Besser nur der »alte Meister«

Bühnenstück zu Goethes »Zauberlehrling« überzeugte wenig

sz Wasserscheide. »Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben« – leider! – »und nun sollen seine Geister auch nach meinem Willen leben!« Dieser Versuch geht ja nun, wie man aus Goethes Ballade »Der Zauberlehrling« zu genüge weiß, gründlich daneben. Der Bühnenfassung dieser Ballade, geschrieben von Thomas Waldkircher vom Rrrabatzzz Theater Hainburg, die am Freitagabend als »Schauspiel mit Ballett« im sehr gut besuchten Heimhof-Theater zu sehen war, fehlte ebenfalls die rettende Hand des Meisters: Zu viel war gewollt, doch die »Wunder der Geistesstärke«, die fehlten.

Wer also an Goethes messerscharfe und sprichwörtlich griffige Analyse von Macht und Missbrauch durch unfähige, aber bedingungslose Imitierer dachte, der wurde enttäuscht. Zu sehen war nämlich ein üppig ausgestattetes Märchenstück (Maske: Daniel Roos, Kostüme: Anja Pirling) mit einem Zauberer (Thomas Waldkircher), der stark an Petrosilius Zwackelmann aus Preußlers »Räuber Hotzenplotz« erinnerte. Sein großes, gelegentlich poetisch angehauchtes Wollen (»Übermut verdient nicht Schonung«), seine tiefsinnigen Sentenzen (»und ich bin auch zum Essen hier, weshalb ich mir diese Lerche zu Gemüte führ’«) und seine Prospero-Imitation mit Goethe-Zitaten wirkten eher komisch als würdevoll, was sie wohl sein sollten (dem Zaubermantel hätten übrigens ein paar Knöpfe mehr gut getan, damit der arme Meister nicht immer den Blick auf Bauch, Bein und Badehose freigeben müsste).

Der arme, natürlich rothaarige und sommersprossige Lehrjunge, der »Bub«, (traf ihre Rolle als nervender Quälgeist gut: Anja Pirling) erinnerte an einen quatschigen, tolpatschigen Seppel, dessen gelegentliche Ausflüge ins Philosophische ebenso überraschten (»Wer bin ich?«) wie seine klarsichtige Einschätzung des Meisters (»ich soll hier wohl wieder vorgeführt werden«).

Die Hybris und das Unvermögen der Großmannssucht, die ja schließlich die Katastrophe auslösen, gehen unter in märchenhaften, manchmal kindlich verspielten Nebenschauplätzen, wie dem Waisenkind-Traum von der schönen Prinzessin im blauen Sternenkleid und der völlig unmotivierten, Freud’schen Angst vor den so genannten Realitäten des Lebens, wie der »bayernden« Mutter mitten in Arkadien oder den Pfauen-, Geister- oder Besentänzen von Uriel und Ithuriel (Erik Dalmann und Yasmin Arendt) – auch hier lässt Shakespeare grüßen. –

Die »Geister ruft zu seinem Zwecke« eben nur hervor der »alte Meister«! Ohne den Bezug auf ihn wäre dem »Lehrling« vielleicht ein ganz nettes Märchenstück gelungen.

gmz

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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