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Morddrohung? Freispruch!
Zoff unter Männern endet vorm Amtsgericht

Der Streit zweier Männer in der Kirchener Autoszene endete mit dem Freispruch des Angeklagten.
  • Der Streit zweier Männer in der Kirchener Autoszene endete mit dem Freispruch des Angeklagten.
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dach Betzdorf/Kirchen. Von einem mächtigen Zoff in der Kirchener Autoszene zeugte jetzt ein Prozess am Betzdorfer Amtsgericht. Der 70-jährige Alfons Z. (Namen geändert) war angeklagt, dem 51-jährigen Urs G. nachgestellt zu haben. Stalking nennt das der Volksmund.
Es begann mit Restauration von Oldtimern
Nun war dies nicht der klassische Fall, bei dem etwa ein unglücklich Verliebter seiner Herzdame deutlich zu nah auf die Pelle rückt. Allerdings: Das mit der Pelle sah die Anklage schon so. Alfons Z. sei immer wieder mit demselben Anliegen bei Urs G. aufgeschlagen, sei ihm auch hinterhergefahren, habe sich bei anderen nach dessen Wohnort erkundigt und schließlich gegenüber einem Dritten gedroht, auf ihn zu schießen.
Für mich war das
eine Morddrohung.
Urs G.

dach Betzdorf/Kirchen. Von einem mächtigen Zoff in der Kirchener Autoszene zeugte jetzt ein Prozess am Betzdorfer Amtsgericht. Der 70-jährige Alfons Z. (Namen geändert) war angeklagt, dem 51-jährigen Urs G. nachgestellt zu haben. Stalking nennt das der Volksmund.

Es begann mit Restauration von Oldtimern

Nun war dies nicht der klassische Fall, bei dem etwa ein unglücklich Verliebter seiner Herzdame deutlich zu nah auf die Pelle rückt. Allerdings: Das mit der Pelle sah die Anklage schon so. Alfons Z. sei immer wieder mit demselben Anliegen bei Urs G. aufgeschlagen, sei ihm auch hinterhergefahren, habe sich bei anderen nach dessen Wohnort erkundigt und schließlich gegenüber einem Dritten gedroht, auf ihn zu schießen.

Für mich war das
eine Morddrohung.
Urs G.
Zeuge und vermeintliches Opfer

Der Angeklagte war einigermaßen empört über diese Vorwürfe, warf zu Prozessbeginn der Staatsanwaltschaft gleich mal vor, schlecht recherchiert zu haben. Denn dem Fall lag eine lange Vorgeschichte zugrunde, die bereits das Landgericht und das Oberlandesgericht beschäftigt hatte. Dabei standen sich Alfons Z. und ein Autoschrauber gegenüber. Bei diesem habe er, so Alfons Z., insgesamt fünf Oldtimer restaurieren lassen. Am Ende kam es zum Disput ums liebe Geld. Alfons Z. wollte beweisen, dass der Schrauber manche der Arbeiten gar nicht hätte übernehmen dürfen, weil der keinen Meistertitel führe.

,,Ich bin da wohl zwischen die Fronten geraten''

Und genau darum ging es in der Geschichte mit Urs G.: Der Händler war seinerzeit selbst Kunde des Autoschraubers. Das hatte auch Alfons Z. mitbekommen und bat Urs G., ihm die Kopie einer Rechnung des Schraubers auszuhändigen. Damit wollte der 70-Jährige beweisen, dass der Autoschrauber sogar Reparaturen abrechne, die er gar nicht hätte ausführen dürfen. Soweit deckten sich die Aussagen der beiden Männer. Aber dann kam es zu gewissen Diskrepanzen. Während Alfons Z. behauptete, er habe Urs G. lediglich noch ein weiteres Mal nach einer Rechnungskopie gefragt, nämlich etwa ein Jahr später, sprach Urs G. davon, einen Spießrutenlauf erfahren zu haben.

„Ich bin da wohl zwischen die Fronten geraten“, so Urs G. im Zeugenstand, zunächst betont sachlich. Alfons Z. und der Autoschrauber bekämen sich seit Jahren in die Haare. Und: „Die beiden tun sich da nichts.“ Immer wieder sei Alfons Z. dann zu ihm in die Gewerbehalle gekommen und habe nach einer Rechnungskopie verlangt. Auch sei er ständig aufreizend langsam an seinem geöffneten Tor entlanggefahren – und habe ihn sogar des Öfteren verfolgt.

Er werde auf beide schießen

Dabei muss Alfons Z. durchaus Eindruck auf Urs G. gemacht haben. „Er hat selbst erzählt, er hätte früher mit Gold und Schmuck gehandelt.“ Auch habe er „Tätigkeiten im Milieu“ erwähnt. „So Prahlereien aus den Achtzigern.“ Urs G. weiter: Eines Tages sei ein Dritter zu ihm gekommen und habe berichtet, Alfons Z. habe geäußert, er werde sowohl auf den Autoschrauber als auch auf ihn schießen. „Für mich war das eine Morddrohung“, sagte der 51-Jährige. „Das macht was mit einem.“ Er habe von da „immer links und rechts geschaut“. Auch seine Lebengefährtin habe sich gefürchtet.

Einstellung des Verfahrens abgelehnt

Alles Blödsinn, meinte hingegen der Angeklagte. Ja, er besitze einen Revolver, ein Erbstück seines Vaters. Aber auf der Waffenbesitzkarte sei sogar eingetragen, dass er keine Munition habe. Und außerdem: „Ich bin im meinem Leben noch nie jemandem hinterhergefahren.“ Von der Drohung wollte er schon mal gar nichts wissen. Entscheidend war die Aussage des Dritten, der die Drohung laut Anklage gehört und weitergegeben haben soll. Im Zeugenstand konnte er sich daran allerdings nicht erinnern.
Das war der Trumpf, den Verteidiger Thomas Keul (Wetzlar) brauchte – und auch auszuspielen wusste. Denn, so Keul: Urs G. habe zwar offenbar Angst gehabt. Dies sei aber unbegründet gewesen, weil Alfons Z. diese Drohung ja gar nicht ausgesprochen habe. Zunächst erklärten sich Staatsanwaltschaft und Richter bereit, einer Einstellung des Verfahrens zuzustimmen. Das aber wollte der Angeklagte nicht. Keul: „Mein Mandant wünscht eine Entscheidung.“

Die Staatsanwaltschaft plädierte auf eine Geldstrafe, weil Urs G. auch ohne die Drohung besagten Spießrutenlauf habe absolvieren müssen. Verteidiger Keul forderte einen Freispruch. Sein Mandant sei Urs G. zwar auf den Keks gegangen, „keine Frage“, aber: „Die Tathandlung ist nicht da.“ Richter Tim Hartmann folgte den Argumenten der Verteidigung. Damit bleibt die Weste von Alfons Z. weiterhin blütenweiß.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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