Seine Familie pflegt die Beziehung zu den englischen "Arbeitgebern" bis heute
Erich Jung: Vom Kriegsgefangenen zum Freund

Der kriegsgefangene Erich Jung aus Wahlbach mit Mrs. Prearce und deren Tochter Josephine: Auf der Farm der Familie Pearce war Jung als Arbeitskraft eingesetzt.
4Bilder
  • Der kriegsgefangene Erich Jung aus Wahlbach mit Mrs. Prearce und deren Tochter Josephine: Auf der Farm der Familie Pearce war Jung als Arbeitskraft eingesetzt.
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

sz - Gegen die Anordnung:Die deutschen Kriegsgefangenen durften am Familientisch der Pearces mitessen.

sz Constantine / Wahlbach.   Die nachstehende Geschichte beschreibt das Leben unseres Vaters Erich und seines Freundes Joseph in englischer Gefangenschaft; sie wurde niedergeschrieben in einer Chronik der englischen Gemeinde Constantine, Cornwall, schreibt Achim Jung.
1946 begann eine etwas ungewöhnliche Freundschaft zwischen einer einheimischen Farmerfamilie und zwei deutschen Familien. Erich Jung und Joseph Burkhard waren zwei junge deutsche Kriegsgefangene, die zur Arbeit auf der Trevaney Farm, High Cross, die Heimat der Pearce Familien, untergebracht waren. Beide waren um die 20 und Soldaten der Wehrmacht. Als der Krieg zu Ende ging, war Joseph, der Wachmann einer U-Boot-Basis in St. Nazaire war, mit der deutschen Armee aus Frankreich zurückgekommen. Wahrscheinlich hatte er seine Waffen weggeworfen und war zu seinem Bauernhof in Bayern zurückgekehrt. Er wurde später von der amerikanischen Armee in Deutschland als deutscher Soldat gefangen genommen.
Erich, der im Osten gekämpft hatte, war einer der ganz Wenigen, die überlebt haben. Er wurde von den Russen gefangen genommen und glücklicherweise später den Amerikanern übergeben, als diese die Gegend, in welcher er festgehalten wurde, besetzten.
Beide wurden per Schiff nach Amerika verfrachtet, wo sie als Gefangene in Montana und Kalifornien arbeiten mussten. 1946 wurde ihnen zugesagt, nach Deutschland zurückkehren zu können, aber sie wurden nach England verbracht, wo sie weitere zwei Jahre verbringen mussten. Erich war in einem Gefangenenlager in Helston untergebracht, wo heute das Nanloe Monor Hotel ist. Er war dort auf einer Farm in Coverack. Später kam er ins Kriegsgefangenenlager nach Mylor, wo er zum ersten Mal Joseph traf.
Joseph war auf einer Farm in einer Gegend untergebracht, wo man extrem anti-deutsch war. Er hatte es auf verschiedenen Wegen fertig gebracht, den Bauern davon zu überzeugen, dass er nichts von Farmarbeit verstünde, einschließlich das Pferd rückwärts in den Wagen zu leiten, worauf der Bauer ihn als Farmarbeiter abgelehnt hatte.
1946 wandte sich der Farmer Manfred Pearce an das War Ag, das War Agricultural Executive Committee, das sich um Hilfe für Bauern kümmerte, um die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern, zwei Kriegsgefangene als Farmarbeiter zu beschäftigen. Eines Morgens um 8.30 Uhr wurden dann Erich und Joseph mit einem Lkw nach High-Cross gebracht, von wo sie um 16.30 Uhr wieder eingesammelt wurden. Die Arbeit begann damit, dass Wasser für die Farm in einen großen Vorratstank gepumpt werden musste. Anschließend gab es Frühstück. Im Laufe des Tages schnitten sie Hecken, droschen Korn, hüteten Tiere und halfen bei der Ernte, freuten sich mit Vorliebe auf die Ankunft des Mähdreschers und die Eingebundenheit in der großen Farmergesellschaft.

Einladung an den Tisch im Farmhaus

Das Essen wurde vom Camp zur Verfügung gestellt und bestand aus zwei dicken Scheiben Brot mit einer „schmierigen Art von roter Sauce“ dazwischen. So wanderte dieses Essen überwiegend zu den Schweinen auf dem Bauernhof, und die beiden wurden von der Familie zum Essen eingeladen. Wie auch immer, dies musste geheim bleiben, weil die Offiziellen des Camps es nicht erlaubten.
Obwohl der Krieg bereits einige Zeit vorüber war, trugen die deutschen Gefangenen blaue Gefangenenuniform mit farbigen Flicken, um sie zu identifizieren. Verbrüderung war nicht erlaubt, denn das wurde von einigen Einheimischen mit Skepsis beobachtet.
Erich wurde als ein talentierter Fußballer entdeckt, als er bei Spielen im Camp beobachtet wurde. Er wurde angeworben, für Helston zu spielen, und man bot ihm eine halbe Krone die Woche und als Zugabe eine Portion Fish and Chips. Er wurde aufgefordert, nicht zu reden, damit die gegnerische Mannschaft ihn nicht als Deutschen erkennen konnte. Offiziell bekam er für samstags einen Teilzeitjob als Gärtner, was seine Abwesenheit vom Camp erklärte, von wo er abgeholt und wieder hingebracht wurde.

Freundschaft entwickelte sich

Über die ganzen zwei Jahre in ihrem Gefangenendasein entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft zwischen den Familien. Wenige Wochen vor Weihnachten 1947 fragten Erich und Joseph, ob sie einige Sackleinen von der Farm mit ins Camp nehmen könnten. Der Grund hierfür wurde an Weihnachten deutlich, als Rose und Manfred Pearce Hausschuhe aus Sackleinen geschenkt wurden: Diese hatten die beiden im Camp gemacht, zusammen mit einem hölzernen Dackel und einem Krokodil, welche die beiden aus Holzabfällen für die Tochter der Farmer gebastelt hatten.
Erich und Joseph wurden 1948 mit dem Schiff zurück nach Deutschland gebracht, fast vier Jahre nach ihrer Gefangennahme. Beide erinnern sich mit großer Vorliebe an ihre Zeit in Constantine und sind mit ihren Familien zu verschiedenen Besuchen zurückgekehrt.
Die hier zitierten Besuche begannen 1973, nachdem sich Josephine Pearce, die Tochter der Farmer-Familie, bei Erich gemeldet hatte. Bei ihrem ersten Besuch in England im Jahr 1973 befand sich Manfred Pearce wegen einer schweren Erkrankung im Krankenhaus. Erich und Joseph hatten dennoch die Gelegenheit, ihn zu besuchen und ihm zu danken. Wenige Monate danach ist er gestorben. Rose Pearce wurde 105 Jahre alt und wurde oft von den beiden und ihren Familien besucht. Sie selbst war auch in Deutschland zu Besuch und war begeistert, dass sie wie bei einem königlichen Besuch behandelt wurde, besonders von Erichs Mutter, die ihr dankte, dass sie sich um ihren Sohn in dieser besonderen Weise gekümmert hatte.
Die Freundschaft zwischen Joseph und unserem Vater bestand bis zu deren Tod. Die Freundschaft zu den Familien der beiden Farmer-Kinder Josephine und Alan besteht fort. Viele gegenseitige Besuche haben stattgefunden.
Bis zu seinem Tod hat sich unser Vater, fügt Achim Jung dem Bericht der englischen Chronik an, immer wieder gern an die Zeit in Cornwall erinnert und war der Familie Pearce dankbar, dass Joseph und er nicht als Kriegsgefangene, sondern als Bestandteil der Familie behandelt wurden. Achim Jung

Autor:

Redaktion Kultur

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen