Wie Bolle amüsiert

Possen-Klassiker »Pension Schöller« in Betzdorf

sz Betzdorf. 110 Jahre hat sie auf dem Buckel, die Posse aus der »Pension Schöller«. Längst ist sie zum Klassiker auf den Boulevard-Bühnen avanciert. Mal dominiert der deftige Humor, mal gleitet sie in den Klamauk aus, oder es klingen, wie bei der Aufführung des Boulevard-Theaters Düsseldorf am Donnerstag Abend in der Stadthalle Betzdorf, auch die leiseren Töne an. So lustig Eugen Rümpel, der verhinderte Schauspieler mit dem Sprachfehler auch ist, er zitiert mal Schiller, mal Homer. Wenn nur das verflixte »L«, das immer zum »N« in der Sprache wird, nicht wäre.

Alfons Höckmann inszenierte den Spaß um das »Landei« Philipp Klapproth (Klaus Peter Plessow), das in der Hauptstadt Berlin einmal ein Irrenhaus kennenlernen möchte und dabei in die »Pension Schöller« gerät. Der Grandseigneur der Düsseldorfer Theaterszene, der mit seiner Frau Ingrid Braut einst zwischen Weihnachten und Silvester mit gepflegten Boulevard-Stücken das Siegener Theater-Publikum begeisterte, legt auch in dieser Inszenierung viel Wert darauf, dass seine Schauspieler nicht über Tisch und Bänke gehen. Vor allem die Rolle des Eugen Rümpel hat Höckmann, der selbst den etwas meschuggen Weltenbummler Fritz Bernhardy spielt, nicht so angelegt, dass er zum Tollpatsch mit Sprachfehler wird.

Solche Mätzchen hat das Stück auch nicht nötig, besonders wenn einer wie Klaus Peter Plessow die Rolle des Philipp spielt. Da fragt man sich, wer hat denn nun die Macken, er, oder die Gäste der Pension und kommt zum Schluss: Jeder hat seine Macken.

Als Carl Laufs und Wilhelm Jacoby ihre Posse schrieben, mag das Stück durchaus satirische Anspielungen auf die Menschen um 1890 gehabt haben. Die Bearbeitung von Horst Willems arbeitet das sehr geschickt heraus, ohne darin zu verfallen, mit Gewalt aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit zu suchen. Doch eines ist klar: Es dreht sich auch heute immer noch alles um Liebe, Besitz und Anerkennung. Doch im Vordergrund der Posse steht der Unterhaltungswert. Auch das Betzdorfer Publikum amüsierte sich wie einst »Bolle« in Berlin. Dazu trug sicherlich auch das Ensemble bei, in dem es kein schauspielerisches Gefälle gab. Ulla Martens war die Klatschtante Josephine Krüger vom Laubenblatt, oder besser gesagt, das Trüffelschwein des Bürgertums, immer auf der Suche nach den zwischenmenschlichen Geschichten. Jens Hajek (Alfred Klapproth), Wolfgang Hennefeld (Major A. D. Gröber), Ulrike Sprosser (Gunhild Eichhorn), Jochen Fiss (Schöller), Sigrid Bode (Amalie Pfeifer) und Ruth Willems (Frederike) rundeten das Ensemble ab mit ansprechenden Leistungen.

La

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.