800-Jahr-Feier: Jubiläumsausstellung im Bürgerhaus
Burbach im Mittelalter

Dr. Marlies Obier (2. v. r.), Kuratorin der Jubiläums-Ausstellung und Autorin des Begleitkatalogs, freut sich mit Harald Hoffmann (Druckerei Vorländer), Layouter Berno Schulze, Kathrin Mehlich (Kulturbüro Burbach) und Michael Hinkel (v. l., Druckerei Vorländer) über die druckfrischen Exemplare.
  • Dr. Marlies Obier (2. v. r.), Kuratorin der Jubiläums-Ausstellung und Autorin des Begleitkatalogs, freut sich mit Harald Hoffmann (Druckerei Vorländer), Layouter Berno Schulze, Kathrin Mehlich (Kulturbüro Burbach) und Michael Hinkel (v. l., Druckerei Vorländer) über die druckfrischen Exemplare.
  • Foto: Christian Hoffmann
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Burbach. In Burbach wird Geschichte mit Füßen getreten – nicht sprichwörtlich, sondern buchstäblich. Zwar kennen viele Kirchgänger den Fußboden in der ev. Kirche auf dem Römer, aber nur den wenigsten dürfte bekannt sein, dass er als Sinnbild der mittelalterlichen Ordnung interpretiert werden kann. „Das Mittelalter kennt kein Einzelnes, nur das Ganze“, erläutert Dr. Marlies Obier. In dem fischgrätenartigen Muster füge sich jedes Teilchen dem Gesamtbild unter. Hierin sei der Ordo-Gedanke erkennbar. Vor zwei Jahren hat die Historikerin von der Gemeindeverwaltung den Auftrag bekommen, eine mittelalterliche Ausstellung über Burbach zusammenzustellen. Regionalbezogen sollte sie sein und die Lebensverhältnisse der Menschen von damals dokumentieren. Obier entschied sich, ein Portrait der Stunde Null zu zeichnen, also sich auf das Jahr 1219, der Geburtsstunde des Ortes, festgemacht an der ersten urkundlichen Erwähnung, zu fokussieren.

Kaum schriftliche Belege

Für die Obersdorferin war dieser Ansatz insofern ungewöhnlich, da ihre bisherigen historischen Arbeiten zum Thema Mittelalter überwiegend von der allgemeinen Literatur über die Epoche geprägt waren und weniger ortsspezifisch angelegt. Natürlich bediente sie sich auch für „800 Jahre Burbach – 1219-2019“ überregionaler Quellen. Zum einen, weil sich viele allgemeingültige Fakten über das Mittelalter auch auf Burbach übertragen lassen, zum anderen weil es nur wenige schriftliche Belege aus jener Zeit über den Ort und seine Menschen gibt. Selbst Weiheurkunden der Kirchen und Kapellen liegen nicht vor. Dafür gewährten Burbacher Sammler Obier bereitwillig Einblick in ihren Fundus. So erfuhr sie einiges über die Snorrenburg und die Geschichte der Herren von Selbach-Burbach oder auch über die Eisenverhüttung zu jener Zeit.

Epoche von Herrschaft und Dienst

Grundsätzlich unterscheide sich das mittelalterliche Leben im Ober- und Hickengrund nicht von dem in anderen Regionen. „Burbach fügt sich in das Gesamtbild des Reiches ein.“ Die Zeit sei von (Fremd-)Herrschaft und Dienst als Mittelpunkt der tatsächlichen Welt definiert gewesen, ebenso wie vom Ringen um „Gottes Huld“, also der göttlichen Gnade.Das Leben eines mittelalterlichen Menschen sei von Geburt an (vor-)bestimmt gewesen – in der Regel war es eines in ärmlichen Verhältnissen. Burbach sei keine Ausnahme gewesen: „Die Region war kein Paradies“, stellt die Mittelalterexpertin fest.

Die Bevölkerungsdichte muss gering gewesen sein. Eine erste Zahl fand Obier in Steuerbüchern aus dem Jahr 1461. Damals wurden 18 Steuerzahler verzeichnet, wobei hier nicht pro Kopf sondern wahrscheinlich pro Familie/Hof gezählt wurde. Man darf davon ausgehen, dass die Bevölkerungszahl zweieinhalb Jahrhunderte zuvor noch kleiner gewesen sein dürfte.Steuern wurden nicht immer mit barer Münze bezahlt. Es gab auch eine Wachssteuer, wie die Historikerin erklärt. Der Wachs wurde für die Herstellung von Kerzen in den Herrschaftshäusern eingezogen. Eigene Kerzen zogen die ärmeren Leute nicht, es war zu teuer. „Die Abende und Nächte in den Häusern waren sehr dunkel“, beschreibt Obier.

Imkerei und Bienen schon damals wichtig

Die Wachssteuer führte Obier auf eine andere Fährte: Das Imkern muss ein Bestandteil des alltäglichen Lebens gewesen sein. Nicht nur für das Kerzenwachs, sondern auch für die Honigherstellung, also für die Ernährung der Familie. Bienen waren also schon damals lebenswichtig. Obier widmet ihnen einen kleinen, eignen Abriss im Ausstellungskatalog. Honig war ein kleines, süßes Glück im Alltag. Im Mittelalter seien Zuckermelonen, Pfirsiche und Feigen beliebt gewesen – die alle nicht in der Region wuchsen, erläutert die Kuratorin. Das dickflüssige Gold diente als Ingredienz in Nahrungs- und Heilmitteln.
Mittelalterliche Arzneien. Auch so ein bedeutsames Thema, bei dem Obier an Hildegard von Bingen nicht vorbeikam, auch wenn die vielleicht bedeutendste Frau in jener Zeit keinen Bezug zur Region hatte. Ihr Wissen über die Heilkräfte der Pflanzen dürfte aber auch hierzulande genutzt worden sein. Wobei es nicht ganz einfach sei zu bestimmen, welche Kräuter und Pflanzen im Ober- und Hickengrund angebaut wurden bzw. hier wuchsen, so Obier. Es gibt dazu keine aus dieser Zeit erhaltenen Funde aus Samen oder Kernen. Stattdessen musste sie botanische Fachliteratur zu Rate und dann Rückschlüsse ziehen. So näherte sie sich Stück für Stück dem damaligen Leben in Burbach an.

Weitere Themen-Veranstaltungen

Bei der Gestaltung der Bilderausstellung, die am Donnerstagabend eröffnet wird und ab Freitag öffentlich im Burbacher Bürgerhaus zugängig ist, setzte Marlies Obier als Konzeptkünstlerin auf die Farben des Mittelalters: Rot, Blau (Hintergründe) und Gold (Rahmen). In den vergangenen Tage war sie damit beschäftigt, die Ausstellung zu arrangieren, die Bilder zu positionieren und auszuleuchten. Zum Gesamtkonzept der Ausstellung gehören neben dem 100-seitigen Katalog – gedruckt in bewährter Vorländer-Qualität – Themen-Veranstaltungen. Eine Auswahl:

  • „Zur Geschichte Burbachs“, Vortrag von Dr. Marlies Obier. Donnerstag, 23. Mai, 19 Uhr, Bürgerhaus;
  • „Mittelalterliche Klänge“, Lieder und Lyrik mit Andreas Richter und Dr. Marlies Obier, am Klavier Christa Spies. Samstag, 25. Mai, 16 Uhr, Bürgerhaus;
  • „Hildegard von Bingen und die Botanik des Mittelalters“, Vortrag von Holger Laake (Leiter des Botanischen Gartens Gießen) und Dr. Marlies Obier, Sonntag, 16. Juni, 17 Uhr, Bürgerhaus;
  • „Die Falken und die Jagd im Mittelalter“, Vortrag und Flugschau von Rainer Betz (Landesvorsitzender des Ordens Deutscher Falkoniere), Samstag und Sonntag, 24. und 25. August (Museumsfest), auf dem Römer vor der ev. Kirche.

Öffnungszeiten der Ausstellung

  • Freitag, 17. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Samstag, 18. Mai, 13 bis 20 Uhr,
  • Sonntag, 19. Mai, 11 bis 18 Uhr,
  • Montag, 20. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Dienstag, 21. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Mittwoch, 22. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Donnerstag, 23. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Freitag, 24. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Samstag, 25. Mai, 14 bis 19 Uhr,
  • Sonntag, 26. Mai, 8 bis 18 Uhr,
  • Montag, 27. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Dienstag, 28. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Mittwoch, 29. Mai, 16 bis 19 Uhr,
  • Donnerstag, 30. Mai, 14 bis 19 Uhr.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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