»Wumms – voll in den Arm gelaufen«

Wer hat wen attackiert: der schmächtige Taxifahrer seinen Fahrgast oder umgekehrt?

damo Betzdorf. Wenn der böse Wolf behaupten würde, Rotkäppchen habe ihn tätlich angegriffen, würde ihm wohl niemand glauben. Ähnlich erging es jetzt einem Angeklagten vor dem Betzdorfer Amtsgericht, der in handfesten Streit mit einem Taxifahrer geraten ist. Der Angeklagte – Gewichtsklasse Kleiderschrank – behauptete beharrlich, der Taxifahrer sei auf ihn losgegangen. Der schmächtige, ja fast zerbrechlich wirkende Chaffeur berichtete aber das Gegenteil. Und er bekam Recht.

Streit um einen Umweg

Lutz U. (Name geändert) wollte mit seinem Kumpel Holger T. von Wehbach zu einer Biker-Fete im Wald zwischen Niederdreisbach und Weitefeld fahren und bestellte sich ein Taxi. Der Wirt einer Wehbacher Kneipe beschrieb dem Taxifahrer den ungefähren Weg. Die Fahrt ging los, der Mercedes mit den drei Männern erreichte Niederdreisbach.

»Hier ist es. Halten Sie an«, hat der Angeklagte laut eigener Aussage gesagt, als ihm eine Einfahrt bekannt vorkam. Der Taxifahrer aber sei weitergefahren. »Ich habe ihn bestimmt vier oder fünf Mal aufgefordert anzuhalten – aber er wollte bis Weitefeld weiterfahren und dort nach dem Weg fragen«, berichtete Lutz U. Weil bei diesem – vermeintlich unnötigen – Umweg das Taxameter freudig mitlief, gerieten Chaffeur und Fahrgäste in Streit. »In solchen Fällen ist es am besten, die Polizei zu rufen, um den Streit zu klären«: Diese weisen Worte sprach der Angeklagte. Er habe den Taxifahrer darum gebeten, die Polizei zu holen. Dann habe er sich auf eine Mauer gesetzt und gewartet. Dann kam es zur Körperverletzung, die sich laut Lutz U. in etwa so abgespielt hat: »Er kam auf mich zu, und deshalb habe ich mich schützen wollen. Man weiß ja nie, was Taxifahrer heute in der Tasche haben. Also habe ich zum Schutz ein Bein und einen Arm gehoben. Und – wumms – da ist er voll reingelaufen.« Als dann die Polizei immer noch nicht gekommen sei (wie auch, niemand hat sie gerufen), sei er mit seinem Kumpel zu Fuß zum Biker-Treffen gelaufen.

Nasenbluten bekommen

Taxifahrer Hans D. schilderte den Vorfall aber ganz anders. Zuerst habe er mit seinem Wagen und den beiden Fahrgästen eine Runde auf Verdacht im Wald gedreht – von der Biker-Fete keine Spur. Also sei man nach Weitefeld weitergefahren. Dort habe es dann Streit um die Bezahlung gegeben. Dann habe er – nicht etwa der Angeklagte – die Polizei rufen wollen. Außerdem habe er in der Zentrale angerufen, um seinen Chef zu fragen, wie er sich verhalten solle. In diesem Moment habe ihn Lutz U. ins Gesicht geschlagen. Das Handy sei weggeflogen, die Brille verbogen gewesen. Außerdem habe er Nasenbluten bekommen. Dann sei er gefahren und habe die Polizei informiert.

»Wenn ich Sie bearbeitet und Ihnen eine geschmettert hätte, wäre das ganz anders ausgegangen«, warf der Angeklagte ein. Und sein Kumpel gab zu Protokoll, dass der Taxifahrer einen Umweg gefahren sei – zur eigentlichen Körperverletzung konnte er keine Aussage machen: »Das passierte hinter meinem Rücken. Ich habe nur einen Windhauch gespürt.«

»Großer Entlastungseifer«

Obwohl zwei Aussagen gegen eine standen, schenkte Claudia Idelberger als Vertreterin der Staatsanwaltschaft dem Taxifahrer Glauben: »Diese Aussage war am glaubhaftesten. Nach meiner Auffassung hat es sich so abgespielt wie in der Anklageschrift.« Die Aussage des Kumpels habe »großen Entlastungseifer« offenbart. Und wenn man die Statur des Angeklagten mit der des Taxifahrers vergleiche, erscheine es recht unwahrscheinlich, dass der Fahrer seinen Kunden attackiert habe. Idelberger forderte eine Geldstrafe in Höhe von 800 Euro.

Richter Dr. Frank bewertete den Tatverlauf genauso. »Es gibt kleine Menschen, die aggressiv sind – aber die wenigsten davon sind suzidgefährdet«, verwies auch er auf die körperliche Unterlegenheit des Taxifahrers. »Die allgemeine Lebenserfahrung lässt sich mit der Aussage des Taxifahrers in Einklang bringen«, sagte Dr. Frank. So verhängte er eine Geldstrafe von 400 Euro.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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