BIS AUF WEITERES
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SZ-Redakteur Thorsten Stahl.
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Glauben Sie mir, ich habe mal alle Füchse und Hasen Nordhessens beim Vornamen gekannt. Damals, in Wolfhagen. Damals, bei der Bundeswehr. Dort, im sogenannten „Fulda Gap“, erwarteten wir zu jeder Sekunde den Einmarsch der Roten Armee. Dafür waren hier sämtliche großen Panzer-Brigaden stationiert. Ich frage mich bis heute, welcher Stratege im Verteidigungsministerium auf diese Theorie gekommen ist. Wäre ich ein Russe gewesen, ich hätte mir den Weg über die Reeperbahn oder den Viktualienmarkt freigekämpft, um keine Kollektiv-Depression meiner Soldaten direkt hinter Eschwege zu riskieren. Lang ist’s her, der Text der Marschlieder ist mir zwar nach wie vor so vertraut wie das „Vater unser“, die Standorte sind aber größtenteils aufgelöst. Die Kommunen haben sich mehr und weniger an einer Konversion versucht.
Ich gebe zu: Bei all dem Leid und der großen Not in den Katastrophengebieten hat es mich gefreut, wie schnell die Jungs und Mädels in Olivgrün zur Stelle waren und was so ein Bergepanzer alles leisten kann. Dennoch: Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Soldaten waren gegenüber den vielen freiwilligen und privaten Helfern gnadenlos in der Unterzahl.
Ich gebe zu: Ich habe die Abschaffung der Wehrpflicht nie ganz verstanden. Und zwar nicht, weil ich dem Militarismus huldige. Ich glaube ganz einfach, dass es zum einen jungen Menschen ganz gut tut, zwischen Schule und Ausbildung/Studium/Beruf für ein Jahr etwas anderes zu machen, um letzte Gewissheit für den weiteren Lebensweg zu bekommen. Und ich glaube zum anderen, dass Vater Staat und unsere Gesellschaft dieses eine Jahr dringender denn je brauchen.
Kurzum: Ginge es nach mir, müsste jeder wieder antreten, Männlein und Weiblein oder in welchem Körper auch immer. Nicht unbedingt bei der Bundeswehr, sondern beim THW, bei der Feuerwehr, beim DLRG, im Krankenhaus, im Altenheim – wo auch immer. Damit wird man Katastrophen wie die an der Ahr nicht verhindern können, vielleicht aber wäre man im Anschluss daran besserer gerüstet, um sofort helfen zu können. Von mir aus auch in Nordhessen.

t.stahl@siegener-zeitung.de

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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