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Jugendpflegen trotzen der Pandemie
„Wir sind da“

Jenny Müller (Jugendpflege Betzdorf-Gebhardshain) und Felix Garcia Diaz (Jugendpflege Kirchen) wollen gemeinsam mit ihren Kollegen auch in der Krise Hoffnung verbreiten – und auch dabei ist Kreativität gefragt.
  • Jenny Müller (Jugendpflege Betzdorf-Gebhardshain) und Felix Garcia Diaz (Jugendpflege Kirchen) wollen gemeinsam mit ihren Kollegen auch in der Krise Hoffnung verbreiten – und auch dabei ist Kreativität gefragt.
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nb Kirchen/Betzdorf. Der Besuch bei „Feuerwehrmann Sam“, der Städtetrip nach Hamburg, das Abenteuercamp im Giebelwald, die Kickerpartie im Jugendtreff, aber auch Hilfe bei Problemen mit der Familie oder der Schule bis hin zur Unterstützung junger Obdachloser – all dies und noch viel mehr gehört normalerweise zum Angebot der Jugendpflegen Betzdorf-Gebhardshain und Kirchen. Normalerweise. Denn das Coronavirus wirbelt auch die Arbeit der Jugendpfleger gründlich durcheinander. Da braucht man schließlich nur einen kurzen Blick auf den kleinen Angebots-Abriss zu werfen. Und sich vor Augen zu führen, dass diese Arbeit ganz stark vom engen Kontakt lebt, unter der Prämisse: Menschen brauchen Menschen.

Vielem hat das Virus praktisch von jetzt auf gleich einen Riegel vorgeschoben.

nb Kirchen/Betzdorf. Der Besuch bei „Feuerwehrmann Sam“, der Städtetrip nach Hamburg, das Abenteuercamp im Giebelwald, die Kickerpartie im Jugendtreff, aber auch Hilfe bei Problemen mit der Familie oder der Schule bis hin zur Unterstützung junger Obdachloser – all dies und noch viel mehr gehört normalerweise zum Angebot der Jugendpflegen Betzdorf-Gebhardshain und Kirchen. Normalerweise. Denn das Coronavirus wirbelt auch die Arbeit der Jugendpfleger gründlich durcheinander. Da braucht man schließlich nur einen kurzen Blick auf den kleinen Angebots-Abriss zu werfen. Und sich vor Augen zu führen, dass diese Arbeit ganz stark vom engen Kontakt lebt, unter der Prämisse: Menschen brauchen Menschen.

Vielem hat das Virus praktisch von jetzt auf gleich einen Riegel vorgeschoben. „Wir stecken Herzblut in die Arbeit und plötzlich bricht alles weg.“ So sagen es Jenny Müller und Felix Garcia Diaz. Sie sind Jugendpfleger in der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain bzw. Kirchen – die bekanntermaßen schon lange eng zusammenarbeiten und oft gemeinsame Sache machen – und berichten, wie ihre Arbeit in den vergangenen Wochen aussah und in den kommenden Wochen aussehen wird.

Gerade stand eine Jugendleiterschulung in der Villa Kraemer in Kirchen an, da kam der Lockdown, blicken sie zurück. Mehreren Referenten musste kurzfristig abgesagt werden: „Das war schon sehr dramatisch“, so Garcia Diaz. Was da ansonsten noch weggebrochen ist, zeigt seine Schätzung: 4000 bis 5000 Teilnehmer hätten die Jugendpflegen für ihre Angebote, also von den Jugendtreffs über Fahrten bis hin zu Veranstaltungen, normalerweise im ersten Quartal des Jahres gehabt, das zeigt die Erfahrung aus der Vergangenheit.

Das Familienmusical um den „Feuerwehrmann Sam“ in Betzdorf, die Wiedereröffnung des Jugendtreffs Wallmenroth mit Kinderdisco, Zauberworkshops, ein Erste-Hilfe-Kurs und natürlich nicht zuletzt die Ferienbetreuung: Auch das Frühjahr 2020 „war richtig voll“. Dann kam Covid-19.

Doch bange machen, das gilt nicht. Schließlich, so die SZ-Gespächspartner, sind sie und ihre Kollegen „Perspektivengeber“ in mehrere Richtungen: Für die Kinder und Jugendlichen natürlich, für die Eltern und eben z. B. auch für Referenten.

Und: Spontan agieren, Dinge kreativ angehen, das gehört auch ohne fieses Virus fest zum Arbeitsleben in den Jugendpflegen hinzu. So wirken die beiden denn auch keinesfalls „geknickt“, sondern man merkt, dass sie den selbst gestellten Auftrag stemmen wollen und können: „Hoffnung weitergeben.“

„Wir sind da“, sagen sie – als Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche, nur eben auf neuen Wegen. Über Videokonferenzen, Telefonate, aber insbesondere über WhatsApp halten sie Kontakt. Die Chats und Gruppen glühen sozusagen, wenn auch natürlich kontrolliert und organisiert. Da gibt es zum Beispiel für Jugendtreff-Gruppen Rätsel, kleine Spiele oder Kochtipps. Aber auch Informationen rund um das richtige Verhalten in der Pandemie.

Das, was sich in den Gruppen tue, sei „sehr belebend“ und die Jugendlichen würden teils noch mal ganz andere Facetten bei den anderen kennenlernen.

Aber selbstverständlich wird die Technik auch genutzt, um Einzelpersonen zu unterstützen, erklärt Jenny Müller, die für die Jugendsozialarbeit verantwortlich zeichnet. Hilfe etwa bei Bewerbungen gibt es auf dem WhatsApp-Wege. Gerade bei Jugendlichen, die schon vorher in Gefahr waren, abgehängt zu werden, sei diese Arbeit nun besonders wichtig, so Jenny Müller. Die Sozialarbeiter sind da nicht nur Perspektiven-, sondern auch Strukturgeber.

Weiter läuft in Corona-Zeiten auch die Netzwerkarbeit. Die Jugendpflegen stehen im regelmäßigen Austausch und in Beratungen mit dem Kreisjugendamt, mit Verbänden und Vereinen.

Apropos Vereine: Bekannt sind die Jugendpflegen auch für ihr Ferienspaßprogramm. Wird das neue Programm vorgestellt, dauert es nicht lange, bis in den Rathäusern die Anmeldungen eingehen. Kein Wunder, ist doch immer für jeden etwas dabei. Möglich gemacht wird das in Zusammenarbeit mit Veranstaltern, Institutionen und eben vielen Vereinen.

„Unser Wunsch ist es, dass es einen Ferienspaß gibt“, so Jenny Müller und Felix Garcia Diaz im Gespräch mit der SZ. Gleichzeitig unterstreichen sie: Die endgültige Entscheidung ist nicht allein an ihnen, schließlich ändern sich die Lage und die Verordnungen teils von Tag zu Tag – und hellsehen, das können selbst die Jugendpfleger nicht.

Aber: Der Wunsch ist da. Und: „Wir haben die Konzepte in den Schubladen liegen.“ Doch auch, wenn es ein Ferienspaßprogramm geben sollte, stehe fest: „Es ist nicht der Ferienspaß wie sonst.“ Und auch klar: Die beliebten großen Tagesfahrten können in diesem Sommer nicht stattfinden.

Noch einmal ein ganz anderes „Brett“ ist die Ferienbetreuung, die ebenfalls zu den Angeboten der Jugendpflegen gehört und für viele berufstätige Eltern besonders wichtig ist. Doch wie es damit in den Sommerferien aussehen wird, können die beiden Diplom-Sozialpädagogen schlicht noch nicht sagen: „Wir wissen es noch nicht.“ Schließlich spielen auch hier die künftigen Vorgaben des Landes und ihre praktische Umsetzung eine entscheidende Rolle.

Auf jeden Fall bleiben die Jugendpflegen gewappnet, jeden Tag wieder neu zu sehen, wohin die Reise geht und kreativ zu reagieren. So wird es beispielsweise noch im Mai eine erste Online-Jugendleiterschulung geben. Es passiere gerade ganz viel, sagt Jenny Müller: „Krisen bieten auch immer Chancen.“ Ihr Kirchener Kollege nickt dazu, sagt aber abschließend auch: „Menschen brauchen Menschen. Und das nicht nur virtuell. Das fehlt.“

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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