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Valentin Altmann im Landschaftsmuseum Westerwald
Zu viele "Wenns" für eine Karriere als Fotograf

Junge Frau auf einem Avis-Celer-Motorrad, um 1928.
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nb Hachenburg. Das alte Bauernpaar, dem das harte Leben im Westerwald die Gesichter gezeichnet hat, die zwei jungen Mädchen mit eleganten Schwanenfeder-Stolen um den Hals, Zimmerer bei der Arbeit, eine Motorrad-Amazone auf ihrem flotten Zweirad: Sie alle hat Valentin Altmann mit seiner hölzernen Stativkamera und somit für die Ewigkeit festgehalten.
Ausstellung in ZwangspauseEs sind Teile eines riesigen – und in seiner Art im Land wohl einzigartigen – Schatzes, die das Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg unter dem Titel „LebensArt“ für eine Ausstellung zusammengetragen hat. Gestartet war die Schau im Oktober – jetzt ist auch sie in Corona-Zwangspause, wobei alle Beteiligten auf Wiedereröffnung im Dezember hoffen.

nb Hachenburg. Das alte Bauernpaar, dem das harte Leben im Westerwald die Gesichter gezeichnet hat, die zwei jungen Mädchen mit eleganten Schwanenfeder-Stolen um den Hals, Zimmerer bei der Arbeit, eine Motorrad-Amazone auf ihrem flotten Zweirad: Sie alle hat Valentin Altmann mit seiner hölzernen Stativkamera und somit für die Ewigkeit festgehalten.

Ausstellung in Zwangspause

Es sind Teile eines riesigen – und in seiner Art im Land wohl einzigartigen – Schatzes, die das Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg unter dem Titel „LebensArt“ für eine Ausstellung zusammengetragen hat. Gestartet war die Schau im Oktober – jetzt ist auch sie in Corona-Zwangspause, wobei alle Beteiligten auf Wiedereröffnung im Dezember hoffen.
Dazu ist ein opulenter Bildband selbigen Titels erschienen, der das Leben und das außergewöhnliche Werk von Valentin Altmann beleuchtet. Gleichzeitig sind Ausstellung und Buch Schlusspunkt von 15 Jahre währender akribischer Detektivarbeit. Und „Detektiv“ war in diesem Fall Museumleiter Dr. Manfrid Ehrenwerth.

Dr. Manfrid Ehrenwerth wird zum Detektiv

Beim Vor-Lockdown-Besuch im Ausstellungssaal erzählt Ehrenwerth vom ungewöhnlichen Wirken Valentin Altmanns – und von seiner eigenen Detektivarbeit.
Denn dass Altmann der Nachwelt einen fotografischen Schatz von solch hoher künstlerischer Qualität hinterlassen würde, war alles andere als abzusehen.
1891 wurde er im Dorf Niederelbert bei Montabaur geboren, der Vater war Schmied. Mit 14 Jahren begann Valentin dann, Menschen und Ereignisse mit einer einfachen Kamera festzuhalten. Woher er das Interesse an der Fotografie hatte, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen, wie überhaupt nur wenig über sein Leben bekannt ist. Denn zur damaligen Zeit und „auf dem Dorf“ galt Valentin Altmann mit seiner Leidenschaft nicht als Künstler, sondern eher als Sonderling.

Kniffe bei August Diel abgeschaut

Sein Vater verwehrte ihm denn auch eine entsprechende Ausbildung als Drogist (zu der auch die Fotografie gehörte), und Altmann arbeitete wohl einige Jahre in einem Hotel in Neuwied. Später kehrte er nach Niederelbert zurück. Die Fotografie, der er vermutlich bis Anfang der 1930er-Jahre nachging, ließ ihn aber nicht los, ganz im Gegenteil.
So stand er in Verbindung mit dem Atelier des ebenfalls noch sehr jungen Fotografen August Diel in Montabaur. Bei Diel, so vermutet Manfrid Ehrenwerth, hat sich Altmann einige Kniffe in Sachen Komposition und Technik abgeschaut – eine Ergänzung zu seinem Talent.

Zu viele "Wenns" für eine Karriere als Fotograf

Eine Kombination, aus der Großes hätte entstehen können, wären da nicht die „Wenns“ gewesen, die Ehrenwerth aufzählt. Wenn Altmann die Ausbildung hätte machen dürfen, wenn er kein Augenleiden gehabt hätte, wenn er dauerhaft in eine Stadt gegangen wäre, wenn er sich eine bessere Ausrüstung hätte leisten können – dann, so ist der Museumsleiter sicher, wäre er ein bedeutender Fotograf geworden.
So erledigte er vermutlich bezahlte Auftragsarbeiten im Atelier Diel, viele andere Motive und Porträts in seinem Leben als Amateurfotograf „schoss“ er aus reinem Interesse und Enthusiasmus. „Ich vermute, er war wirklich besessen davon, Fotograf zu werden“, fasst Ehrenwerth zusammen.
Rund 2500 Aufnahmen umfasst das Gesamtwerk von Valentin Altmann, der 1967 starb. Ein Großteil davon – auf Glasnegativen in Holzkisten – stand jahrelang vergessen auf dem Dachboden des Familienheims in Niederelbert.

Museum erhält viele Schenkungen 

Ein erster Schwung von Altmann-Fotografien erreichte Hachenburg, als zahlreiche Bildkarten von der Kreisbildstelle des Westerwaldkreises an das Landschaftsmuseum abgetreten wurden. Später schenkte dann die Ortsgemeinde Niederelbert dem Museum die Kiste mit den Glasnegativen und Zelluloid-Streifen. Und es gab weitere Schätze: Eine Schwiegertochter von Valentin Altmann überließ dem Museum mehrere Fotoalben mit Aufnahmen, die ihr Schwiegervater gemacht hatte. 2013 tauchten weitere Negativschachteln auf, die die Altmann-Erben dem Museum vermachten. 2020 dann die nächste Sensation: Die Kamera des Amateurfotografen kam ins Museum – eine Schenkung aus privater Hand.

85 Werke von Altmann ausgewählt

Datierungen oder Beschriftungen waren bei den Fotos allerdings Fehlanzeige, und so begann für Ehrenwerth die Forschungsarbeit. „Die Detektiv-Arbeit macht aber ja auch Spaß“, verrät der Museumsleiter, der ein Auge für Details entwickelte und so manches Aha-Erlebnis hatte.
Nach einer ersten Ausstellung im Jahr 2007 sind nun 85 Werke ausgewählt worden. Altmann hat alte und junge Menschen porträtiert, Bauernkinder in abgestoßenen Schuhen ebenso wie feine Herrschaften, die das Leben – vielleicht im mondänen Bad Ems – genossen. Er hat Feste festgehalten, seltene Freizeitvergnügen, wie das Bad in einem Flüsschen und Szenen aus der Arbeitswelt. Durchkomponiert sind seine Aufnahmen – ob eine ländliche Szene mit Schäfer oder eine Gruppe Schüler im Atelier: „Der hat das penibel einstudiert, bis das locker aussah“, so Ehrenwerth über dieses Gruppenbild, das den Buchdeckel ziert. Fasziniert ist er auch von Altmanns Selbstporträts, auf denen der Westerwälder Junge vom Dorf stets feinen Zwirn trägt und selbstbewusst in die Kamera schaut.
Zu den Lieblingskategorien des Museumsleiters gehören zudem die „Augen-Blicke“: Doppelporträts von Menschen aus dem ländlichen Umfeld, die gerade durch ihre Schmucklosigkeit wirken. „Für mich sind das die berührendsten Fotos“, sagt Manfrid Ehrenwerth.
Wenn es – hoffentlich – im Dezember weitergeht: Einfach entführen lassen in die Bilderwelten. Aktuelle Infos gibt es unter landschaftsmuseum-westerwald.de

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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