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Freispruch für 28-Jährigen nach Anklage wegen Sachbeschädigung
„Wir sind hier nicht bei RTL!“

Diverse Pferde-Utensilien seiner Ex-Freundin soll Pit B. mit einem Messer zerschnitten haben, so die Anklage. Richter Tim Hartmann war nach der Beweisaufnahme allerdings völlig anderer Auffassung. Ergo erfolgte ein Freispruch.
  • Diverse Pferde-Utensilien seiner Ex-Freundin soll Pit B. mit einem Messer zerschnitten haben, so die Anklage. Richter Tim Hartmann war nach der Beweisaufnahme allerdings völlig anderer Auffassung. Ergo erfolgte ein Freispruch.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

dach Betzdorf. Auf den ersten Blick ging es nicht um viel. Ein überschaubarer Schaden, vielleicht im Wert von 500 Euro. Doch die Geschichte hinter der Geschichte geht offenbar viel tiefer. Verbirgt sich dahinter ein Stalking-Fall oder aber ein abgekartetes Spiel, um Pit B. (alle Namen geändert) zu ruinieren?
Der 28-jährige Bautechniker saß jedenfalls auf der Anklagebank. Er soll, so die Staatsanwaltschaft, am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags 2019 mehrere Pferdedecken, eine Sattelpacktasche, eine Trense und einen Lodenmantel seiner Ex-Freundin mit einem Messer zerschnitten haben. Tatort: Eine Jagdhütte im Wald bei Birken-Honigsessen.
Angezeigt hatten den Vorfall Monika U. und Dominik S., die Ex-Freundin des Angeklagten und deren neuer Lebenspartner.

dach Betzdorf. Auf den ersten Blick ging es nicht um viel. Ein überschaubarer Schaden, vielleicht im Wert von 500 Euro. Doch die Geschichte hinter der Geschichte geht offenbar viel tiefer. Verbirgt sich dahinter ein Stalking-Fall oder aber ein abgekartetes Spiel, um Pit B. (alle Namen geändert) zu ruinieren?
Der 28-jährige Bautechniker saß jedenfalls auf der Anklagebank. Er soll, so die Staatsanwaltschaft, am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags 2019 mehrere Pferdedecken, eine Sattelpacktasche, eine Trense und einen Lodenmantel seiner Ex-Freundin mit einem Messer zerschnitten haben. Tatort: Eine Jagdhütte im Wald bei Birken-Honigsessen.
Angezeigt hatten den Vorfall Monika U. und Dominik S., die Ex-Freundin des Angeklagten und deren neuer Lebenspartner. Beide hatten am nächsten Tag bei der Polizei zu Protokoll gegeben, dass sie Pit B. am Abend zuvor dabei gesehen hätten, wie er die Gegenstände zerschnitten hatte. Als Pit B. sie bemerkt habe, sei er sofort geflüchtet.

160 Kilometer von Birken-Honigsessen entfernt

Der Angeklagte wollte von diesem Vorwurf nichts wissen. Er ließ über seinen Verteidiger Torben Maas (Düsseldorf) mitteilen, er sei an diesem Abend zunächst bei seiner Großmutter im Sauerland gewesen, um mit ihr das Fest der Liebe zu feiern. Dabei sei ein Adventskranz in Brand geraten, der Tisch gleich mit. Er habe zum Feuerlöscher gegriffen und die Flammen erstickt, danach der Großmutter bei der Beseitigung des Schadens geholfen. Außerdem habe er die Versicherung angerufen und auch seiner Mutter telefonisch Bescheid gegeben.
Am späteren Abend sei er zu Fuß zur Wohnung seines Vaters gegangen, um dort seinen Weihnachtsbesuch abzustatten. Das alles liege rund 160 Kilometer von Birken-Honigsessen entfernt. „Mein Mandant war noch nie da“, so Rechtsanwalt Maas über die Jagdhütte. Außerdem deutete der Jurist an, dass das Ende der Beziehung zwischen Pit B. und Monika U. nicht ohne Folgen geblieben sei, sprach von einer „über mehrere Verfahren laufenden Vendetta“. Der Prozess am Betzdorfer Amtsgericht sei indes „eine neue Stufe der Eskalation“ und der bisherige „traurige Höhepunkt“.

„Ich bin so massiv gestalkt worden ...“

Das setzte den Rahmen für die Aussagen der beiden, die seinerzeit die Anzeige erstattet hatten. Monika U. ließ aus dem Zeugenstand zunächst einige allgemeine Einschätzungen verlauten. „Ich bin so massiv gestalkt worden ...“, sagte sie etwa. Oder: „Es macht mich mürbe.“
Sie habe so viele Vorfälle bei der Polizei angezeigt, sie wisse nicht so richtig, um welchen es nun gerade in diesem Verfahren gehe. Sie sitze mittlerweile auf einem Schaden in Höhe von 20.000 Euro.
Nun aber berichtete sie auf Nachfrage, dass sie die zerstörten Gegenstände an der Jagdhütte zwar entdeckt, aber niemanden in flagranti „erwischt“ habe.

Verteidiger sieht Staatsanwaltschaft gefordert

Dass sie sich nicht mehr daran erinnerte, ihren Ex vor Ort gesehen zu haben, wusste Verteidiger Maas zu nutzen. Er fragte mit lauter Stimme: „Was stimmt denn nun?“ Und er konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen: „Wegen Ihrer Anzeige sitzen wir hier. Ein Strafverfahren ist kein Spiel, das ist das Leben. Wir sind hier nicht bei RTL!“
Monika U. entschied sich schließlich für die Version, die sie bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte – nach zweimaliger Belehrung von Richter Hartmann, sie müsse hier und heute nichts sagen, wenn sie sich damit selbst strafbar mache.
Das dürfte unter Umständen zu spät sein. Rechtsanwalt Maas machte deutlich, was er von der Sache hält: „Ich hoffe, dass die Staatsanwaltschaft entsprechende Maßnahmen einleitet.“

Eltern bestätigten Alibi des Sohnes

Bei Dominik S., dem aktuellen Freund von Monika U., lief es ähnlich. Zunächst tat er Allgemeines kund, etwa: „Herr B. hat uns regelmäßig bei Nacht und Nebel aufgelauert.“ Die Tat als solche wollte er aber nicht gesehen haben. Er berief sich dann aber wieder auf seine Aussage bei der Polizei, wonach es Pit B. gewesen sei, der mit einem Messer in der Hand über den zerstörten Gegenständen hockte.
Reine Formsache war es, noch die Eltern des Angeklagten zu hören, die beide das Alibi ihres Sohnes bestätigten. Am Ende blieb für (den wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs vorbestraften) Pit B. nur ein Freispruch. Verteidiger Maas sprach von „abenteuerlichen Behauptungen“ der vermeintlichen Belastungszeugen, Richter Hartmann von „fast lehrbuchartigen Absprachen zweier Zeugen“. Die Ausführungen seien nicht glaubhaft gewesen und sowohl weder Monika U. noch Dominik S. glaubwürdig.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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