Fast so schön wie Ahlbeck

Ansteckend heiter: das Singspiel »Im weißen Rössl«

sz Niederdresselndorf. Wie in einem Taubenschlag geht es zu im »Weißen Rössl«, dem ersten Haus in St. Wolfgang am See. Hier trifft sich das reisende Volk. Vom schönen Sigismund bis zum Trikotagen-Fabrikanten, vom sparsamen Gelehrten bis zur Majestät, dem Kaiser, persönlich. Hier ist alles inklusive. Die Sonne, der Regen und die Liebe mit all ihren Verwicklungen. Dass auch Frau Wirtin den Überblick verliert, versteht sich von selbst. Weiß sie doch nicht, wer ihr, wem sie den Kopf verdreht. Doch letztendlich steht im »Weißen Rössl am Wolfgangsee« immer das »Glück vor der Tür«, und selbst für den grantigen Berliner wird die »ganze Welt himmelblau«.

Ansteckend heiter – so kam das Singspiel in drei Akten »Im weißen Rössl« am Freitagabend über die Bühne der Hickengrundhalle in Niederdresselndorf. Vorgestellt vom insgesamt sehr jungen, munteren Ensemble des fränkisch-schwäbischen Städtetheaters Dinkelsbühl, das dieses zeitlose Stück (Uraufführung war am 8. Oktober 1930 im Großen Schauspielhaus Berlin) von der Freilichtfassung des Dinkelsbühler Sommertheaters im Dezember ins Theater holte und die Produktion jetzt auch im Land anbietet. In einer Inszenierung, die auf die Macht der Musik von Ralph Benatzky setzt, pfiffige Choreografien einbindet und in sämtlichen Rollen parademäßig besetzt ist.

Neben Tina-Nicole Kaiser als Wirtin Josepha und Regisseur Christian Alexander Schnell als nonchalantem Zahlkellner bestach hier vor allem Horst Pinnow, der das Berliner Original Wilhelm Giesecke mit pointenreicher Komik gab. »Der Müggelsee is’ mir lieba«, grantelte er, wandelte sich aber im Fortgang der Geschichte zunächst optisch (mit Lederhose und Wadenwärmer) und dann auch innerlich: »Im Salzkammergut da kann ’mer gut lustig sein«, schuhplattlerte der Fabrikant – und hatte dabei beinahe so viel Spaß wie »in Ahlbeck«. Mannn!!!

Sparsam, aber wirkungsvoll umrahmte die Kulisse das heitere Spiel. Schwarzweiß gefleckte Berge, rotweiß gestreifter Badepavillon, ein weißer Dampfer auf blauem Tuch ließen der eigenen Fantasie genügend Raum, ein eigenes Bild von »Rössl« und See zu entwerfen. Ein kleines Kammerorchester lieferte die Musik zu all den bekannten Melodien, die zum Mitsummen, -singen, -klatschen ermunterten. »Es muss was Wunderbares sein«, »Was kann der Sigismund dafür«, »Mein Liebeslied muss ein Walzer sein«, »S’ist einmal im Leben so« – Lieder, die zum »Weißen Rössl« gehören wie die Portion Schmäh, das fesche Zimmermädchen und der dummdreiste Piccolo. Leider, leider hatten sich im Saal selbst zu wenige Gäste eingefunden; diese Inszenierung hätte mehr Publikum verdient.

ciu

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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