Die Zukunft liegt unter der Erde

Niederdresselndorfer wollen Unterflur-Sammelbehälter künftig auch im Ausland vermarkten

Niederdresselndorf. Der Kleine steht auf Abfall. Flink greifen die Hände des Jungen in den geflochtenen Korb, packen die bunten Bündel Altpapier und lassen sie in dem Schacht verschwinden. Geräuschlos. Der schmale Gesicht auf dem Wertstoff-Platz vor dem Hallenbad am Siegener Löhrtor grinst. Es hat so eben die Zukunft der Entsorgungsbranche verstanden. Sie liegt unter der Erde.

Die Idee ist mittlerweile über zehn Jahre alt. Altglas, Zeitungen, Kartons und Kunststoff-Müll werden oberirdisch getrennt und verschwinden unter unseren Füßen in so genannten Unterflur-Sammelsystemen. Sauber entsorgt in große, bis zu mehreren Tausend Liter fassenden Behältern aus Stahl oder Beton. Umgesetzt hat diese mehrfach preisgekrönte Idee u.a. die H&G Entsorgungssysteme GmbH. »1993 haben wir unser Unternehmen gegründet«, sagt Geschäftsführer Bernd Henrich – als Vertriebstochter des Familienunternehmens Stahlbehälterbau Greis GmbH in Niederdresselndorf. Anlass der Ausgründung von Henrich und Reiner Greis, dem geschäftsführenden Gesellschafter von H&G: Das Fraunhofer Institut in München hatte den Kontakt zur Inhaberin eines Patentes auf solche Unterflur-Sammelbehälter vermittelt. Das Trio wurde handelseinig. »Wir investierten 250000 e und stiegen rasch in die Entwicklung und wenig später in die Fertigung ein«, erklärt Henrich.

Den ersten der Unterflur-Sammelbehälter für Wertstoff-Sammelstellen und damit europaweit die erste Anlage verkauften die Niederdresselndorfer an die Stadt Siegen. Ein Referenzobjekt mit Folgen: Vor allem Kommunen – allerdings in erster Linie in Deutschland – orderten und bestellen, weil sie mit dem Entsorgungssystem Personalaufwand und Kosten reduzieren können. Bis heute hat das heimische Unternehmen rund 1300 Systeme verkauft. Allein sechs davon sind mittlerweile im südwestfälischen Oberzentrum Siegen installiert. Große und kleine Behälter. Mit steten Verbesserungen und technischen Neurungen – sei es die Identitätskontrolle per Chipkarte oder sei es der designorientierte Edelstahlbehälter für die Fußgängerzone. Schöne Stadtbilder statt Schmuddelzonen sind gefragt.

Eine Geschäftsidee also als Glücksfall, wenn auch strategisch gekonnt genutzt? Die Ausgründung war für die Entwicklung des Familienunternehmens Greis »eher eine wirtschaftliche Notwendigkeit«, meint Henrich. Die Unternehmensnachfolge stand damals an, die Gründer Walter Henrich und Günter Greis wollten sich aus dem operativen Alltag zurückziehen. Hinzu kam, dass der Metall-, Behälter- und Kesselbaubetrieb mit aktuell 60 Mitarbeitern und einem Auszubildenden nach einem kurzen Boom in Folge der deutschen Wiedervereinigung im Kerngeschäft schwächelte: Die Mulden und Wechselcontainer aus Niederdresselndorf ließen sich nicht mehr absetzen. Die Stahlbehälterbauer zogen sich nach und nach aus dem angestammten Geschäftsfeld zurück und fertigen heute für ihre eigene Tochterfirma. Im Jahr 2003 erwirtschaftete H&G so 8,3 Mill. e Nettoumsatz. Ein Fünftel davon mit den Unterflursystemen. Der große Rest allerdings wurde und wird mit der Herstellung von so genannten stationären Schneckenpressen aufgebracht, mit denen Kartonagen hoch verdichtet und für die Entsorgung vor- und aufbereitet werden können.

Und das ist gut so. Trotz Investitionen in eine Hallenerweiterung in Höhe von 1,5 Mill. e und trotz neuer Produktlinien, mit denen das Unternehmen neben den Kommunen künftig verstärkt auch Freizeitparks und Fußballstadien mit Unterflursystemen ausrüsten möchte, stagnieren hier die Auftragseingänge. »Der Markt ist verunsichert«, so Henrich enttäuscht. Vor allem Diskussionen um das Dosenpfand und das Duale System Deutschland, die immer wieder das etablierte Wertstoffsammeln in Frage stellen, »führen zum Investitionsstau!«.

Die Schneckenpressen hingegen verkaufen sich prächtig. Allein für Aldi Süd haben die Niederdresselndorfer 600 Anlagen installiert, die leere Kartons und Verpackungsabfälle einfach platt machen. Mit der Expansion seiner Kunden folgt der Betrieb zudem Lidl & Co. konsequent auf dem Weg ins Ausland. Große Projekte in Norwegen und Spanien stehen an, »hier werden wir richtige Stückzahlen absetzen«, davon ist Henrich überzeugt. Seine Hoffnung: Über die neuen Vertriebskanäle ließen sich auch die Unterflursysteme im Ausland vermarkten. Keine schlechte Idee, oder?

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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