Entwischen absolut ausgeschlossen

»Leipziger Pfeffermühle« bot großes politisches Kabarett im Heimhof-Theater

e.h. Wasserscheide. »Sag mir, wovor du fliehst, und ich sag dir, wer du bist. Vor der Verantwortung? Na, das kann nur ein deutscher Beamter sein. Im Zickzack flüchtend – ganz klar: Politiker. Und der Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Flüchtigen? Die Deutschen flüchten mit randgefüllten Containern, während die Ausländer in die Blechbehälter einziehen.« Im Heimhof-Theater Wasserscheide stand am Samstag mit der »Leipziger Pfeffermühle« deutsches Kabarett vom Feinsten auf dem Programm. Unter dem Motto »Entwischen Impossible« beschrieben die drei spitzen Zungen Ute Loeck, Roland Kurzweg und Marco Schiedt die kleinen und großen Flüchtigen und »Mittreibenden«, die »Sitzenbleiber« und die »Quertreiber«.

Und dabei war eins sicher: Dass eben nichts vor ihnen sicher war. Ob es nun um das Erkennungsmerkmal der Grünen, das »Fischernetz« und den Jutebeutel, oder doch eher den »Schleimbeutel« der FDP ging, um die alles entscheidenden Fragen, was passiert wäre, wenn die Weihnachtsgeschichte nur ein klein wenig anders verlaufen und Jesus zum Atheisten erzogen worden wäre, oder ob Gerhard Schröders sonniges Dauerlächeln nun implantiert oder doch durch kleine Muntermacher herbeigezaubert wurde. Musikalisch begleitet und unterstützt wurden die satirischen und ironisierenden Seitenhiebe auf Politik, Kultur und Gesellschaft von Hartmut Schwarze am Klavier und Steffan Reichelt am Schlagzeug. Die Leipziger Kabarettisten boten einen intelligenten, witzigen und bissigen Streifzug durch die großen und kleinen Unvorstellbarkeiten unserer Gesellschaft, wovon auch das Publikum nicht verschont blieb und das zuweilen den Spiegel vorgehalten bekam. Wovor möchten die Deutschen heute fliehen und, vor allem, wohin? Das war die große Frage des Abends. Das Publikum des Heimhof-Theaters fühlte sich jedenfalls gut unterhalten, ob sich der eine oder andere in den neuen und alten Fluchtgedanken nun wiederfand oder nicht. Eben großes politisches Kabarett. Und bei allem Rein, Raus, Weggehen oder (Sitzen-)Bleiben, stand am Ende doch mit einem Augenzwinkern der Wunsch nach einem Ort der Stille.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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