Aus Hongkong zurück nach Wahlbach
Coronavirus beendet Freiwilligendienst

Seit Ausbruch des Virus im Februar waren Hanna Estelle (r.) und ihre Freunde außerhalb des Jugendcamps nur noch mit Masken in Hongkong unterwegs.
  • Seit Ausbruch des Virus im Februar waren Hanna Estelle (r.) und ihre Freunde außerhalb des Jugendcamps nur noch mit Masken in Hongkong unterwegs.
  • Foto: Privat
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

kay Wahlbach. Mit diesem vorzeitigen und plötzlichen Ende ihres Jugendfreiwilligendienstes in Hongkong hatte die 18-jährige Wahlbacherin Hanna Estelle Wahl nicht gerechnet. Kürzlich setzte das Flugzeug mit der jungen Frau am Frankfurter Flughafen auf – sie war zurück in der Heimat, konnte von ihrer Familie wieder in die Arme geschlossen werden.

Hanna Estelle Wahl mit dem CVJM in Hongkong

Doch von vorne: Im vergangenen Jahr legte Hanna Estelle am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Neunkirchen ihr Abitur ab, so erzählt sie im Gespräch mit der SZ. Geplant war im Anschluss an die Schule erst einmal ein Jahr Pause zu machen. Sie wollte ins Ausland gehen und soziale Arbeit leisten. Es sollte etwas im christlichen Bereich sein, weil ihr das einfach wichtig war – sie erhoffte sich dadurch, auch in ihrem Glauben weiter zu kommen, gefestigt zu werden.  Durch den „CVJM weltweit“ vom CVJM Kreisverband Siegen-Wittgenstein, in dessen Beirat sie und ihr Vater, der Burbacher Gemeindepfarrer Jochen Wahl, aktiv sind, kam der Kontakt zum „Chinese YMCA of Hongkong“ zustande. Dadurch entstand die Idee, nach Hongkong zu gehen und dort für ein Jahr einen internationalen Jugendfreiwilligendienst abzuleisten. Dann ging alles ganz schnell: Ihre Bewerbung, die in diesem Fall über den CVJM Bayern/ Nürnberg lief, wurde angenommen, und Hanna Estelle machte sich mit fünf weiteren Freiwilligen aus Deutschland auf den Weg in die Ferne.
Im Oktober 2019 ging es los. Eingesetzt wurden die jungen Leute in einem Jugendcamp, von dort aus leisteten sie ihre Arbeit, die bis Juli 2020 andauern sollte, so der ursprüngliche Plan. Die Aufgaben vor Ort waren vielseitig und abwechslungsreich. In der deutschen Gemeinde in Hongkong kümmerte sich die 18-Jährige um den Konfirmandenunterricht, die Kinderbetreuung, half bei Gottesdiensten mit oder arbeitete mit ethnischen und sozialen Minderheiten.

Stimmung in Hongkong änderte sich mit Eintreffen des Coronavirus

Im Februar, um die Zeit des chinesischen Neujahrsfestes herum, änderte sich die allgemeine Stimmung in Hongkong. Auf der Arbeit kamen erste Hinweise, es gäbe eine Grippewelle und man solle Schutzmasken tragen, was jedoch für die Menschen in Asien nicht allzu ungewöhnlich ist. Die Stimmung aber kippte langsam, es war nur noch „Homeoffice“ angesagt. Die soziale Arbeit vor Ort war quasi nicht mehr möglich, das Leben in der Großstadt kam mehr und mehr zum Erliegen. Ganz so streng wie in Deutschland waren die Restriktionen jedoch nicht, die Läden hatten zum großen Teil weiterhin geöffnet, lediglich verschiedene öffentliche Einrichtungen, Kinos, Fitnessstudios und dergleichen waren geschlossen.
Der Zustand, der vorerst bis 1. März andauern sollte, wurde dann behördlich bis in den April hinein nochmals verlängert. Hanna Estelle und ihre Kollegen versuchten, flexibel zu reagieren. Nach einem Zwischenseminar in Japan, genauer gesagt auf Okinawa, wurde die Zeit im Camp genutzt, um Projektideen für die Zeit nach der Krise zu entwickeln. Es war einerseits frustrierend für die jungen Leute, da geplante Projekte aufgeschoben werden mussten, aber dennoch war es für die Wahlbacherin doch irgendwie „cool“, da ihre Gruppe trotz der widrigen Umstände ihre Aufgaben positiv angegangen war.
Die Arbeit fand mehr und mehr im virtuellen Raum statt. Kulturnächte und andere Veranstaltungen wurden ins Internet verlegt. Gottesdienste der deutschen Gemeinde, die bis zu dem Zeitpunkt der stärker werdenden Einschränkungen in den Räumlichkeiten einer Schule stattfanden, wurden nur noch privat abgehalten. Das gab den jungen Freiwilligen laut Hanna Estelle Halt in der schwierigen Zeit. Die Zuversicht war immer da, dass bald die angedachten Projekte umgesetzt werden könnten. Die Aufhebung der Beschränkungen wurde jedoch immer wieder in die Zukunft verschoben. Mittlerweile haben sich die Restriktionen ein klein wenig gelockert, ein Hauch von Alltag hat wieder Einzug in der Weltmetropole Hongkong gehalten. Die Stimmung ist nicht mehr ganz so angespannt, wie es zwischenzeitlich der Fall war.

Jahr in Hongkong war trotz Corona schön

Neben Hanna Estelle und ihren Kollegen leisteten noch etwa 40 weitere junge Menschen über Vermittlung durch den CVJM ihren internationalen sozialen Dienst. Dann kam die Meldung des deutschen Außenministeriums, dass es empfohlen werde, wieder nach Deutschland zurückzukommen. Hanna Estelle und ihre Freunde folgten der Empfehlung, auch wenn es schwer fiel. „Trotz allem hatte es sich wie ein Abschluss angefühlt – wie ein guter Abschluss, auch wenn es traurig war, so abrupt zu gehen. Und jetzt sind wir wieder hier“, so die Wahlbacherin mit einem Lächeln im Gesicht. Trotz der schwierigen Bedingungen: „Unsere Zeit war unglaublich schön! Es war wirklich ein Jahr, das ich mit keiner anderen Zeit auf der Welt tauschen würde, weil wir alle so viel wachsen und lernen durften.“ So lautet Hanna Estelles zufriedenes Fazit.

Autor:

Kay-Helge Hercher (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen