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Direktvermarkter erleben in Corona-Zeiten Aufschwung
„Zum Überleben reicht’s locker“

Nachschub gesichert: In Pfaus Gewächshaus gibt’s bald reichlich frische Salate. Steffi Pfau freut sich über die gestiegene Nachfrage in ihrem Hofladen in Derschen.
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  • Nachschub gesichert: In Pfaus Gewächshaus gibt’s bald reichlich frische Salate. Steffi Pfau freut sich über die gestiegene Nachfrage in ihrem Hofladen in Derschen.
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damo Altenkirchen. „Zum Versorgen, zum Überleben reicht’s locker“: Nein, dieses Zitat von Markus Mille bezieht sich nicht auf Amazon und andere Onlinehändler. Ganz im Gegenteil: Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands meint damit eine Branche, deren Akteure weit davon entfernt sind, weltumspannend zu agieren und an den Börsen gehandelt zu werden. Die Betriebe, die Mille meint, sind kleinteilig und vor allem ganz regional. Er spricht von den landwirtschaftlichen Direktvermarktern. Und die haben in der Coronakrise plötzlich Wind unter den Flügeln.

„Ich habe von vielen Direktvermarktern gehört, dass sie im Moment eine deutlich gestiegene Nachfrage verzeichnen. Und: Viele berichten auch davon, dass sie im Moment sehr viele Neukunden haben“, so Mille im Gespräch mit der SZ.

damo Altenkirchen. „Zum Versorgen, zum Überleben reicht’s locker“: Nein, dieses Zitat von Markus Mille bezieht sich nicht auf Amazon und andere Onlinehändler. Ganz im Gegenteil: Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands meint damit eine Branche, deren Akteure weit davon entfernt sind, weltumspannend zu agieren und an den Börsen gehandelt zu werden. Die Betriebe, die Mille meint, sind kleinteilig und vor allem ganz regional. Er spricht von den landwirtschaftlichen Direktvermarktern. Und die haben in der Coronakrise plötzlich Wind unter den Flügeln.

„Ich habe von vielen Direktvermarktern gehört, dass sie im Moment eine deutlich gestiegene Nachfrage verzeichnen. Und: Viele berichten auch davon, dass sie im Moment sehr viele Neukunden haben“, so Mille im Gespräch mit der SZ. Natürlich ist es noch zu früh für eine fundierte Marktanalyse, aber laut Mille dürfte sich der Aufschwung der Direktvermarkter mit einer Vielzahl von Gründen erklären lassen:

• „Es gibt sicher Leute, die bei den Bauern im Moment die Dinge kaufen, die sie auf dem Markt oder im Lebensmittelgeschäft nicht bekommen haben“, sagt Mille.

• Auch das Vertrauen in die Landwirte vor Ort dürfte im Moment von besonderer Bedeutung sein: „Gerade bei sensiblen Lebensmitteln wie Fleisch oder Wurst vertrauen manche Kunden sicher gerade im Augenblick eher den Menschen aus ihrer Umgebung. Das sind schließlich Menschen, die sie kennen.“

• Vertrauensbildend dürfte auch sein, dass in den Hofläden weitaus weniger Kunden – und damit eben auch Menschen, bei denen man sich anstecken kann, – gleichzeitig unterwegs sind.

• Mille spricht zudem von einer „Rückbesinnung auf lokale Kreisläufe“. Kurze und überschaubare Produktionswege dürften im Moment vielen Menschen sympathischer erscheinen als internationale Warenkreisläufe – wer beim Bauern kauft, bekommt schließlich ein Produkt, das eben nicht durch Dutzende Hände gegangen ist.

• Manche Konsumenten werden ihren Einkauf wohl auch als lokales Konjunkturprogramm begreifen – sie kaufen nach der Devise: örtliche Akteure in der Krise stärken. „Ich habe mit einigen Kunden gesprochen, die jetzt bewusst bei mir kaufen, damit sie auch in Zukunft bei mir kaufen können“, sagt zum Bespiel Landwirtin Birgit Wäschenbach aus dem Katzwinkler Ortsteil Hönningen.

Das Angebot der Hofläden ist ziemlich umfassend – neben Fleisch und Wurst gibt’s je nach Landwirt Gemüse und Getreide vom eigenen Feld, Milch, Käse und Eier. Und die Liste ließe sich problemlos verlängern – einen guten Überblick über die Hofläden liefert die Homepage www.einkaufen-westerwald.de.

Im Biohof Schürdt in der Verbandsgemeinde Altenkirchen werden komplette Bio-Kisten gepackt und kreisweit ausgeliefert – mit anderen Worten: Frische und gesunde Lebensmittel kommen bis an die Haustür. Kein Wunder, dass gerade dieser Service im Moment stark in Anspruch genommen wird: „Aktuell können wir wegen der großen Nachfrage keine Neukunden in die Lieferfahrten aufnehmen“, berichtet Caroline Giese. Das soll sich möglichst rasch ändern: „Wir stocken gerade auf. Wir haben schon neues Personal für die Lieferfahrten eingestellt, gerade läuft die Schulung“, informiert die Geschäftsführerin.

Noch stehe das gesamte Bio-Sortiment zur Verfügung: „Nudeln und Mehl werden zwar allmählich knapper, aber dafür haben wir noch reichlich Kartoffeln und Getreide.“ Ein Großteil der Produkte komme übrigens von Höfen in der Region – sodass auch die heimischen Landwirte, die selbst keinen Hofladen betreiben, zumindest über Umwege vom Trend zur Direktvermarktung profitieren.

Auch bei Steffi und Thorsten Pfau in Derschen gibt’s aktuell viel zu tun. „Wir haben viele neue Kunden“, sagt Steffi Pfau. Natürlich gelten auch in ihrem Hofladen andere Regeln als üblich: Mehr als drei Leute gleichzeitig sind tabu, und Steffi Pfau bemerkt auch, dass die Leute Abstand halten und bemüht sind, ihre Einkäufe rasch zu erledigen. „Man spürt bei manchen, dass sie Angst haben.“

Birgit Wäschenbach handhabt den Verkauf derzeit sogar noch etwas strikter: Die Kunden können durchs Schaufenster die Waren in dem Hofladen in Hönningen begutachten, verkauft wird aber an der Tür. Wem selbst das zu viel Kontakt ist: Die Landwirtin packt auch nach telefonischer Vorbestellung Kisten, die dann nur noch abgeholt werden müssen. Und gezahlt werden kann per Überweisung – bargeld- und virenlos.

Nachschub gesichert: In Pfaus Gewächshaus gibt’s bald reichlich frische Salate. Steffi Pfau freut sich über die gestiegene Nachfrage in ihrem Hofladen in Derschen.
Im Hofladen von Birgit Wäschenbach in Hönningen gibt’s reichlich Auswahl – aber im Moment nur an der Durchreiche.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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