Der Stab des Dirigenten wurde weitergereicht

Gestern Abend: Verabschiedung von Bürgermeister Günter Schönhof und Vereidigung seines Nachfolgers Wolfgang Müller

Katzenbach. Seine letzte öffentliche Ratssitzung war vom Inhalt her nur noch Formsache: Bürgermeister Günter Schönhof, obwohl noch offiziell bis Ende des Jahres im Amt, wurde gestern Abend im großen Saal des Hotels »Zum weißen Stein« aus dem Dienst der Verbandsgemeinde entlassen. Aus den Händen seines Stellvertreters, des 1. Beigeordneten Dr. Ulf-Roman Netzel, erhielt Schönhof seine Abschiedsurkunde. Wenig später wurde sein Nachfolger Wolfgang Müller auf das Amt vereidigt, das er ab 1. Januar nächsten Jahres kraft seines Wahlerfolgs vom vergangenen Juni ausüben wird.

Die Gästeliste las sich wie ein »Who is who« der Region. Wegen des doppelten Anlasses hatten neben den Ratsmitgliedern Landrat Dr. Alfred Beth, MdL Dr. Josef Rosenbauer, zahlreiche Bürgermeister, Behördenleiter, Weggefährten, Freunde, Familienangehörige und Mitarbeiter der Kirchener Verwaltung den Weg nach Katzenbach gefunden.

Dabei blieb es in der Hauptsache Dr. Netzel überlassen, kurz auf das Wirken des scheidenden Bürgermeisters einzugehen. Seinem speziellen Humor entsprechend, verpackte er in Schlagzeilen die Tatsache, dass dieser Abschied – je nach Couleur – ein geteiltes Echo finden dürfte. Der Beigeordnete fand persönlich nur lobende Worte für Schönhof, den er gerade deshalb einen »Bremser« und »Blockierer« nannte, weil: »Für mich allein gilt, dass Sie mich zigfach gebremst haben, weil Sie mit ihrer Erfahrung im sachlichen, aber auch im menschlichen Bereich die Situation kühl analysiert hatten; und damit haben Sie oftmals Schlimmeres verhindert. Was das Blockieren betrifft, so waren Sie damit auch sehr erfolgreich. Denn Sie haben oft rein parteipolitische Machenschaften im Sinne einer sachorientierten Entscheidung abgeblockt.«

»Herausragende Ergebnisse«

Trotz Verleumdungen und Beschimpfungen habe Schönhof langen Atem bewiesen und persönliche Dinge zum Wohl der Verbandsgemeinde hintenan gestellt, sagte Dr. Netzel. Der Strukturwandel sei maßgeblich durch ihn vorangetrieben worden. Ohne laute Töne habe er es zudem verstanden, das in der Verwaltung vorhandene Potenzial zu wecken und so zu bündeln, »dass in der Sache herausragende Ergebnisse vorzeigbar sind«.

Der so Gewürdigte blickte einigermaßen zufrieden zurück: »Ich denke, wir liegen ganz gut im Wind, halten ganz gut Kurs.« Die Grundlagen für Industrieansiedlungen seien ebenso geschaffen worden wie für eine gute Bildung der Jugend, womit der Mudersbacher in erster Linie die Duale Oberschule meinte. Auch in den Bereichen Wasser/Abwasser und Brandschutz sei viel geleistet worden. Gleichwohl machte Schönhof noch auf die Anforderungen der Zukunft aufmerksam. Dazu gehört für ihn die Erschließung weiterer Gewerbeflächen, explizit auf dem Molzberg. Auch sollte die DOS seiner Ansicht nach in eine Ganztagseinrichtung umgewandelt werden. Der Noch-Verwaltungschef rief dazu auf, die Erkenntnisse aus dem Agenda-Prozess umzusetzen und Bürger verstärkt in die Entscheidungen einzubinden.

Alles in allem sei die Arbeit des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Kirchen »eine wunderbare Herausforderung mit vielen Möglichkeiten und Begegnungen«, meinte Schönhof, der in diesem Amt keinen Platz zum Polarisieren, sondern vielmehr zum Moderieren sieht. Ein Bürgermeisters müsse eine Art Dirigent sein, der viele unterschiedliche Töne zu einem wohl klingenden Ganzen zusammenfüge müsse. Seinem Nachfolger Wolfgang Müller wünschte er »alles Glück der Welt und viele gute Entscheidungen«.

»Gemeinde und Bürgern dienen«

Dessen Maßstab für die nächsten acht Jahre lautet: »Dem Wohl der Gemeinde und ihren Bürgern dienen.« Müller griff das Bild vom Dirigenten auf und sprach das Zusammenspiel in einem Orchester an (als passionierter Tubaspieler ist er da vom Fach): »Suchen wir trotz aller unterschiedlicher Auffassungen das harmonische, menschliche Miteinander.« Eine faire Streitkultur werde auch vom Bürger akzeptiert, die ein Recht auf eine ehrliche Kommunalpolitik hätten.

Der künftige Chef der Verwaltung erkannte an, dass er seine Arbeit auf einer »tragfähigen Basis« startet. Gleichwohl sah er sich genötigt, auf künftige Zwänge wegen der schlechten finanziellen Situation der Gemeinden hinzuweisen. Das Notwendige müsse vom Machbaren und Wünschenswerten deutlich abgetrennt werden. Trotzdem, so Müller, müsse sich die Verbandsgemeinde so entwickeln, dass man die Ansprüche der Menschen befriedigen könne.

Als eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht Müller den Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit, egal ob mit Betzdorf, Siegen oder Freudenberg: »Ich denke, dass ist die Zukunft. Nur gemeinsam sind wir stark.«

Von Landrat Dr. Beth erhielt Müller am Ende – neben der Empfehlung zu mehr Gelassenheit – noch folgenden Ratschlag: »Nicht immer nur mit dem Strom schwimmen, sondern das vertreten, was sie für wichtig halten.«

thor

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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