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Stefan Danziger im Heimhof: Stand-up-Comedy auf höchstem Niveau
Charmant, witzig und pickelhart

Für liebenswerte und intelligente Stand-up-Comedy mit Klasse sorgte Stefan Danziger bei seinem Aufritt im Heimhof-Theater Burbach.
  • Für liebenswerte und intelligente Stand-up-Comedy mit Klasse sorgte Stefan Danziger bei seinem Aufritt im Heimhof-Theater Burbach.
  • Foto: Helmut Blecher
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

hel Würgendorf. Stefan Danziger liebt es klein, aber fein, wenn es um die Bühnen geht, die er bespielt. Das Heimhof-Theater Burbach kam ihm am Freitagabend gerade recht, um mit Berliner Schnauze, Schnurrbart und Schiebermütze die Berliner und europäische Geschichte fakten- und anekdotenreich seinem Publikum nahezubringen. Abgerundet wurde seine Comedy mit ganz persönlichen Geschichten und kuriosen Alltagserlebnissen. Während ein anderer Comedy-Star mit flotten Sprüchen („Haste, weißte, kennste“) das Olympiastadion füllt, erwies sich Danziger als ein kluger Komödiant, der nur zu gern sich und seine scheinbare Bedeutungslosigkeit auf die Schippe nahm.
Schlagfertiger, blitzgescheiter Comedian„Was machen Sie eigentlich tagsüber?

hel Würgendorf. Stefan Danziger liebt es klein, aber fein, wenn es um die Bühnen geht, die er bespielt. Das Heimhof-Theater Burbach kam ihm am Freitagabend gerade recht, um mit Berliner Schnauze, Schnurrbart und Schiebermütze die Berliner und europäische Geschichte fakten- und anekdotenreich seinem Publikum nahezubringen. Abgerundet wurde seine Comedy mit ganz persönlichen Geschichten und kuriosen Alltagserlebnissen. Während ein anderer Comedy-Star mit flotten Sprüchen („Haste, weißte, kennste“) das Olympiastadion füllt, erwies sich Danziger als ein kluger Komödiant, der nur zu gern sich und seine scheinbare Bedeutungslosigkeit auf die Schippe nahm.

Schlagfertiger, blitzgescheiter Comedian

„Was machen Sie eigentlich tagsüber?“ lautet der Titel seines aktuellen Programms, das von Beginn an für Bombenstimmung in Würgendorf („eine Dynamitfabrik, aber keine Feuerwehr“) sorgte. Stefan Danziger fühlte sich im Heimhof-Theater pudelwohl. Der schlagfertige, blitzgescheite und weitgereiste Comedian, der in Dresden geboren wurde, wollte einst mit seiner Familie in die Bundesrepublik fliehen. Doch leider sind sie falsch abgebogen und in der Sowjetunion gelandet, wo es für den kleinen Stefan, stellvertretend für die Untaten der Faschisten, hin und wieder was auf die Ohren gab. Nach der Wende schaffte er es endlich in den Westen und landete in Berlin-Wedding. Auf den Straßen der Hauptstadt erlernte er seinen Stil und entdeckte seine Gabe, Menschen stundenlang mit Geschichte vollzubrabbeln. Und das macht er tagsüber als Stadtführer in Berlin und abends als Comedian.

„In Berlin sind alle Künstler“

„In Berlin sind alle Künstler“, sagt Danziger. „Gehst du irgendwo in die Kneipe, sagt der Kellner: ‚Ich male eigentlich‘, und in Berlin kann Brad Pitt an dir vorbeilaufen, und du sagst: ‚Filme machen kann ich auch.‘ Und Mädels beeindruckt man in Berlin mit dem Spruch: ,Hey, ick hab nen Job.‘“ Als Tour Guide wird er schon öfter mal als „Herr Führer“ angesprochen, was ihn bei einer österreichischen Gruppe dermaßen irritierte, dass er sich den Bart abrasierte. Amerikanische Touristen fragen ihn, warum die Ossis damals nicht um die Mauer herumgelaufen seien, oder er gibt Nachhilfe in Jiddisch und erklärt, warum Hechtsuppe zieht.

Bislang ungeahnte Erkenntnisse

Danziger weiß, wo es langgeht und was warum und wo in Berlin geschieht und was es mit der Berliner Geschichte, die aus einem Sumpf auftauchte, auf sich hat. Vom „Alten Fritz“ über den Einfluss der französischen und jüdischen Kultur auf Berlin bis zum Mauerfall reichte Danzigers gnadenlos witziger und pickelharter Geschichtsunterricht, der bislang ungeahnte Erkenntnisse zutage förderte. Das mit der Mauer wäre eigentlich nicht nötig gewesen angesichts der Reglementierungen im öffentlichen Leben. „Eine dauerhaft auf Rot gestellte Ampel hätte genügt.“
Stefan Danziger, der auch in Sachen Kinderkriegen und -verwahrung große Erfahrung besitzt („ab fünf kommst du ins Bergwerk“), bekommt ausgerechnet von kinderlosen Bekannten Tipps zum Umgang mit dem Nachwuchs: „Das Leben mit Kindern hat schon einen Sinn, aber es wird teuer.“ Für den echten Kerl und Tausendsassa Stefan Danziger war der kleinen Besucherschar kein Weg zu weit, um in den Genuss von deutsch-deutscher Geschichte zu kommen, die vom leisen Schmunzeln über lautes Lachen bis zum Nachdenken reichte.

Autor:

Redaktion Kultur

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