Goldene Zeiten des Anfangs

Kulturkreis um die Wasserscheide steht nach 55 Jahren vor Auflösung / Vorentscheid heute

ciu Würgendorf. Am Anfang stand ein Mensch und seine Idee. Robert Auchter lud »interessierte Kreise zu einer unverbindlichen Besprechung am 20.9.1951 – 20 Uhr – in das Hotel Wasserscheide in Würgendorf« ein. Laut Protokoll »von dem Bestreben geleitet, kulturelle Errungenschaften zu pflegen und zu fördern und dieses wertvolle Gut allen Bevölkerungskreisen zugänglich zu machen«.

Der Kulturkreis um die Wasserscheide war geboren (die Gründungsversammlung fand rund einen Monat später statt), und er fand alsbald ein Zuhause im »Heimhof« der Dynamit-AG, die sich bereit erklärte, einen Teil des Gebäudes zum Theater umzubauen. Bereits am 20. November jenes Jahres wurde der »Heimhofsaal« (der erst 1955, nach einem Großbrand, zum Heimhof-Theater wurde) bespielt: mit Goldonis »Diener zweier Herren«. Zwei Wochen später gab es ein erstes Konzert auf der jungen Bühne.

Es herrschte Aufbruchstimmung im Dreiländereck und es folgten goldene kulturelle Jahre, die sich nicht nur, aber auch in Namen äußern. Zu Gast beim Kulturkreis um die Wasserscheide waren Autoren wie Eugen Roth (1952; der den Kulturkreis in seinen »Erinnerungen eines Vergesslichen« verewigte), Karl Heinrich Waggerl (1960/65), Werner Bergengruen (1964), Max von der Grün, Uwe Johnson (beide 1970)... Es gab Konzerte des Münchner Kammerorchesters, der Pianistin Elly Ney, des Siegerland-Orchesters (unter Rolf Agop); Schauspieler und Schauspielerinnen wie Horst Tappert, Inge Meysel, Götz George, Loni von Friedl, Ingrid van Bergen, Ellen Schwiers, Heinz Drache... spielten im Heimhof bzw. in der Stadthalle Haiger; und in den frühen Jahren fanden Vorträge (zum Beispiel von Prof. Bernhard Grzimek) ein großes Publikum.

Zählten die Stadt Haiger und die Gemeinde Burbach zu den Gründungsmitgliedern des Kulturkreises um die Wasserscheide, schlossen sich die Gemeinden Neunkirchen und Wilnsdorf 1978 dem Kulturkreis um die Wasserscheide mit eigenen Spielstätten an. Prägend war über drei Jahrzehnte hinweg Robert Auchter (1910–1985), Gründer und bis Ende 1984 auch Vorsitzender des Kulturkreises. Er war als leitender Oberingenieur maßgeblich am Aufbau von Dynamit Nobel in Würgendorf beteiligt; sein Lebenswerk freilich war der Kulturkreis um die Wasserscheide, er schrieb (wie die SZ im Jahr des 50-jährigen Bestehens, 2001, titelte) »Erfolgsgeschichte in der Provinz«. Die Vorsitzenden nach Auchter waren Dr. Ulf Richter (1985–2000), Wolfgang Kasper (2000–2004) und Petra Thielmann (ab 2004).

In den letzten Jahren wurde es unruhiger im Kulturkreis um die Wasserscheide. Da gab es Vorwürfe, Vorsitzender Wolfgang Kasper sei im Zusammenhang mit der 50-Jahr-Feier zu selbstständig mit den Finanzen umgegangen; die Geschäftsstelle in der Alten Vogtei, jahrzehntelang mit Helga Paul besetzt, wurde (weil offenbar nicht mehr notwendig) geschlossen. Vor rund einem Jahr schrieb dann das Heimhof-Theater negative Schlagzeilen: Im Zuge eines Wasserschadens wurde klar, dass auch die elektronischen Anlagen und die Entlüftung erneuert werden müssten. Das Haus wurde geschlossen; das vorläufige Aus für die traditionsreiche Spielstätte des Kulturkreises.

Die Dynamit Nobel GmbH, die stets für die Betriebssicherheit eingestanden war, gab das gesamte Heimhofgelände zum Verkauf frei. Martin Betz (Holzhausen) erwarb das Areal mit dem Ziel, um- und auszubauen. Inzwischen steht das Heimhof-Theater unter Denkmalschutz; der neu gegründete Förderverein will das Haus künftig bespielen.

Heute nun sollen die Mitglieder des Kulturkreises um die Wasserscheide über die Zukunft des Kulturvereins im Dreiländereck entscheiden. Um 19 Uhr beginnt im Hotel Windeck auf der Wasserscheide die Jahreshauptversammlung, auf der auch die Auflösung des Vereins zur Debatte steht (die SZ berichtete). Wenn mindestens dreiviertel der anwesenden Mitglieder für das Ende des Kulturkreises um die Wasserscheide votieren, steht die Auflösung des Vereins satzungsgemäß 14 Tage später, am 13. September, zum Beschluss. Auch hier wird eine Dreiviertelmehrheit vonnöten sein.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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