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Fahrdienst beendet Corona-Pause
Das Hickenmobil rollt wieder

Der Beifahrersitz bleibt leer. Außerdem trennt in Corona-Zeiten eine durchsichtige Schutzplane die ehrenamtlichen Fahrer wie Bärbel Brück und die Fahrgäste im Fond, hier Helmut Venter.
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  • Der Beifahrersitz bleibt leer. Außerdem trennt in Corona-Zeiten eine durchsichtige Schutzplane die ehrenamtlichen Fahrer wie Bärbel Brück und die Fahrgäste im Fond, hier Helmut Venter.
  • Foto: Tim Lehmann
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tile Niederdresselndorf. Mit gelber Mütze und Mundschutz tritt Helmut Venter auf eine Gehhilfe gestützt vor die Haustür. Gerade rollt Bärbel Brück „auf leisen Sohlen“ in der Straße „Zur Dreispitz“ in Niederdresselndorf mit dem Hickenmobil vor. Nahezu geräuschlos steuert die ehrenamtliche Fahrerin das E-Auto in die Einfahrt. Der 65-Jährige nimmt auf dem Rücksitz Platz, er ist der erste Fahrgast seit dem 17. Dezember. „Gott sei Dank fährt das Hickenmobil wieder“, freut sich der Stammkunde des Dorfautos.
66 Tage unterm Carport66 Tage stand das „Ehrenamtstaxi“ wegen des Lockdowns und der hohen Inzidenzwerte unter dem Carport an der Hickengrundhalle. Aufgrund der sinkenden Corona-Fallzahlen sah sich Fahrdienst-Organisator Walter Brück nun veranlasst, den Service wieder anzubieten.

tile Niederdresselndorf. Mit gelber Mütze und Mundschutz tritt Helmut Venter auf eine Gehhilfe gestützt vor die Haustür. Gerade rollt Bärbel Brück „auf leisen Sohlen“ in der Straße „Zur Dreispitz“ in Niederdresselndorf mit dem Hickenmobil vor. Nahezu geräuschlos steuert die ehrenamtliche Fahrerin das E-Auto in die Einfahrt. Der 65-Jährige nimmt auf dem Rücksitz Platz, er ist der erste Fahrgast seit dem 17. Dezember. „Gott sei Dank fährt das Hickenmobil wieder“, freut sich der Stammkunde des Dorfautos.

66 Tage unterm Carport

66 Tage stand das „Ehrenamtstaxi“ wegen des Lockdowns und der hohen Inzidenzwerte unter dem Carport an der Hickengrundhalle. Aufgrund der sinkenden Corona-Fallzahlen sah sich Fahrdienst-Organisator Walter Brück nun veranlasst, den Service wieder anzubieten. Die erste Buchungen für diese Woche hat er bereits angenommen. „Ich habe vorab mit allen Fahrern gesprochen, ob sie dazu bereit sind. Niemand hat abgesagt!“ Im Gegenteil, drei neue Fahrer lassen den Pool der Freiwilligen auf nunmehr 16 anwachsen. Umso bemerkenswerter: Nahezu alle Ehrenamtler gehören zur Risikogruppe 60-Plus.

Kundenkartei umfasst 147 Fahrgäste

„Es ist ein sehr zeitaufwendiges Ehrenamt, aber wir machen das alles mit Spaß und aus Freude“, sagt Bärbel Brück. Die 65-Jährige ist eine der drei „Neuen“ im Team, die nun regelmäßig die türkisfarbene Fleecejacke des Fahrdienstes überstreifen. Zu Hause gebe es kaum etwas zu tun, und es sei schön, so in Kontakt mit Leuten zu kommen. „Wir kennen fast alle persönlich.“ Viele Fahrer übernähmen häufig die gleichen Fahrten bzw. Kunden. Aktuell umfasst die Kundenkartei 147 Fahrgäste.

Helmut Venter ist der erste Fahrgast seit 17. Dezember, der im Hickenmobil wieder einsteigt.
  • Helmut Venter ist der erste Fahrgast seit 17. Dezember, der im Hickenmobil wieder einsteigt.
  • Foto: Tim Lehmann
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

Angst vor einer Infektion hat Bärbel Brück nicht. Es gibt klare Hygienevorkehrungen:

  • der medizinische Mund-Nasen-Schutz (OP- oder FFP2-Maske) ist obligatorisch,
  • zwischen Fahrersitz und Fond ist eine durchsichtige Schutzplane gespannt,
  • es wird immer nur ein Fahrgast auf dem Rücksitz mitgenommen, maximal zwei Personen aus demselben Haushalt,
  • die Fahrer leisten derzeit keine Hilfe beim Ein- und Aussteigen, und
  • aufgrund des fehlenden Stauraums können keine Rollatoren oder Haustiere mitgenommen werden.

Nach Haiger zur Apotheke und zum Optiker

Auch Helmut Venter fühlt sich sicher. Er ist einfach nur froh, wieder mit dem Hickenmobil fahren zu können. In den vergangenen drei Wochen hat er einen örtlichen Pflegedienst für Fahrten in Anspruch genommen. Am Montag lässt er sich nun erstmals wieder nach Haiger zur Apotheke und zum Optiker fahren, um seine neue Brille abzuholen. Nur kurze Besorgungen, Bärbel Brück wartet vor Ort. Mit dem Zug müsste Helmut Venter längere Wartezeiten in Kauf nehmen. „Da würde ich den 14.20-Uhr-Zug nach Haiger nehmen, die Rückfahrt würde um 16.20 Uhr starten.“ Mit dem Pkw geht es deutlich flotter und komfortabler.

Hilfe beim Einsteigen gibt es aktuell nicht. Aber Helmut Venter ist froh, endlich wieder hinter Bärbel Brück im Hickenmobil Platz zu nehmen.
  • Hilfe beim Einsteigen gibt es aktuell nicht. Aber Helmut Venter ist froh, endlich wieder hinter Bärbel Brück im Hickenmobil Platz zu nehmen.
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1515 Fahrten im Jahr 2020

Trotz der Pandemie hatten die Ehrenamtler 2020 gut zu tun: 1515 Fahrten hat Walter Brück verzeichnet, im Jahr zuvor waren es 1453. Nach zwei Jahren steht die Kilometeranzeige bei 45.800. Mit Leader-Mitteln hatte die Gemeinde Burbach das elektrisch angetriebene Fahrzeug finanziert, um es als geteiltes Dorfauto mit Chauffeur für die Ortsteile Holzhausen, Lützeln sowie Nieder- und Oberdresselndorf einzusetzen.
Der Fahrservice bleiben weiterhin kostenlos, die Unterhaltungskosten trägt die Kommune. Die Ehrenamtler fahren unentgeltlich, freuen sich jedoch über eine Spende für die Autowäsche, den Betrieb von zwei Handys und „auch mal für einen gemeinsamen Grillabend“, sagt Bärbel Brück. „Jeder Fahrgast kann einen Obolus geben!“, meint Helmut Venter und schließt die Autotür hinter sich.
Die Telefonzentrale ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 12 Uhr unter Tel. (0151) 22400937 zu erreichen. Fahrten müssen mindestens einen Tag vorher gebucht werden.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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