Wie man Grenzen sprengen kann

Gospelformation »Spirited Voices« in der Kreuzkirche/Organist Schmitz überraschte

sz Betzdorf. Ein Chorkonzert der ganz besonderen Art erlebten am Sonntag die Gäste in der gut besuchten Kreuzkirche in Betzdorf. Dort gab der Gospelchor »Spirited Voices« aus dem benachbarten Siegerland ein Gastspiel und hinterließ dabei zweifellos einen bleibenden Eindruck bei den am Ende restlos begeisterten Konzertbesuchern. »Spirited Voices« ist der jüngste Spross der Chorgemeinschaft »Cäcilia« Niederdielfen und wurde 1994 auf Anregung des Chorleiters Matthias Merzhäuser gegründet.

In Betzdorf gaben die Sänger einen beeindruckenden Einblick in ihr Können und ihre Vielseitigkeit. Unter der Leitung von Matthias Merzhäuser sang der Chor zahlreiche Gospels und machte außerdem einen Abstecher in den Jazz- und Popbereich. Schon nach den ersten Gospel-Takten von »Lord, Lord, Lord« oder »Glorious Kingdom« wurde deutlich, dass Pfarrer Martin Aust bei seiner Begrüßung den Nagel auf den Kopf getroffen hatte, als er sagte, dass von Gospels eine große Energie ausgingen. Diese Energie brachte der Chor nicht nur durch seinen erstklassigen Gesang, sondern auch durch eine große Ausstrahlung rüber. Mitklatschend und mitswingend vermittelte »Spirited Voices« die Stimmungen von Gospels wie »All night all day« oder »Go down Moses«.

Dies galt auch für die musikalischen Abstecher in den Jazz- und Popbereich. Stücke wie »Pescsacaglia«, Gershwins »Summertime« oder die legendäre »Bohemian Rhapsody« interpretierte der Chor in hervorragender Weise. Auf ganz neue Art trug er auch den Spiritual »Where you there« vor, die laut Merzhäuser eher zufällig beim Proben entstanden ist. Hierfür verteilten sich die Sänger in der gesamten Kirche und nutzten so die einmalige Akustik des Gotteshauses voll aus. Diese kam auch bei den Vorträgen des Siegener Organisten Matthias Schmitz voll zur Geltung. Er begleitete nicht nur den Chor sondern stellte zwischenden Liedvorträgen auch sein eigenes Programm vor. Dieses hat er mit dem Titel »Organ goes astray« vielleicht etwas zu krass beschrieben. Denn es waren weniger Abwege, sondern eher neue Wege, die der junge Organist der Kirche St. Marien in Siegen bestritt. Er überwindet die Grenzen zwischen der Rock-und Popmusik und dem sakralen Instrument Orgel.

Wer glaubte, dass eine Annäherung dieser beiden Bereiche nicht möglich sei, wurde von Matthias Schmitz in Betzdorf eines Besseren belehrt. Er trug seine eigenen Interpretationen von Rockklassikern wie »Music« von John Miles, »Love of my life« von Freddy Mercury oder »Stairway to heaven« und den Deep-Purple-Hit »April« auf der Orgel vor.

Auch wenn dies zunächst etwas ungewöhnlich scheint und sicherlich manch alteingesessener Kirchenmusiker seine Probleme damit hätte, verstand es Schmitz, die Zuhörer mit diesen neuen Orgelklängen in seinen Bann zu ziehen. Spätestens beim emotionalen »Leningrad« von Billy Joel ergriff wohl jeden Zuhörer ein angenehmer Schauer, angesichts der mitreißenden Interpretation dieser Orgelversion. Donnernder Applaus war der verdiente Lohn für Chor und Organisten, die mit diesem Konzert ganz neue Akzente setzten.

suk

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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