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Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes
Christoph Ewers kämpft für Wald der Zukunft

Laubholzarten wie die Eiche sollen künftig den einstigen Brotbaum Fichte ersetzen.
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  • Laubholzarten wie die Eiche sollen künftig den einstigen Brotbaum Fichte ersetzen.
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sz/goeb Burbach/Bonn. Müsste man für die Ehrenamtsaufgabe des 1. Vorsitzenden des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW eine Stellenbeschreibung formulieren, da stünde: sollte hauptamtlicher Bürgermeister und Forstwissenschaftler sein und berufliche Tätigkeiten in deutschen Forstverwaltungen vorweisen können. Da nimmt es nicht wunder, dass Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers am Mittwoch in dieses Amt gewählt worden ist. Er tritt die Nachfolge von Bürgermeister a. D. Bernhard Halbe an, der seit 2005 an der Spitze des Verbandes gestanden hat.

Mit Ewers hat sich die Verbandsversammlung für einen leidenschaftlichen Fürsprecher für Wald und Forst entschieden.

sz/goeb Burbach/Bonn. Müsste man für die Ehrenamtsaufgabe des 1. Vorsitzenden des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW eine Stellenbeschreibung formulieren, da stünde: sollte hauptamtlicher Bürgermeister und Forstwissenschaftler sein und berufliche Tätigkeiten in deutschen Forstverwaltungen vorweisen können. Da nimmt es nicht wunder, dass Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers am Mittwoch in dieses Amt gewählt worden ist. Er tritt die Nachfolge von Bürgermeister a. D. Bernhard Halbe an, der seit 2005 an der Spitze des Verbandes gestanden hat.

Mit Ewers hat sich die Verbandsversammlung für einen leidenschaftlichen Fürsprecher für Wald und Forst entschieden. Ewers, seit 2003 Bürgermeister, ist studierter Forstwissenschaftler mit anschließender Tätigkeit in den Forstämtern Minden und Siegen sowie für das Düsseldorfer Umweltministerium.

Vom Profitgeschäft zum großen Kassenloch

Wer die kommunale Berichterstattung in dieser Zeitung verfolgt, der weiß, dass die Krise des Waldes auch eine Krise des Waldes im Besitz der Städte und Gemeinden ist. War der Ertrag – mal mehr, mal weniger – früher meistens ein Pöstchen auf der Habenseite des Haushaltes, ist das spätestens seit den Dürrejahren 2018 bis 2020 mit ihren verheerenden Borkenkäfer-Kalamitäten nicht mehr so.

Es sei eine besorgniserregende Entwicklung, wird Ewers zur aktuellen Situation zitiert. „Das hat in vielen Städten und Gemeinden für ein immer größer klaffendes Loch in den Kassen gesorgt.“ Dass das Kommunalministerium in Düsseldorf 10 Millionen Euro Soforthilfe für den Kommunalwald in Aussicht gestellt hat, begrüßen sowohl Ewers als auch Geschäftsführer Dr. Gerd Landsberg aus Bonn. „Sie geben den Waldbesitzern auch eine Perspektive für die Wiederbewaldung der Kalamitätsflächen und den klimagerechten Waldumbau.“

8,3 Millionen Kubikmeter Schadholz

Dass keine NRW-Kommune mit einem blauen Auge davongekommen ist, zeigen die Ergebnisse einer vom Verband in diesem Frühjahr durchführten Schadensabfrage bei den Mitgliedskommunen. Der Klimawandel sei im gesamten Körperschaftswald in NRW spürbar. In Zahlen: Auf 113 000 Hektar Körperschaftswaldfläche sind 620 000 Kubikmeter Sturmholz allein durch den Orkan „Friederike“ am 18. Januar 2018 angefallen. Hitze und Käfer ließen den Berg an gefälltem Holz auf 4,8 Millionen Kubikmeter Schadholz bis März 2021 anwachsen.Die gesamte Kommunalwaldfläche beträgt 196 000 Hektar. Hier fielen 8,3 Millionen Kubikmeter Schadholz an. 12 600 Hektar müssen wiederbewaldet werden. Eine Finanzierung allein aus der Waldbewirtschaftung heraus könne nicht mehr gelingen, teilen die Waldbesitzer mit.

Auf Jahre kein Gewinn mehr möglich

„Wenn man im Durchschnitt von 8000 Euro je Hektar Walderneuerungskosten ausgeht“, sagt Ewers, „dann müssen die kommunalen Forstbetriebe mindestens 100 Millionen Euro investieren“. Mit dem Wald sei auf Jahre, vielleicht sogar auf Jahrzehnte kein Gewinn mehr aus dem Holzverkauf zu machen. Dies gelte insbesondere dann, wenn die Nadelholzbestände zukünftig immer weiter abnehmen.

Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers ist neuer Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW.
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Die Rathäuser wollen auf ihrem Grundbesitz fünf Millionen neue Bäume pflanzen. Es ist ein abrupter Abschied vom einstigen Brotbaum Fichte. Stattdessen setzt man auf Laubholz mit heimischen Baumarten wie Eiche, Buche, Vogelkirsche oder Bergahorn. Gleichzeitig will man solche Nadelhölzer pflanzen, denen man zutraut, mit der Klimaveränderung besser fertig zu werden: Douglasie, Küstentanne, Lärche und Mammutbaum, Libanonzeder, Hemlocktanne. Die heimischen Laubhölzer sollen Esskastanie, Roteiche, Baumhasel und Tulpenbaum erweitern.

Millionenverluste für Kommunen

Ewers und Landsberg unterstreichen die Bedeutung des Waldes als Schutz vor Klimaveränderung (CO2-Senken). Ohne sie könne man die Klimaschutzziele nicht erreichen. Das sehe auch das Bundesverfassungsgericht so, das Nachbesserungsbedarf beim Klimaschutz gefordert habe.

Christoph Ewers, der bereits einige Jahre als Halbes Stellvertreter im Verband tätig gewesen ist und der darüber hinaus bundesweit in Forstgremien mitarbeitet, übernimmt das Ruder in schwieriger Zeit.
„Der Wald steht ja auch als Vermögen in unserer Bilanz. Oft sind es Millionenverluste, die jetzt in den Kommunen zu beklagen sind“, erklärt er gegenüber der SZ. Die Wiederaufforstung sei eine gigantische Herausforderung. Der gesellschaftliche Dialog darüber, wie das zu stemmen sei, habe eben erst begonnen. Der Wald, das dürfe man keinesfalls vergessen, erbringe wichtige Ökosystemleistungen. Auch das müsse honoriert werden, so der neue Vorsitzende abschließend.

Laubholzarten wie die Eiche sollen künftig den einstigen Brotbaum Fichte ersetzen.
Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers ist neuer Vorsitzender des Gemeindewaldbesitzerverbandes NRW.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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