"Das Landhaus Ilse zum Sprechen bringen"
Filmteam sammelt Eindrücke von Bauhaus-Juwel und den Menschen drumrum

Im Erzählcafé erinnerten sich Nachbarn und Dorfbewohner an die Familie Grobleben und das Leben im Landhaus Ilse. Die Filmemacher hörten zu …
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  • Im Erzählcafé erinnerten sich Nachbarn und Dorfbewohner an die Familie Grobleben und das Leben im Landhaus Ilse. Die Filmemacher hörten zu …
  • Foto: Anjula Schaub
  • hochgeladen von Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin)

gmz Burbach.  Als das Landhaus Ilse 1924 in Burbach errichtet wurde, muss es wie ein Objekt von einem anderen Stern gewirkt haben, inmitten all der Fachwerk- und Schieferarchitektur: Auf einem sanft ansteigenden, unbebauten Hang am Ortsende wurde es auf einer leichten Erhebung platziert, thront dort im Bauhaus-Stil mit kompromissloser Kantigkeit, die vier Hausecken den Himmelsrichtungen entgegengestreckt, Wimpel an den vier Ecken. In der Mitte des Gebäudes erhebt sich eine Art flacher Laterne, deren umlaufende Fenster den eigentlich fensterlosen, zentralen Raum in der Mitte des Gebäudes erhellen und die dem Raum durch das angehobene Dach zusätzliche Höhe verleiht. Das Landhaus Ilse, 1924 für den Direktor der WAG Westerwaldbrüche gebaut, wurde von ihm und seiner Familie bewohnt. Das Haus wurde nach der Tochter Ilse Grobleben benannt, die bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 2000 dort lebte. 2017 ging das Haus in den Besitz der Gemeinde Burbach über (wir berichteten mehrfach), die sich um das Bauhaus-Juwel kümmert.

Auffallende Ähnlichkeiten: Haus am Horn und Landhaus Ilse

Der Grundriss des Hauses gleicht nämlich auffallend dem des berühmten Hauses am Horn in Weimar, einer der Ikonen der damals Wohnen und Leben neu denkenden Kunst, Handwerk und Architektur modernisierenden Bauhaus-Bewegung. Die spannende Frage ist nun: Wie ist ein Entwurf, den Georg Muche als ein Statement des „neuen Baunes“ für Weimar geschaffen hat, nach Burbach gekommen? Diese Frage ist (noch?) nicht zu klären, fest steht aber, dass das Landhaus Ilse in Burbach einer der besonderen Vertreter des Bauhauses ist, das in diesem Jahr ja bekanntlich den 100. Geburtstag seiner Gründung feiert. Am 6. September wird in Berlin (Berlinische Galerie) eine große Ausstellung des Bauhaus-Archives eröffnet: „Original Bauhaus“.
In der Ausstellung sollen Bauhaus-Objekte gezeigt werden, es soll aber auch um die Frage gehen, was „original Bauhaus“ ist, wie und ob man es bestimmen kann, wo Kopie beginnt und Original aufhört und was dazwischen liegt, erläutert Anna Henckel Donnersmarck im SZ-Gespräch. Sie ist angewandte Video-Künstlerin und Dokumentarfilmerin (aus der gleichen Familie wie Florian Henckel von Donnersmarck, aber einer anderen Linie) und dreht gerade eine Film-Dokumentation über das Landhaus Ilse, seine Bewohner und die Umgebung. Den Auftrag dazu erhielt sie von Dr. Nina Wiedemeyer vom Bauhaus-Archiv, die Kuratorin der „Original-Bauhaus“-Ausstellung. Wiedemeyer integriert in diese Schau auch zehn künstlerische Positionen, Anna Henckel Donnersmarcks Arbeit ist eine davon.
Sie hat mit ihrem Team – Daniel Möller (Kamera), Tom Schön (Ton), Anjula Schaub (Assistenz) und Ruth Schonegge (Schnitt) – Aufnahmen vom Haus, von Details, von Plänen, von der Umgebung und von Erinnerungen an die Familie (im Erzählcafé) gemacht. Sie will, das ist ihre Vorstellung, mit dem Film

"das Haus  zum Sprechen bringen“,

will zeigen,

"was das Landhaus Ilse  zu erzählen hat“.

Dass sie damit Erfahrung hat, zeigt ihre Arbeit, nach dem Studium an der Ludwigshafener Film-Akademie (Trick- und Dokumentarfilm) an Theatern und für Ausstellungen: Sie ist bekannt für ihre installativen Bildwelten im Theater und ihre filmischen Inszenierungen von Exponaten.

Anna Henckel Donnersmarck macht angewandte Videokunst

Ihre Ergebnisse der Burbacher Spurensuche will sie in Berlin in einem Raum zeigen, der in seinen Wandmaßen dem als Wohnzimmer genutzten Mittelraum des Landhauses Ilse entsprechen wird. Auf diese Wände werden Aufnahmen projiziert. Zum Beispiel von den Wänden, wie sie heute sind, oder von der Außenansicht des Landhauses und des Hauses am Horn, nebeneinander im Vergleich. Von Details einzelner Räume, z.B. vom wunderschönen Blau des Kinderzimmers, das heute immer noch strahlt, auch wenn Zeit und Vernachlässigung ihre Spuren deutlich eingegraben haben. Von Fensterdetails oder den (Original-)Gardinen, die immer noch an den Fenstern hängen.
Es gibt auch Erinnerungen an die Familie Grobleben, von der es allerdings nicht viele Aufnahmen gibt.

Haus, Bewohner und Umfeld werden "lebendig"

Aber ein Blick in den Vorratsschrank von Ilse Grobleben sagt auch viel: Anrührend ist es, die sorgfältig etikettierten Gläser mit eingemachten Stachelbeeren zu sehen, die sie nicht mehr gegessen hat … Ilse Groblebens Begeisterung fürs Schwimmen wird beim Dreh im Freibad nachgespürt. Der Gang durch die Landschaft, in der Groblebens ihre „WiGro“-Heilerde fanden (sie frönten dem „Gesundheitskult“ der 1920er), macht die strenge Natur(heilkunde)-Begeisterung früherer Zeiten nachvollziehbar.
Wie Anna Henckel Donnersmarck diese Zeugnisse vergangenen Lebens und die Zeugnisse und Impressionen, die bis ins Heute reichen, dann arrangiert, ist in der Planung: Zum Beispiel werden Großaufnahmen der typischen Bauhaus-Farbgebung gezeigt, wenn die Leiterin des Bauhaus-Archives, PD Dr. Annemarie
Jaeggi, die Farbpsychologie der Architektur- und Designbewegung erläutert. Ansichten des repräsentativen Baus mit großem Garten der 1920er, die fast völlig zugewachsene Situation in Ilse Groblebens letzten Jahren und der „Aufbruch“ mit eigenen Akzenten in den anschließenden Jahren, als das Haus der Unternehmerin Erika Wirtz gehörte, stehen nebeneinander und vermitteln viel von dem, was diesen Menschen wichtig (oder nicht mehr wichtig) war …
Im Gespräch mit Anna Henckel Donnersmarck wird nachvollziehbar, wie man „die Realität“ dazu bringen kann, „ihre Geschichte(n)“ zu erzählen …! – Vielleicht kann man diese Installation dann ja auch mal in Burbach erleben!?

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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