Zehn Monate für falschen 20er

Ein 36-Jähriger hatte es auf 18,01 Euro Wechselgeld abgesehen, um davon Drogen zu kaufen.
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dach Betzdorf. „Er zittert wie Espenlaub“: Daher werde er für seinen Mandanten sprechen, sagte Daniel Walker. Der Betzdorfer Rechtsanwalt vertrat vor dem Schöffengericht jetzt einen 36-Jährigen, der der Geldfälschung angeklagt war.

Neu war die Situation auf der Anklagebank für Kevin R. (Name geändert) allerdings nicht. Elf Mal zuvor war er bereits schuldig gesprochen worden, einiges an Hafterfahrung inklusive. Nervös war er trotzdem – so wie am 4. November.

„Ich hab es sofort erkannt.''
Verkäuferin im Zeugenstand
über das Falschgeld

Auch damals habe er gezittert, erinnerte sich eine Verkäuferin eines Textilgeschäfts an der Betzdorfer Bahnhofstraße. Unter Schweißausbrüchen habe er ihr seinerzeit einen 20-Euro-Schein in die Hand gedrückt, habe damit eine Tüte Fruchtgummis zu 1,99 Euro bezahlen wollen. Doch mit dem Schein war etwas faul. „Man hat gemerkt, das war halt unecht“, sagte die junge Frau.
Der Schein habe verwaschen ausgesehen. Und nur einige Sekunden vorher habe sie noch einen echten 20er in den Fingern gehabt. „Ich hab es sofort erkannt.“

Polizei findet weiteres Falschgeld in der Wohnung

Daraufhin habe sie die Annahme des Scheins verweigert, Kevin R. statt dessen gefragt, ober er nicht ein Zwei-Euro-Stück dabei habe. Hatte er. Damit zahlte er die Gummis und verschwand. Die Verkäuferin rief daraufhin erst ihre Chefin an, dann die Polizei. Kevin R. flog auf. Einige Tage später fanden Beamte bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung weiteres unechtes Geld: vier 50-Euro-Scheine.

Sein Mandant habe die Scheine für seinen Drogenkonsum genutzt, erläuterte Verteidiger Walker. Im September habe ihn seine Lebensgefährtin verlassen, was bei ihm zu einem Amphetamin-Rückfall geführt habe, der bis Dezember angehalten habe. „Er war psychisch völlig fertig.“ Die Scheine rollte er demnach auf, um damit das Pulver zu schnupfen.

Wechselgeld für den Kauf von Drogen

Bei zweien der 50er handelte es sich laut Polizeiprotokoll um sogenanntes Movie Money, um Theater- oder Spielgeld. Darauf seien sogar chinesische Schriftzeichen aufgedruckt gewesen. Die beiden anderen verdienten wohl schon eher die Bezeichnung Blüten, wiesen demnach zumindest einige Sicherheitsmerkmale auf. Allen vieren war aber offenbar gemein, dass die Farbe überhaupt nicht zu einem echten 50-Euro-Schein passte.

Auch der 20er, den der Angeklagte danach im Übrigen entsorgt haben will, soll ein Schein zum Drogenkonsum gewesen sein. Bei dem habe sein Mandant aber am ehesten gedacht, dass er beim Bezahlen durchrutschen könnte, so Walker. Vom Wechselgeld hätte er sich im Erfolgsfall Drogen besorgt. Die 50er habe er gar nicht erst in Umlauf bringen wollen.

Das war kein unwichtiger Hinweis. Denn der Straftatbestand des Geldfälschens bedingt genau das: entweder Scheine nachzumachen oder sich Blüten in der Absicht zu besorgen, sie in Umlauf zu bringen. Das bloße Inverkehrbringen von Falschgeld steht im nächsten Paragrafen des Gesetzbuches – und sieht nicht solch drastische Strafen vor.

Zehn Monate auf Bewährung und eine Drogentherapie

Und genau darauf wollte Staatsanwalt Kern in seinem Plädoyer hinaus. Er forderte zehn Monate Haft auf Bewährung, und zwar für das versuchte Inverkehrbringen des 20-Euro-Scheins. Für die Sache mit den zu Hause gefundenen 50ern schlug er einen Freispruch vor. Das sah Verteidiger Walker beinahe deckungsgleich, nur dass er auf acht Monate plädierte. Richterin Beatrice Haas entschied sich mit ihren Schöffen für die zehn Monate, bestellte außerdem einen Bewährungshelfer für Kevin R. und erteilte ihm die Weisung, eine Drogentherapie zu absolvieren.

Das passte, denn der Angeklagte hatte bereits eine Zusage für die Kostenübernahme für eine stationäre Therapie seitens der Rentenversicherung dabei. Er warte nur noch auf einen Termin in einer Fachklinik. Von seinem alten Umfeld habe er sich indes komplett gelöst, so Kevin R: „Seit Dezember bin ich komplett clean.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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