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Fassade der Alten Vogtei wird saniert (Galerie)
Fach(werk)männer in Aktion

Die Zimmermeister und geprüften Restauratoren im Zimmerhandwerk Philipp Roth (l.) und Pascal Sahm verantworten die denkmalgerechte Sanierung der Alten Vogtei. Innen wie außen gibt es in den kommenden eineinhalb Jahren noch jede Menge zu tun.
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  • Die Zimmermeister und geprüften Restauratoren im Zimmerhandwerk Philipp Roth (l.) und Pascal Sahm verantworten die denkmalgerechte Sanierung der Alten Vogtei. Innen wie außen gibt es in den kommenden eineinhalb Jahren noch jede Menge zu tun.
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tile Burbach. Pascal Sahm und Philipp Roth nehmen den westlichen Eckpfosten der Alten Vogtei unter die Lupe. Die beiden Zimmermeister und geprüfte Restauratoren im Zimmerhandwerk stehen vor einer Grundsatzentscheidung: auswechseln oder „gesundschneiden“? Der vier Meter hohe und 1,5 Tonnen schwere Koloss weist große Schäden auf, erklären die Handwerker Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers, Baudezernent Thomas Leyener und Volker Gürke, Vorsitzender des Heimatvereins „Alte Vogtei“ bei der Inspektion der Baustelle. Die Suche nach einem ähnlichen Eichebalken von 55 x 50 Zentimetern Breite und Tiefe zu finden, blieb bisher erfolglos.

tile Burbach. Pascal Sahm und Philipp Roth nehmen den westlichen Eckpfosten der Alten Vogtei unter die Lupe. Die beiden Zimmermeister und geprüfte Restauratoren im Zimmerhandwerk stehen vor einer Grundsatzentscheidung: auswechseln oder „gesundschneiden“? Der vier Meter hohe und 1,5 Tonnen schwere Koloss weist große Schäden auf, erklären die Handwerker Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers, Baudezernent Thomas Leyener und Volker Gürke, Vorsitzender des Heimatvereins „Alte Vogtei“ bei der Inspektion der Baustelle. Die Suche nach einem ähnlichen Eichebalken von 55 x 50 Zentimetern Breite und Tiefe zu finden, blieb bisher erfolglos.

Spätestens in zwei Monaten muss Ersatz gefunden sein, sollen die Arbeiten an der Fassade wie geplant bis Jahresende abgeschlossen sein – sonst gehen Fördermittel verloren. Die Alternative: Schadhafte Teile herauszuschneiden und mit passgenau angefertigten Stücken fast fugenlos ausbessern – Zimmerer nennen dieses Verfahren „Anschuhen“.

320 Jahre altes Gebäude

Seit einigen Wochen arbeiten Pascal Sahm und seine Mitarbeiter nun schon an der nord-westlichen Giebelseite des rund 320 Jahre alten Gebäudes. Die ältesten Holzbalken wurden auf 1698/99 datiert. Die Burbacher Ewald Sahm GmbH hat im Juni den Auftrag sowohl zur denkmalgeschützten Sanierung der Fassade als auch des Innenbereichs erhalten. Bis auf den Eckpfosten ist das Ständerwerk der „Wetterseite“ soweit fertig. Wegen seiner Ausrichtung sei dies diejenige Fassade, an der die meisten Schäden zu beheben seien, die anderen drei Seiten seien in einem besseren Zustand, so der Zimmermeister.

Aufwändiger Denkmal- und Brandschutz

Nachdem das Wuppertaler Planungsbüro Team 51,5° Architekten Ende 2016 den ausgeschriebenen Werkstattverfahren gewonnen hatte, schloss sich ein langer und aufwendiger Abstimmungsprozess wegen des Denkmal- und Brandschutzes an. Zwar wurden vor über zwei Jahren bereits die diffusionsdichte Farbe mittels Sandstrahlverfahren behutsam entfernt und das Gebäude inzwischen komplett entkernt, die weiteren aufbauenden Arbeiten aber ließen lange auf sich warten. Bis jetzt.
Die Handwerker arbeiten sich vom Erd- zum Dachgeschoss hoch. Je höher sie kommen, umso intakter ist die Bausubstanz, sprich: die Pfosten (vertikal) und Riegel (horizontal) des Fachwerks.

Original Lehmgefache

Eine Schadenskartierung von 2014 dient ihnen als Vorlage. Marodes Holz, ob Stücke oder ganze Balken, müssen ausgetauscht werden. Nachdem die Gefache, die auf dieser Giebelseite noch aus ursprünglichem Lehm bestand, entfernt worden waren, wurden hier und da weitere Schäden sichtbar. Auch Bausünden der Fassadensanierung von 1982 kamen ans Licht: Etwa 200 Metalwinkel allein auf der Wetterseite, die wegen der Gerbsäure im Eichenholz zum Teil stark angegriffen sind. An anderer Stelle wurde mit Bimsstein gemauert.

„Hier wird etwas gebaut, das Jahrhunderte überdauern wird.“
(Bürgermeister Christoph Ewers)

Neben den genannten Anschuhungen mussten vor allem im ersten Obergeschoss einige Pfosten und Riegel ausgewechselt werden. Darunter auch der lange Rähm, also der obere waagerechte Abschluss der Fachwerkwand (Geschosstrennung). Dazu musste die Fassade entsprechend abgestützt werden. Soweit möglich wurden Eichenholznägel oder Zapfen für die Verbindungen verwendet. Die eingesetzten rostfreien Edelstahlschrauben lassen sich nahezu an einer Hand abzählen. Am aufwendigsten, verrät Philipp Roth, seien die geschwungenen Deckenbalkenköpfe gewesen, die nach außen hin sichtbar vor die eigentlichen Enden der inneren Deckenbalken gesetzt werden.

Reduziert und fokussiert

Balken werden wieder ochsenblutrot

Jetzt also geht es an die anderen Fassaden. Am Ende werden die Gefache wieder mit Lehmziegel und Lehmputz gefüllt. Im Inneren erfolgt dann (viel) später ein weiterer Wandaufbau. Die Holzbalken werden einen vierlagigen Leinölanstrich erhalten, die erste Schicht noch farblos, die drei folgenden mit Pigmenten. Am Ende soll das Holz die alte „ochsenblutrote“ Farbe haben.

Handwerker von dazumal echte Experten

Ihre handwerklichen „Ahnen“ hätten schon sehr genau gewusst, was sie taten, sagt Philipp Roth im Hinblick auf das Ständerwerk. „Vielleicht sogar mehr als wir heute.“ Allerdings neigten sie zur Überdimensionierung, ergänzt Pascal Sahm. So hätte statt des besagten imposanten Eckpfostens aus statischer Sicht wohl ein Balken von 16 x 16 Zentimetern ausgereicht. Trotzdem: Man lerne bei jedem Fachwerk neu dazu, bewundern die jungen Männer das Wissen und die Handwerkskunst der Zimmerleute von dazumal. „Beeindruckend“, findet auch Christoph Ewers sowohl die Leistung der einstigen also auch der aktuellen Handwerker. „Hier wird etwas gebaut, das Jahrhunderte überdauern wird.“

Ende 2021 soll alles fertig sein

Wie viel Arbeit des Gesamtprojekts jetzt abgeschlossen ist, lässt sich nicht seriös sagen. Klar ist nur, der Anfang ist gemacht. Und der Zeitplan bleibt ambitioniert. Bis Ende 2021, so die Hoffnung von Gemeinde als Eigentümerin und des Heimatvereins, sollen die Arbeiten größtenteils abgeschlossen sein. Das inhaltliche Konzept des künftigen Besucher-, Begegnungs- und Erlebniszentrums (BBEZ), zu dem auf Zehntscheune und alter Backes gehören, wird parallel weiter ausgearbeitet. Voraussichtlich im September wird die Gemeinde Baustellenführungen für Interessierte anbieten, die sich ein Bild vom Fortschritt der neuen Alten Vogtei machen wollen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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