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Sammlung im „Depot Alte Vogtei“ soll wieder zugänglich werden
Das geheime Museum

Kristina Bösch und Volker Gürke blättern im Vorraum des Depots in den „Ausräumbüchern“, in denen alle Exponate des ehemaligen Museums „Leben und arbeiten in Burbach“ bei dessen Umzug verzeichnet wurden.
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  • Kristina Bösch und Volker Gürke blättern im Vorraum des Depots in den „Ausräumbüchern“, in denen alle Exponate des ehemaligen Museums „Leben und arbeiten in Burbach“ bei dessen Umzug verzeichnet wurden.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

tile Burbach. Noch herrscht geordnetes Chaos am Lohbau Nummer 7. Hinter den Mauern der ehemaligen Dependance der Hamburger Firma Biesterfeld, die das Gebäude zur Verfügung gestellt hat, stapeln sich Kartons, häuft sich altes Werkzeug; diverse Haushaltsgegenstände, Apparaturen, Geräte, Keramik, Schachteln, Metallwannen, Flechtkörbe und vieles mehr füllen einige Regalmeter. Etliche Holzskier und Schlitten sind zu sehen, mannshohe Fensterrahmen stehen hier. Aus der Zeit gefallene (Groß-)Objekte wie die Zaine, das zweispännige Fuhrwerk mit Flechtwerkwänden für den Holzkohletransport, nehmen einen großen Teil der etwa 200 Quadratmeter messenden Halle ein. Was zunächst wie der Hort eines Messis anmutet, ist eine wahre Schatzkammer zeitgeschichtlicher Kleinode.

tile Burbach. Noch herrscht geordnetes Chaos am Lohbau Nummer 7. Hinter den Mauern der ehemaligen Dependance der Hamburger Firma Biesterfeld, die das Gebäude zur Verfügung gestellt hat, stapeln sich Kartons, häuft sich altes Werkzeug; diverse Haushaltsgegenstände, Apparaturen, Geräte, Keramik, Schachteln, Metallwannen, Flechtkörbe und vieles mehr füllen einige Regalmeter. Etliche Holzskier und Schlitten sind zu sehen, mannshohe Fensterrahmen stehen hier. Aus der Zeit gefallene (Groß-)Objekte wie die Zaine, das zweispännige Fuhrwerk mit Flechtwerkwänden für den Holzkohletransport, nehmen einen großen Teil der etwa 200 Quadratmeter messenden Halle ein. Was zunächst wie der Hort eines Messis anmutet, ist eine wahre Schatzkammer zeitgeschichtlicher Kleinode.

Rund 5000 Stücke eingelagert

Als Alte Vogtei sowie Zehntscheune wegen der Sanierung und des Umbaus zum Besucher-, Begegnungs- und Erlebniszentrum vor vier Jahren geräumt und die Exponate des Museums „Leben und arbeiten in Burbach“ eingemottet wurden, hatte so mancher Burbacher einen Kloß im Hals. Rund 5000 Stücke wurden in dem 150 Meter Luftlinie entfernten leerstehenden Industriegebäude eingelagert. Jedes einzelne Teil wurde akribisch in einem der 16 „Ausräumbücher“ verzeichnet. Doppeltes und nicht mehr Vorzeigbares wurde aussortiert. Aktuell schätzt der Heimatverein den Bestand auf 3500 Exponate.
Nur ein Bruchteil davon wird in der neuen Ausstellung der Alten Vogtei zu sehen sein. In dem modernen Präsentationskonzept ist weniger eben mehr – und für die große heimatkundliche Sammlung kein Platz. Hier musste der eine oder andere Burbacher erneut schlucken, die neue Ausrichtung wurde kontrovers diskutiert. Für all jene, deren Herzen an den Erinnerungsstücken aus anderthalb Jahrhunderten hängen, gibt es eine gute Nachricht: Das nostalgische Sammelsurium soll wieder zugänglich werden. Vor etwa einem Jahr hatte Kristina Bösch die Idee, das „Depot“, wie es der Heimatverein intern getauft hatte, soweit herzurichten, dass Interessierte dort die „verschollenen Exponate“ (wieder-)entdecken könnten. „Eine Generation hat sich ganz viel Arbeit gemacht, die Sammlung zusammenzustellen. Wir wollten, dass das nicht verloren geht“, sagt die Beisitzerin im Vorstand. Und für Schulklassen und Kindergärten soll Geschichte anfassbar sein.

80-prozentige Förderung gesichert

Im Frühsommer des vergangenen Jahres wurden kurzfristig Mittel aus der über die Leader-Region „Drei-Länder-Eck“ ausgeschütteten Kleinprojektförderung frei. Der Heimatverein sicherte sich eine 80-prozentige Förderung des 13 500 Euro teuren Projekts, sodass nur noch 2500 Euro aus eigener Kraft aufgebracht werden mussten. Das Geld floss in eine neue Elektrik und Beleuchtung, einen hellen Spritzputz, eine neue Treppe zum Eingang sowie in Malerarbeiten und in die Präsentationsausstattung. Der Gegensatz zwischen heimatkundlicher Sammlung und Industrie-Chic blieb bewusst erhalten.
Sechs Infotafeln im Eingangsbereich führen Besucher demnächst in das „Depot Alte Vogtei“ ein, wie das Lager künftig heißt. In die Fensterlücken wurden passgenaue Banner gehängt, die den Hallenbereich in sechs Abschnitte unterteilt und die Kabinette des ehemaligen Museums aufgreift: Schmiede, Stellmacherei, Klempnerei, Schneiderei, Schuhmacherwerkstatt sowie Wald- und Wiesenwirtschaft. In einem angrenzenden Raum ist eine Küche mit Mobiliar aus unterschiedlichen Jahrzehnten eingerichtet.
Nach der Umsetzung der geförderten Maßnahmen geht es in den kommenden Wochen und Monaten darum, das Depot „publikumstauglich“ zu machen. Das Inventar muss weiter geordnet, die „Themenwelten“ arrangiert und dekoriert werden. Ziel ist es, die geplante Wechselausstellung in der Alten Vogtei im Depot so vorzubereiten, dass ein etwa halbjährlicher Austausch erfolgen kann. Die alte Apotheke, ein Schmuckstück des einstigen Museums, wird ohnehin Teil der Dauerausstellung sein.
„Darüber hinaus wächst die Sammlung stetig weiter“, erklärt Heimatvereinsvorsitzender Volker Gürke. Regelmäßig werden den Ehrenamtlern Gegenstände, Geräte, Bilder und Dokumente angeboten. Der Bestand wird fortlaufend verwaltet. Der Historiker Dr. Andreas Bingener ist mit der Erfassung und Katalogisierung betraut.
Wann das Depot tatsächlich für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, ist wegen der Corona-Pandemie noch nicht absehbar. Theoretisch könnten Führungen nach Terminvereinbarung angeboten werden, sobald es die Schutzmaßnahmen wieder erlauben. Interessierte wenden sich hierzu an den Heimatverein. Die ersten E-Mails und Telefonate dürften dann nicht lange auf sich warten lassen. Sicher brennen zahlreiche Burbacher und Heimatkundler darauf, das „geheime Museum“ am Lohbau zu besuchen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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