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Ofenbauer Gerd Zepp führt Arbeit seines Vaters fort
Burbacher Backes aus bewährter Familienhand

Insgesamt fünf Arbeitstage benötigte Backofenbaumeister Gerd Zepp, bis das Herzstück des neuen Backes bereit zum „Schlagen“ war.
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  • Insgesamt fünf Arbeitstage benötigte Backofenbaumeister Gerd Zepp, bis das Herzstück des neuen Backes bereit zum „Schlagen“ war.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

tile Burbach. Ein kleines Flämmchen züngelt im neuen Backes; aber nicht, weil die Backfrauen des Heimatvereins bereits die ersten Laibe in den Ofen schieben wollen. Es hat bauphysikalische Gründe, warum Beate Diehl, Rose-Marie Moses und ihre Mitstreiterinnen abends dünne Scheite anzünden und abbrennen lassen. „Der Schamottstein der Deckenwölbung soll weiter trocknen“, erklären die beiden Frauen. Morgens übernimmt diese Aufgabe jemand aus der Nachbarschaft des neuen Backhauses, das gerade an der Alten Vogtei entsteht. Das Herzstück hat Gerd Zepp bereits Mitte Juli in den Neubau verpflanzt. Der Schloss- und Backofenbaumeister „erbte“ somit eine Aufgabe, die sein Vater Karl vor 30 Jahren übernommen hatte.

tile Burbach. Ein kleines Flämmchen züngelt im neuen Backes; aber nicht, weil die Backfrauen des Heimatvereins bereits die ersten Laibe in den Ofen schieben wollen. Es hat bauphysikalische Gründe, warum Beate Diehl, Rose-Marie Moses und ihre Mitstreiterinnen abends dünne Scheite anzünden und abbrennen lassen. „Der Schamottstein der Deckenwölbung soll weiter trocknen“, erklären die beiden Frauen. Morgens übernimmt diese Aufgabe jemand aus der Nachbarschaft des neuen Backhauses, das gerade an der Alten Vogtei entsteht. Das Herzstück hat Gerd Zepp bereits Mitte Juli in den Neubau verpflanzt. Der Schloss- und Backofenbaumeister „erbte“ somit eine Aufgabe, die sein Vater Karl vor 30 Jahren übernommen hatte.

Nichts "von der Stange"

Seinerzeit hatte der Backofenbaugeselle aus der Eifel einen Ofen aus dem Hickengrund in das alte Backhaus neben dem historischen Amtssitz „umgezogen“. Eigentlich war es schon damals ein Neubau, erläutert Gerd Zepp, dessen Großvater und Ur-Großvater ebenfalls schon den Backofenbau professionell betrieben. Auch jetzt sei der alte Backofen nicht von A nach B versetzt worden. Lediglich die Türen wurden beibehalten, alles andere baute der Handwerker von Grund auf neu. Zum einen, weil es keine Größen „von der Stange“ gibt und zum anderen, weil in der Regel die Steine nicht mehr zu verwenden seien. Und die sind für einen ordentlichen Ofen entscheidend.

Fünf Tage gebaut

Im entstehenden Backhaus hat er nun eine Backfläche von 2,10 Meter Tiefe und 1,40 Breite aus Tuffstein vulkanischen Ursprungs gebaut. Darüber wölbt sich eine Decke aus Schamottstein. Drumherum setzte er eine Ziegelwand, die Front wurde anschließend mit Naturstein verkleidet. Rund fünf Tage hat der Bau in Anspruch genommen.

Tradition in Siegerland und Olpe

Gerd Zepp ist oft im Kreis zu Gast. 30 bis 40 Öfen, so schätzt er, haben sein Vater und er hierzulande bereits gebaut. Er kenne keine andere Region, in der die Backes-Tradition so stark verbreitet ist und gepflegt wird wie im Siegerland und in Olpe. Bei Wiesbaden gebe es einige Backhäuser, aber bei Weitem nicht so viele. Etwa zehn Öfen baue er als Einmannbetrieb pro Jahr im Nebengewerbe. Vor Ort erhalte er dann oft Hilfe aus den Vereinen, diesmal etwa vom Maurermeister und Hochbautechniker Rüdiger Sahm. Hauptberuflich arbeitet Gerd Zepp als Anlagenplaner bei einem weltweit agierenden Ofenbauunternehmen mit 280 Mitarbeitern.

Nächster Backes kommt

Bevor er den Ofen im neuen Burbacher Backes baute, habe er zuletzt in Birlenbach einen im Siegerland errichtet. Das nächste Projekt in der Region stehe bereits fest, und zwar in Niederdielfen.
Bis er dort sein Können unter Beweis stellt, soll in Burbach der Kamin längst qualmen. Und zwar richtig. Etwa 50 Halbpfünder (20 Zentimeter Durchmesser), schätzt Gerd Zepp, könnten hier künftig gleichzeitig gebacken werden. Die Backfläche wird dazu vorab zwei Stunden lange direkt befeuert, bevor die Glut herausgeholt wird. Die Speichermasse des Steins (Zepp: „Das Wichtigste beim Ofen“) sorgt für ausreichende Temperaturen. Schwarzbrot sei nach rund einer Stunde fertig, für den nächsten Backgang müsse der Ofen dann erneut eine Stunde befeuert werden.

Acht Frauen an Bord

Die erste Feuertaufe wollen die Backfrauen vielleicht schon im September durchführen. Allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die zuletzt vier aktiven Frauen geben die Verantwortung in jüngere Hände. Es habe sich eine Gruppe von nunmehr acht Frauen gefunden, die die Tradition fortsetzen wolle, sagt Beate Diehl. Mit ihnen wolle man dies intern feiern. Im April 2021, so die derzeitige Planung, soll dann die erste Backsaison im neuen Domizil eröffnet werden. Das Gebäude selbst soll indes früher fertig werden. Bei idealem Verlauf der Arbeiten vielleicht noch vor Weihnachten, nennt Bürgermeister Christoph Ewers einen möglichen Termin.
Gerd Zepp, der in Sachen Backes schon viel gesehen hat, hat sein Urteil über das neue Gebäude bereits im Rohbauzustand gefällt: „Ein dolles Ding“, sagt der Ofenbauer – und gibt der Neugier der Burbacher auf das fertige Backhaus zusätzlich Nahrung.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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