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Vorstand zurückgetreten
Quo vadis, SG 06 Betzdorf?

Die letzte Amtshandlung von Bärbel Spies (Mitte) als 2. Vorsitzende war die Ehrung der Vereinsjubilare Hans Schlosser (l.) und Hermann Josef Wagner (r.).
  • Die letzte Amtshandlung von Bärbel Spies (Mitte) als 2. Vorsitzende war die Ehrung der Vereinsjubilare Hans Schlosser (l.) und Hermann Josef Wagner (r.).
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jb Betzdorf. Wie bereits aktuell berichtet, ist am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung der SG 06 Betzdorf der wenige Minuten zuvor entlastete geschäftsführende Vorstand zurückgetreten. Stephan Berndt (1. Vorsitzender), Bärbel Spies (2. Vorsitzende) und Horst Poen (Geschäftsführer und Kassierer) legten mit sofortiger Wirkung ihre Ämter nieder. Damit ist der Verein führungslos. Im Amt sind lediglich noch der Sportliche Leiter Michael Kasprzak und Torsten Henseler, den die Versammlung zuvor noch zum Jugendleiter gewählt hatte. Wie es nun weitergeht, ist völlig offen.
Völlig sprach- und ratlos wurden die etwa 50 anwesenden Vereinsmitglieder, die von diesen Entscheidungen und Entwicklungen überrascht wurden, in die Nacht geschickt.

jb Betzdorf. Wie bereits aktuell berichtet, ist am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung der SG 06 Betzdorf der wenige Minuten zuvor entlastete geschäftsführende Vorstand zurückgetreten. Stephan Berndt (1. Vorsitzender), Bärbel Spies (2. Vorsitzende) und Horst Poen (Geschäftsführer und Kassierer) legten mit sofortiger Wirkung ihre Ämter nieder. Damit ist der Verein führungslos. Im Amt sind lediglich noch der Sportliche Leiter Michael Kasprzak und Torsten Henseler, den die Versammlung zuvor noch zum Jugendleiter gewählt hatte. Wie es nun weitergeht, ist völlig offen.
Völlig sprach- und ratlos wurden die etwa 50 anwesenden Vereinsmitglieder, die von diesen Entscheidungen und Entwicklungen überrascht wurden, in die Nacht geschickt. Morgen findet in der Stadthalle die Weihnachtsfeier des Vereins statt. Ob es dann wirklich etwas zu feiern gibt? Erstmals sind sogar alle Mitglieder eingeladen, von den Bambini-Kickern bis zur 1. Mannschaft. Ob es zugleich das letzte Mal sein wird, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden.

Sechs Monate Zeit um neuen Vorstand zu bilden

Der Verein hat jetzt genau sechs Monate Zeit, also bis zum 5. Juni 2020, um einen neuen Vorstand zu bilden. Ansonsten wird der Verein mit Gründungsdatum 1906 am folgenden Tag per Gesetz aufgelöst. Die Lage des sportlich tief abgestürzten Fußballvereins ist also dramatisch. Auch wie der geschäftliche Betrieb weitergehen soll, erscheint am Tag danach völlig offen.
Vor allem: Wer hat jetzt Zugang zum Konto? Gewählt sind zwar noch ein 2. und 3. Geschäftsführer sowie ein 2. Kassierer. Diese gehören aber dem erweiterten Vorstand an. Da die Verantwortlichen in ihren Rechenschaftsberichten keine Zahlen über Einnahmen, Ausgaben, Verbindlichkeiten, Vermögen und den Kontostand nannten, kann davon aufgegangen werden, dass dem Verein das Wasser bis zum Hals steht. Rückfragen aus der Versammlung über die tatsächliche finanzielle Lage gab es nicht.

Einnahmen um etwa 30 Prozent gesunken

Einblick in die Buchhaltung und somit auch das Bankkonto hatte zwar der Kassenprüfer. Aber auch er ging nicht darauf ein. Jedenfalls bescheinigte er eine einwandfreie Buchführung und empfahl die Entlastung der handelnden Personen, die dann einstimmig durch die Versammlung erfolgte.
Kassierer Horst Poen, zweifellos eine treue Seele, die sich über Jahrzehnte mit viel Herzblut für den Verein eingesetzt hat („Ich schlafe schon seit Monaten ganz schlecht“), berichtete gemeinsam mit dem 1. Vorsitzenden Stephan Berndt von um etwa 30 Prozent gesunkenen Einnahmen. Weitere Geldgeber seien nach dem jüngsten Abstieg von der Bezirksliga in die A-Kreisliga ausgestiegen. Man habe mit einem Sparkurs die Kosten und Ausgaben für Trainer und Spieler drastisch reduziert. Der Spielbetrieb sei aber nur noch durch Spenden und das finanzielle Engagement von privaten Gönnern möglich. Als Sofortmaßnahme schlug Poen eine Beitragserhöhung von 12 Euro pro Halbjahr vor. Die Mehreinnahmen von rechnerisch 4800 Euro sollen ausschließlich dazu ausreichen, dass die laufenden Kosten für das Jahr gedeckt werden.

Trainer Stark arbeitet honorarfrei

Jedenfalls leisten die Aktiven bereits einen großen Beitrag, um die finanzielle Lage irgendwie zu stabilisieren. Spieler und sogar die Trainer würden ehrenamtlich ihre Aufgaben erfüllen. Ein riesiges Dankeschön ging in diesem Zusammenhang an die Adresse von Stefan Stark, der als Trainer der 1. Mannschaft ohne Honorar arbeitet. Vor der Saison hatte er zudem seine Kontakte genutzt, und Spieler gewonnen, die unentgeltlich Fußball spielen. Aus einer Handvoll übrig gebliebener Spieler als Basis konnte dann doch eine Mannschaft zusammengestellt werden.
Die mit vielen Talenten aus der Umgebung zusammengestellte A-Jugend, die noch in der vergangenen Saison in der Rheinlandliga spielte, ist aufgelöst. Es gab außerdem eine riesige Fluktuation unter den Jugendlichen. Aber viele fanden auch den Weg auf den Bühl. „Erst hatten wir 180 Jugendliche und 13 Trainer, jetzt sind es sogar 230 Jugendliche in acht Mannschaften. Hinzu kommen allesamt ehrenamtlich arbeitende Trainer. Wir bieten weiter eine qualitativ hochwertige Jugendausbildung an“, so Stephan Berndt. Durch den starken Zulauf an Kindern ist die Mitgliederzahl sogar von 356 auf aktuell 401 gestiegen.

"Jetzt geht es wieder bergab"

Die eigentliche Bombe ließ der bis September 2020 gewählte geschäftsführende Vorstand schließlich erst platzen, als die Tagesordnung weitestgehend abgearbeitet war und sich die Anwesenden vor dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes bereits auf ein Bierchen am Tresen freuten. Stephan Berndt, der als Erster seine Entscheidung des sofortigen Rücktritts bekannt gab, der unmittelbar auch die beiden Mitstreiter Bärbel Spies und Horst Poen folgten, erzählte, wie er vor 20 Jahren im Vorstand anfing und der Verein 1,2 Millionen D-Mark Schulden hatte. „Die haben wir bis 2018 bis auf Null abgebaut. Mein Ziel war immer, eine Insolvenz abzuwenden. Aber jetzt geht es wieder bergab“, sagte Berndt.

Zwei anwesende Jubilare geehrt

Immerhin etwas Positives gab es dann doch zu berichten. Zu den anstehenden Ehrungen waren von sieben Vereinsjubilaren zwei erschienen. Hans Schlosser, der auch viele Glanzzeiten im Verein begleitet hat, wurde für die außerordentlich lange Vereinstreue von 70 Jahren geehrt. Für 60-jährige Mitgliedschaft nahm Hermann Josef Wagner die Ehrung entgegen. Vereinsjubilare sind außerdem Dieter Stratmann (60 Jahre), Paul Schuh, Gerald Tulimiero (beide 50), Rainer Brado und Gretel Lindlein (beide 40).

Autor:

Jürgen Betz (Redakteur) aus Siegen

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