„Eine Hand allein schnürt kein Bündel”

Tag für Weltmission und Ökumene und Missionssonntag in Kirchengemeinde Niederdresselndorf

Niederdresselndorf. Unter dem Motto „Eine Hand allein schnürt kein Bündel” fand am vergangenen Sonntag der Siegerländer Tag für Weltmission und Ökumene und gleichzeitig der Missionssonntag der Kirchengemeinde in Niederdresselndorf statt. Im Gottesdienst führte Pfarrer Matthias Elsermann vom Gemeindedienst für Mission und Ökumene – Region Südliches Westfalen eindrücklich vor Augen, dass Gottes Gerechtigkeit sich an der konkreten Lebenssituation eines Menschen orientiert. Gott gibt nicht nach einem abstrakten, unpersönlichen Leistungsprinzip, sondern was individuell zu gelingendem Leben nötig ist. Und er macht Menschen frei, einander wahrzunehmen, und zu suchen, wie Menschen einander gerecht werden können. „Wir haben uns in Deutschland schon viel zu lange eingebildet, Reichtum mache glücklich – statt Gemeinschaft”, wusste Elsermann aus seinen Erlebnissen in Kamerun zu berichten. „Als Christen sind wir fest verbunden mit Schwestern und Brüdern auf allen Kontinenten dieser Erde. Wir stehen auf dem gemeinsamen Weg in der Nachfolge Jesu, Liebe und Gerechtigkeit zu üben.” Als musikalischer Farbtupfer entpuppte sich der Amani-Gospelchor aus Gladenbach unter der Leitung von Lee Cosmas Ndeiy. Dem Chor gelang es schon im Gottesdienst, sich ohne verstärkende Elektronik, dafür aber mit einer erfrischenden Herzlichkeit in die Herzen der Gottesdienstbesucher zu singen. Ein mit charmanter Höflichkeit vorgebrachtes „Bitte beim Mitsingen lächeln” konnte sich Lee Cosmas Ndeiy in Richtung Gottesdienstbesucher nicht verkneifen. Nach dem Gottesdienst konnten die Besucher im Gemeindehaus die Produkte des Fairen Handels kaufen, angeboten vom Eine-Welt-Laden Holzhausen und von dem Frauen-Projekt aus Kibaha, dem Partnerkirchenkreis des Kirchenkreises Siegen in Tansania. Viele Informationen wurden über die Partnerschaftsarbeit des Kirchenkreises gegeben. An verschiedenen Ständen konnte der Weg des Kaffees von der Pflanze bis zum Endverbraucher auf einem Kaffeeparcours verfolgt werden. Ansatzweise ließ sich erahnen, wie beschwerlich die Arbeit auf vielen Kaffeeplantagen ist. Die Verdienste sind zu gering, um Maschinen zu kaufen, die die Arbeit erleichtern. Auf einer Kaffeebörse konnte man Handel treiben. Der Preis des Kaffees verteuerte sich ständig. Nur, die härteste Arbeit wurde am wenigsten entlohnt. Ein angenehmer Duft breitete sich im Untergeschoss des Hauses aus. Hier wurde der Kaffee geröstet und mit der Hand gemahlen. Mit dem Ergebnis ließ sich eine schmackhafte Tasse Kaffee aufbrühen. Matthias Elsermann hat einige Jahre in Kamerun gelebt und konnte der Gemeinde in Niederdresselndorf und den Besuchern aus eigener Erfahrung von den Lebensbedingungen in dem afrikanischen Land erzählen. Dort ist das Überleben nur in einer intakten Familien- und Dorfgemeinschaft möglich. Die Menschen leben, arbeiten und teilen zusammen. Dieses althergebrachte funktionierende System zerbricht allerdings zusehends. Die Kluft zwischen wenigen extrem reichen Menschen in Wirtschaft und Verwaltung und vielen sehr armen Menschen führt zu großen Spannungen. Das Leben in der Kirche in Kamerun ist vielseitig und bunt und vor allem von intensiver Gemeinschaft geprägt. Die Menschen nehmen in der Kirche Verantwortung wahr und die Kirche nimmt Verantwortung für die Menschen wahr. So sind beispielsweise die Kirchenchöre der Treffpunkt schlechthin. Bis zu zehn oder zwölf solcher Chöre gibt es in einer Gemeinde. Sie alle singen jeden Sonntag im Gottesdienst und treffen sich zwei- oder dreimal pro Woche zum Beten, Bibellesen und Singen. Aber auch das soziale Miteinander hat hier seinen Platz. In den kirchlichen Gruppen werden die Geschenke bei Geburten, Taufen, Trauungen oder Beerdigungen festgelegt. Den Menschen ist ihre Kirche wichtig und daher etwas wert. Sie geben viel. Das Einsammeln der Kollekte bei den Erntedankfesten, den wichtigsten Festen im Jahr, kann Stunden dauern. In Deutschland und im Kirchenkreis Siegen kann man von den Christen in Kamerun lernen, was es heißt, als Gemeinde Jesu Gemeinschaft zu leben.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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