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Letzter Streifzug
Der Heimat auf der Spur

Britta Hinkers, Bürgermeister Christoph Ewers, Volker Gürke, Kristina Bösch und Schriftsteller Jörn Klare (v. l.) diskutierten nach der Autorenlesung angeregt über den Inhalt des Heimatbegriffs.
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roh Burbach. Im neunten und letzten Streifzug durch die 800-jährige Geschichte Burbachs las Jörn Klare aus seinem Buch „Nach Hause gehen – eine Heimatsuche …“ Wo hat der Burbacher Ende 2019 seine Heimat? In der Whatsapp-Gruppe mit seinen Freunden, im Sportverein, in der Kirchengemeinde, im Heimatverein oder ganz woanders? Ist Heimat für Südsiegerländer etwas Übergreifendes? Ist es eine Wahlheimat, da wo einem alle Lebensmöglichkeiten offenstehen? Sind es die Menschen, bei denen ich mich zu Hause fühle? Oder ist es ein Sehnsuchtsort, der utopisch bleibt, wie es der Philosoph Ernst Bloch ausdrückte: „Es ist ein Land, in dem noch keiner war.“

Das Buch des Berliner Schriftstellers, für das er 2017 den Evangelischen Buchpreis erhielt, hat eine große Aktualität.

roh Burbach. Im neunten und letzten Streifzug durch die 800-jährige Geschichte Burbachs las Jörn Klare aus seinem Buch „Nach Hause gehen – eine Heimatsuche …“ Wo hat der Burbacher Ende 2019 seine Heimat? In der Whatsapp-Gruppe mit seinen Freunden, im Sportverein, in der Kirchengemeinde, im Heimatverein oder ganz woanders? Ist Heimat für Südsiegerländer etwas Übergreifendes? Ist es eine Wahlheimat, da wo einem alle Lebensmöglichkeiten offenstehen? Sind es die Menschen, bei denen ich mich zu Hause fühle? Oder ist es ein Sehnsuchtsort, der utopisch bleibt, wie es der Philosoph Ernst Bloch ausdrückte: „Es ist ein Land, in dem noch keiner war.“

Das Buch des Berliner Schriftstellers, für das er 2017 den Evangelischen Buchpreis erhielt, hat eine große Aktualität. Nicht nur in der Burbacher Kirche, sondern am Montag in der örtlichen Gemeinschaftsschule am Abend auf Einladung des Kirchenkreises und der ev. Kirchengemeinde Kreuztal-Krombach in der Kreuztaler Stadtbibliothek, las Klare aus seinem Werk.

Als Recherche zum Buch wanderte Klare 600 Kilometer von seiner Wohnstadt Berlin bis zu seiner Geburtsstadt Hohenlimburg. Am Burbacher Römer trafen nun Streifzüge durch die Jahrhunderte den Heimweg von der Havel an die Lenne. Die Lesung des Hauptstädters sprang stetig zwischen dem letzten Abschnitt seiner Wanderung von Altena nach Hohenlimburg zu den anderen Etappen durch Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. 32 Tage war Klare der Heimat auf der Spur. „Ich bin kein Berliner!“, gestand sich Klare ein, „auch nach knapp 30 Jahren fehlt mir ein Gefühl von entspannter Selbstverständlichkeit und Aufgehobensein. ... von Heimat eben.“ Und weiter: „Es ging darum, ein Gefühl zu klären. Da helfen weder Theorie noch Algorithmus.“

Der Autor machte sich also auf den Weg der Heimatsuche. Bezog sich Klare auf Hohenlimburg, dann war und ist „Heimat für ihn verortete Erinnerung“. In Tarthun in Sachsen-Anhalt traf er einen fast 80-jährigen Mann für den „Heimat alles ist, ein Ort, wo wir uns ein Leben lang wohlfühlen“. Der Senior fügte noch hinzu: „Heimat kann nur sein, wenn wir gemeinsam miteinander das Leben gestalten und auch genießen“.

Klare zitierte T. S. Eliot: „Heimat ist das, wovon man ausgeht.“ Und später den französischen Widerstandskämpfer Louis Bertrand: „Heimat ist nicht da, wo wir geboren sind, sondern, wo wir begraben werden wollen. Wenn wir älter werden, wird die Welt immer fremder, verworrener das Gefüge, von Totem und Lebendigem.“

Klares Heimweh nach Hohenlimburg stellte sich als Zeitweh heraus. In Altenstadt-Walbecke im Sauerland sei „Heimat da, wo ich angekommen bin, wo ich mich wohlfühle, wo jeder weiß, wie es dem Nachbarn geht“. Weil Klare diese Überschaubarkeit und Enge nicht wollte, hatte er seine Heimat bereits mit 19 Jahren in Richtung Berlin verlassen. Das war für ihn richtig. Aber wie empfinden Burbacher Heimat? Moderator Volker Gürke entwickelte aus Klares Heimatgeschichten eine Gesprächsrunde, in der der Schriftsteller selber bekannte: „Hohenlimburg werde ich als Heimat nicht los. Berlin ist mein Zuhause.“ Die Burbacherin Kristina Bösch stellte fest: „Für mich ist Burbach mein Zuhause. Ich freue mich darauf nach jedem Urlaub. Besonders auf den Wald!“ Britta Hinkers verschlug es vor 15 Jahren aus beruflichen Gründen ihres Mannes nach Wahlbach: „Für mich ist Heimat, da wo man mitgestalten kann.“ Für Bürgermeister Christoph Ewers ist „Kommunalpolitik immer Heimatpolitik“.

Für den wunderbaren musikalischen Rahmen sorgte Sängerin Kerstin Stahl, begleitet von Friedhelm Schneider am Klavier. Die Vorträge wie „On my own“, „Somewhere“ oder „Sometimes“ ließen Heimatgefühle, aber auch ein Mutterseelenalleinsein anklingen und kulminierten im Lied „Heimat“ von Anna Depenbusch, das Friedhelm Schneider nach hundertmaligem Hören in der Woche vor dem neunten Streifzug in Noten goss.

Volker Gürke schloss mit einem Bibelzitat: „,Unsere Heimat ist im Himmel.’ Eine Geborgenheit, die sich unserer Verfügungsgewalt entzieht, wie es auch im Depenbusch- Lied anklingt: ,Nicht wir haben die Heimat, sondern die Heimat hat uns.’“ Der neunte und letzte Streifzug durch die 800-jährige Geschichte Burbachs sollte nicht Schlusspunkt, sondern Doppelpunkt sein. „Wir suchen weiter nach dem, was uns ausmacht“, formulierte Gürke die permanente Aufgabe. Er verwies auf die geplante Dauerausstellung „Gemeinsam Burbach“, die im neuen Begegnungs-, Besucher- und Erlebniszentrum „Alte Vogtei“ (BBEZ) umgesetzt werden soll.

Britta Hinkers, Bürgermeister Christoph Ewers, Volker Gürke, Kristina Bösch und Schriftsteller Jörn Klare (v. l.) diskutierten nach der Autorenlesung angeregt über den Inhalt des Heimatbegriffs.
Der Berliner Jörn Klare las aus seinem Buch „Nach Hause gehen“.
Autor:

Rolf Henrichs (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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