, sich von einem Stück des Familienbesitzes zu trennen.

Wie viel Geld am Ende für die 230 Hektar ans Schloss Neuwied transferiert ist, hat gestern niemand verraten. „Darüber wollen wir nicht sprechen“, ließ der Stiftungsvorsitzende Christian Unselt eine entsprechende Nachfrage unbeantwortet. Klar ist nur, dass der NABU aus eigenen Mitteln 138 000 Euro aufbringen muss. Dafür sammelt die Stiftung auf ihrer Homepage bereits fleißig Spenden. Der Rest der Kaufsumme kommt aus unterschiedlichen Fördertöpfen.

Weitaus mehr Geld als der NABU wird das Land Rheinland-Pfalz für den Erhalt des „bundesweit bedeutsamen Naturgebiets“ (Umweltministerin Ulrike Höfken) in die Hand nehmen müssen. 3,5 Mill. Euro sollen in den kommenden fünf Jahren investiert werden, um die maroden Deiche, „Mönche“ etc. zu sanieren. Würde man das nicht tun, wären die sieben Weiher bald Geschichte: Dann bliebe nur, das Wasser ablaufen zu lassen.

Genau das soll aber in jedem Fall vermieden werden, betonten gestern alle Redner. Und zwar aus ökologischen wie aus ökonomischen Gründen: Das Gebiet spielt weit überregional eine bedeutsame Rolle im Artenschutz; hier brüten viele seltene Vogelarten, und zu den Zugzeiten sind die sieben Weiher ein wichtiger Rastplatz für durchziehende Vogelschwärme. Zugleich hat das Gebiet auch eine nicht zu unterschätzende touristische Bedeutung und trägt damit zur regionalen Wertschöpfung bei.

Beides soll auch künftig miteinander in Einklang gebracht werden. Zwar steht die NABU-Stiftung mit ihren konkreten Plänen noch ziemlich am Anfang, aber klar ist: Alle Vorgaben, die sich aus dem Status als FFH- und Vogelschutzgebiet ergeben, muss der neue Eigentümer umsetzen. Und auch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie muss berücksichtigt werden. Das ist in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen dem Land und der NABU-Stiftung festgeschrieben.

Wie diese Vorgaben konkret umgesetzt werden, ist noch offen – Unselt betonte aber gestern beim Pressegespräch, dass die NABU-Stiftung sehr daran interessiert sei, mit den Akteuren vor Ort gemeinsame Ziele abzustecken. Oft seien sogar Synergieeffekte denkbar: So verlangt beispielsweise die EU-Wasserrahmenrichtlinie, dass die Wasserqualität verbessert wird – das soll beispielsweise durch die Dammsanierung erreicht werden. Und die verbesserte Wassergüte könnte dazu führen, dass der Dreifelder Weiher in absehbarer Zeit wieder als EU-Badegewässer deklariert werden kann, was sicher auch dem Campingplatz zugute kommen wird.

Dass es gelingen wird, touristische Interessen mit den Naturschutzzielen unter einen Hut zu bringen, ist auch die Hoffnung von Peter Klöckner. Der Hachenburger Bürgermeister adelte die Seenplatte als „einzigartiges Paradies“ und nannte den Verkauf ein „Jahrhundertereignis für die gesamte Region“.

Ob er damit Recht hat, bleibt abzuwarten – Fakt ist aber, dass der NABU mit seiner Arbeit nicht übermorgen fertig sein wird. Denn die Pflege und der Erhalt der Seenplatte seien eine Ewigkeitsaufgabe, informierte Ministerin Höfken. Ewig ist bekanntlich ziemlich lang – davon können z. B. die Energiekonzerne in den Kohlerevieren ein Lied singen.

Den neuen Besitzer der Weiher scheint das nicht zu schrecken. Die NABU-Stiftung weiß, dass im kommenden Jahr mit den wasserbaulichen Maßnahmen begonnen werden soll. Zudem schwebt der Oberen Naturschutzbehörde vor, dass ein neues Fischereikonzept und ein Plan für den Wasserhaushalt erstellt werden. Dass auch die ökologisch wertvollen Wiesen, Weiden und Brachen gepflegt werden müssen, versteht sich unter Naturschützern von selbst. All das listete Dr. Ulrich Kleemann auf, seines Zeichens Präsident der SGD Nord. Und so kommt sein Fazit nicht überraschend: „Die NABU-Stiftung hat eine große Aufgabe übernommen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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