Neue Gedenkstätte am Friedhof eingeweiht
Ein Ort der Seelsorge

Künstlerin Mirjam Textor schuf die neue Gedenkstätte am Friedhof aus einem Basaltstein.
  • Künstlerin Mirjam Textor schuf die neue Gedenkstätte am Friedhof aus einem Basaltstein.
  • Foto: Tim Plachner
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

tip Niederdresselndorf. Den Tod eines Kindes kann man nicht verschmerzen. Die Trauer geht niemals weg. Was aber oft irgendwann verschwindet, sind die Ruhestätten. Sind die vorgeschriebenen Ruhezeiten vorbei, werden Gräber – in der Regel spätestens nach 30 Jahren – eingeebnet. Eltern geht damit ein wichtiger Ort für die Trauer verloren. Am Niederdresselndorfer Friedhof wurde diesem Umstand nun Rechnung getragen. Am Montag wurde eine Gedenkstätte eingeweiht.

Entworfen hat sie die Niederdresselndorfer Künstlerin Mirjam Textor. Die Basaltsäule ziert eine Engelsfigur. Sie sitzt in einem Gefäß. Gesichtslos, und doch nicht ohne Ausdruck. Sie strahlt Trost aus. Aus der Wanne heraus verteilt der Engel Sterne. Und Blumen. „Vergiss mein nicht“ – so steht es auch auf einer Messingplatte am Fuß der Säule.

"Das Trauern in Gemeinschaft kann hilfreich sein."
Christoph Ewers
Bürgermeister Burbach

Initiiert worden ist die Gedenkstätte vom CDU Freundeskreis Niederdresselndorf, der auch schon den Kreisel in der Ortsmitte gestalten ließ. Hilfe und tatkräftige Unterstützung gab es vom Heimatverein und den örtlichen Kirchen. Finanziert worden ist die Stätte von der Gemeinde, die Burbacher Firmen mit der Umsetzung beauftragt hatte.

Eltern brauchen Ort für Trauer

Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers lobt die Initiative aus der Bürgerschaft: „Es kommt nicht aus dem Rathaus, sondern aus dem Ort heraus. Das freut mich besonders. Immer wieder ist das Thema an mich herangetragen worden: Lassen sich die Ruhezeiten für verstorbene Kinder irgendwie verlängern? Eltern brauchen einen Ort für ihre Trauer.” Dies laufe völlig konträr zum eigentlichen Trend. Denn vielmehr mehren sich Anfragen nach kürzeren Ruhezeiten: Partner von älteren Verstorbenen können sich oftmals nicht mehr um die Grabpflege kümmern, Kinder wohnen häufig außerhalb der Gemeinde und sind nicht immer greifbar.

Doch die Gedenkstätte soll mehr als ein Andenken an zu früh verstorbene Kinder sein. Sie soll ein Ort der Trauer sein für alle Verstorbenen, die kein Grab mehr haben. Oder vielleicht nie eines hatten. Denn die Bestattungskultur, so Ewers, habe sich gewandelt. Seebestattungen, Friedwalde, Asche, die ausgestreut wird. Heute ist vieles möglich. „Aber manchmal fehlt dann vielleicht ein passender Ort der Einkehr“, so der Bürgermeister.

Ort des Trostes

Für Dietmar Simmert, den Niederdresselndorfer Ortsvorsteher, ist die Gedenkstätte schon jetzt ein „Ort des Innehaltens, ein Ort des Trostes.“ Und auch ein Ort, um da zu sein, wenn das Dasein geendet hat. Vielleicht auch, um füreinander da zu sein. Das würde sich Pfarrer Rainer Heuschneider von der evangelischen Kirchengemeinde wünschen. „Ein Ort der Seelsorge“, nennt er den Platz im oberen Drittel des Friedhofs, von dem man aus ins Grün des Tals blicken kann.

Eine Ruhebank steht hinter der Basalt-stele. Trauernde können hier zusammenkommen, vielleicht ist Zeit für ein Gespräch. „Jeder trauert anders“, sagt Christoph Ewers. „Aber das Trauern in Gemeinschaft kann oft hilfreich sein.“

Die Künstlerin Mirjam Textor will das Werk nicht groß kommentieren, sondern lieber für sich sprechen lassen. Nur so viel: „Dicht am Engel steht eine Kristallkugel. Darin kann sich das Licht fangen. Mit viel Glück, wird man vielleicht auch einen kleinen Regenbogen sehen können.“

Autor:

Tim Plachner

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