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Bettina Hering, Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele, im SZ-Interview
Die Buhlschaft ist „emanzipiert“

Mit der SZ unterhielt sich Bettina Hering, Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele.
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la - „Wir haben sehr bewegte Zeiten hinter uns," sagt Bettina Hering über die Planung der Salzburger Festspiele  im SZ-Interview.
la Salzburg / Burbach-Holzhausen. Einmal im Jahr zur Sommerzeit macht die Kulturwelt eine tiefe Verbeugung und erweist der Stadt Salzburg und den Festspielen, die in diesem Jahr ihr 100-Jähriges feiern, ihre Reverenz. Die Crème de la Crème aus Schauspiel und Musik ist in der Mozartstadt zu Gast. Für die ursprünglich geplanten Jubiläumsfestspiele waren bereits 180 000 Karten von insgesamt 230 000 vor dem Lockdown verkauft. Nun, nach der Umplanung und den verkürzten Festspielen vom 1. bis
30.

la - „Wir haben sehr bewegte Zeiten hinter uns," sagt Bettina Hering über die Planung der Salzburger Festspiele  im SZ-Interview.
la Salzburg / Burbach-Holzhausen. Einmal im Jahr zur Sommerzeit macht die Kulturwelt eine tiefe Verbeugung und erweist der Stadt Salzburg und den Festspielen, die in diesem Jahr ihr 100-Jähriges feiern, ihre Reverenz. Die Crème de la Crème aus Schauspiel und Musik ist in der Mozartstadt zu Gast. Für die ursprünglich geplanten Jubiläumsfestspiele waren bereits 180 000 Karten von insgesamt 230 000 vor dem Lockdown verkauft. Nun, nach der Umplanung und den verkürzten Festspielen vom 1. bis
30. August, stehen knapp 80 000 Karten zur Verfügung, viele davon für die, für die der Salzburg-Besuch mit seinem Drei-Sparten-Programm (Schauspiel, Oper und Konzert) ein Muss ist. Doch dieses Jahr ist alles anders. Das Corona-Virus, das auch die Österreicher nicht verschonte, ließ das Programm auf das Machbare schrumpfen.
„Wir haben“, sagt Bettina Hering, Schauspieldirektorin, im exklusiven SZ-Interview, „sehr bewegte Zeiten hinter uns. Haben Höhen und Tiefen erlebt, und es gab Momente, da dachten wir, es wird gar nichts möglich sein.“ Doch in einem ist die gebürtige Schweizerin, die seit der Spielzeit 2017 für fünf Jahre den Posten der Schauspieldirektorin annahm, mit Intendant Markus Hinterhäuser und dem Direktorium Helga Rabl-Stadler und Lukas Crepaz einig: Wenn sie in der Kunst ein Zeichen setzen wollen, dann ist der „Jedermann“ ein Teil davon.

"Buhlschaft" ist eine emanzipierte Frau

Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes mit Tobias Moretti als „Jahrhundert“-Jedermann und Peter Lohmeyer als Stimme des Herrn, Tod und Spielansager scheint fast alles zu überstrahlen. Und noch mehr die Frage, wer spielt die Buhlschaft, was trägt sie, und welchen Ausschnitt hat das Kleid?
In diesem Jahr wird die Burgschauspielerin und Grimme-Preisträgerin Caroline Peters, dem deutschen Fernsehpublikum aus „Mord mit Aussicht“ bekannt, die Frau spielen, für die der Jedermann einen Lustgarten bauen will. „Ich arbeite daran“, sagt Bettina Hering, „seit ich hier in Salzburg bin, die Rolle der Buhlschaft in eine andere Richtung, weg vom schmückenden Beiwerk, zu entwickeln und durch die Besetzung darauf Einfluss zu nehmen. Denn auch vom Text her ist die Buhlschaft eine Frau, die mit dem ,Jedermann‘ auf Augenhöhe kommuniziert.“ Statt Weibchen und schöne optische Verzierung ist sie 2020 eine ebenbürtige Partnerin für den „Jedermann“, und man darf gespannt sein, wie die Burgschauspielerin die Rolle anlegt. Für Bettina Hering ist die Buhlschaft eine emanzipierte Frau. Und das nur so am Rande: Als die Buhlschaft des letzten Jahres, die Russin Valery Tscheplanowa, einen Hosenanzug trug, zeichnete sich diese Abwendung vom prallen „Vollweib“ schon ab.

Zwei weitere Premieren: Handkes „Zdenek Adamec“ und "Everywoman"

Neben dem „Jedermann“ auf dem Domplatz gibt es im Bereich Schauspiel einen zweiten Höhepunkt. Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke, der lange in Salzburg gelebt und geschrieben hat, hat die Uraufführung seines neuen Stücks „Zdenek Adamec“ den Salzburgern offeriert (Premiere ist am Sonntag, 2. August, im Landestheater). Der Autor stellt den historischen Fall des 18-Jährigen aus dem Jahre 2003 ins Zentrum seines Werks, der sich aus Protest gegen den von ihm als unerträglich wahrgenommenen Zustand der Welt auf dem Wenzelsplatz in Prag verbrannte. „

Uns ehrt dieses Vertrauen, das Peter Handke uns entgegenbringt, der ja eng mit den Salzburger Festspielen verbunden ist.“

Zweite Premiere wird „Everywoman“ der Autoren Milo Rau/Ursina Lardi sein, in der sie von einem klassischen Stück der Weltliteratur ausgehen: dem englischen „Everyman“.
Bettina Hering, seit vielen Jahren auch Dramaturgin des internationalen Festivals „Literatur im Nebel“ in Heidenreichstein und vor ihrer Berufung nach Salzburg Intendantin des Landestheaters Niederösterreich in St. Pölten, erinnert sich noch gut an die Salzburger Anfänge. „Ich war völlig überrascht, weil ich keine Minute nach der Position geschielt habe. Ich habe mir sehr genau überlegt und mich mit Intendant Markus Hinterhäuser ausgetauscht, was bedeutet dieser Platz, welche Geschichten will man erzählen, und wo ist unser Ausgangspunkt. Man nimmt eine solche Position nicht einfach blindlings an.“ Geholfen, ihre Vorstellungen in Salzburg zu verwirklichen, hat sicherlich auch ihr Netzwerk an Schauspielern und Regisseuren in ihrer beruflichen Vergangenheit. „Ich habe das Netzwerk mit den wunderbaren Kolleginnen und Kollegen nicht einfach importiert, sondern es galt und gilt, immer wieder neue Talente zu entdecken und einzuladen.“

Verbindungen ins Siegerland

Die Mutter dreier Töchter, die durch ihren Mann Markus Hering das Siegerland bestens kennt, macht ihrem verstorbenen Schwiegervater Hartmut Hering ein großes Kompliment.

„Ich bin unendlich traurig, dass er nicht mehr lebt. Wir haben über die Jahre einen wunderbaren Kontakt gehabt. Er war für mich eine wirklich inspirierende Persönlichkeit, die sich für einen persönlich genauso wie für das jeweilige Arbeitsfeld interessierte. Und er war ein so innovativer Mensch, als Unternehmer und Politiker, als Kreativer, der stark in der Religion verwurzelt und aus all diesen Gründen ein anregender Gesprächspartner war.“

Und, sagt Bettina Hering rückblickend, er war auch ein liebevoller Opa, der den Kindern sehr zugewandt war. Der sich immer wieder gemeldet hat, ihnen Karten und Briefe schrieb. Und, das dürfte ein großes Kompliment sein: „Ich habe für ihn großen Respekt und größte Zuneigung empfunden.“ Jörg Langendorf

Mit der SZ unterhielt sich Bettina Hering, Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele.
Salzburg ist bereit für die Festspiele, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Tobias Moretti (Jedermann) und Caroline Peters (Buhlschaft) stehen ab Samstag im Spiel vom Sterben des reichen Mannes nach Hugo von Hofmannsthal auf der Bühne am Domplatz oder bei Schlechtwetter im Großen Festspielhaus. Die Generalprobe (Foto) am Mittwoch war ein Erfolg, jetzt darf man gespannt sein auf die ausverkaufte Premiere.
Autor:

Jörg Langendorf aus Wilnsdorf

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