Wo Geschwisterliebe aufhört

Schwester zeigte Bruder wegen illegalen Waffenbesitzes an

ruth Betzdorf. Wenn es ums Geld geht, hört die Geschwisterliebe auf. Diese Erkenntnis konnte Richter Dr. Orlik Frank gestern machen, als er einen 47-jährigen Mann aus der Verbandsgemeinde Kirchen vor sich auf der Anklagebank sitzen hatte, der wegen illegalen Waffenbesitzes angezeigt worden war. Das Brisante an der ganzen Geschichte: Es war die eigene Schwester, die den Fall vor Gericht brachte.

Angefangen hat alles mit dem Tod der Mutter vor zwei Jahren. Sie setzte den Sohn als Haupterben ein und gestand der Tochter nur den Pflichtanteil zu. Seitdem herrscht zwischen den Geschwistern »Eiszeit«. Gelegentliche Telefonate enden in verbalen Entgleisungen, in die auch die Familie des Angeklagten hineingezogen wurde. Darum unterließ es der 47-Jährige so weit wie möglich, mit der Schwester noch zu telefonieren.

Nach dem Tod der Mutter kümmerte sich der Sohn um die Wohnung. Da er beruflich die ganze Woche unterwegs ist, widmet er sich am Wochenende seiner Frau und den Kindern. Bleibt dann noch einmal Zeit übrig, sieht er in der Wohnung nach und sorgt dafür, dass nichts kaputt geht oder verschimmelt. Als sich ein Pärchen bei ihm meldet, das die Wohnung gern mieten möchte, beginnt er mit dem Ausräumen. Dabei stößt er zufällig auf eine Waffe, von deren Existenz ihm die Mutter nie etwas gesagt hatte. Nur die Tochter, die stets im Elternhaus gelebt hat, scheint von der Waffe gewusst zu haben. Da der Sohn beruflich bedingt frühzeitig ausgezogen war, fehlte ihm der »Überblick«. »Mutter hatte halt so ihre Geheimnisse. Kommunikation gab es in dieser Richtung nicht«, so der Angeklagte.

Jedenfalls wandte er sich sofort an den Schützenverein im Ort, was er denn jetzt mit der Waffe zu tun habe. Dieser riet ihm, die Pistole sofort bei der Polizei in Betzdorf abzugeben. Dies tat der Mann dann auch.

Nur unter Nachdruck war man auf der Wache bereit, die Waffe entgegenzunehmen und eine Empfangsbestätigung auszustellen. Dafür sei eine Stelle in Altenkirchen zuständig. Der Familienvater war jedoch nicht bereit, die Waffe wieder übers Wochenende mit nach Hause zu nehmen und am Rosenmontag mit einer illegalen Waffe nach Altenkirchen zu fahren. Er bestand darauf, die Waffe sofort abgeben zu können.

Ein paar Tage später flatterte dem 47-Jährigen die Anzeige ins Haus, und er wurde zur Vernehmung nach Betzdorf gebeten. Dort konnte er seine Aussagen ebenso detailliert vortragen wie vor Gericht. Richter Dr. Orlik Frank und auch Oberamtsanwalt Bernhard Ersfeld, der die Staatsanwaltschaft vertrat, glaubten dem unbescholtenen Mann. Das Verfahren wurde eingestellt, ohne weitere Zeugen zu hören.

Das wiederum passte der Schwester nicht, die extra nach Betzdorf gekommen war, um auszusagen. Auch die Versicherung, sie bekäme ihre Auslagen ersetzt, genügte ihr nicht: »Ich möchte vernommen werden, schließlich bin ich geladen worden«. Wütend bahnte sie sich ihren Weg durch die Stuhlreihen, als sie merkte, dass ihr Bruder »freigesprochen« wurde. »Seine Angaben sind in jedem Fall nicht richtig. Der ist doch ein Opportunist, der hängt doch sein Fähnchen immer in den Wind«, regte sie sich sichtlich auf und machte sich Luft: »Es ist immer schön, wenn man besch... wird. Ich bin um 200000 Euro betrogen worden, da kommt’s auf den einen Euro auch nicht mehr an« ––sprach’s und verließ wütend den Gerichtssaal. Dem Gericht blieb somit eine weitere Eskalation eines Familienstreites erspart, der wohl Grundlage dieser Anzeige gewesen sein dürfte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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