Heinz Lehmann liebt die »Mäuschen«

Drei Fiat Topolino halten ihn auf Trab:

Niederdresselndorfer seit 50 Jahren Kfz-Meister/Kombi-Oldtimer soll 2007 wieder rollen

dibi Niederdresselndorf. Heinz Lehmann dreht den Zündschlüssel um. Ein kräftiger Druck auf den Anlasserknopf – und schon brabbelt der Fiat-Motor unter der Haube seines Topolinos (zu deutsch: Mäuschen) in sonorem Ton los. 16,5 Pferdestärken kitzelten die Italiener einst aus dem nur 586 ccm großen Vierzylinder des 1952 vom Band gelaufenen Fiats heraus. Genug, um mit dem roten Flitzer problemlos von München über die Alpen in die Heimat des »Mäuschens« zu fahren. Denn diese Tour hat der 83-jährige u.a. unter die schmalen Räder genommen, seit er vor einem Jahrzehnt in mühevoller Detailarbeit dem 1991 aus Sizilien erworbenen Oldtimer wieder das Laufen gelernt hat. Zahlreiche Oldtimertreffen hat er seither besucht. Und neben Pokalen für den ältesten Teilnehmer stets auch Bewunderung für seinen chromblitzenden Oldtimer geerntet. »Sogar die Dressurweltmeisterin Isabelle Werth hat schon in meinem Auto gesessen und es bewundert«, erinnert er sich gerne an das Gespräch mit der sympathischen Reiterin.

Bis aufs nackte Blech abgespeckt

Heinz Lehmann, selbst »Baujahr« 1922, versteht bis heute sein Handwerk. Obwohl ihn die Gesundheit in den letzten Jahren mehrmals »ausbremste« und zu ungeplanten »Reparaturen« zwang, lässt er beim Gang durch seine Werkstatt keinen Zweifel daran, dass er hier gerne noch einige Träume verwirklichen möchte. Zwei bis aufs nackte Blech abgespeckte Topolinos warten auf den Wiederaufbau: Eine Urversion mit den frei stehenden Lampen, die dem »Mäuschen« einst seinen Namen gaben, und ein Kombi.

»Hier überhole ich gerade einen Motor«, zeigt Heinz Lehmann stolz dem SZ-Redakteur Kurbelwelle, Pleuel und Kolben. An den alten Schätzchen kann der gebürtige Berliner zeigen, was er in seiner Jugend lernte und vor genau 50 Jahren, am 24. April, mit der Aushändigung des Meisterbriefes bestätigt bekam.

Der gebürtige Berliner hat Benzin im Blut

Benzin im Blut hatte der junge Lehmann schon von der Wiege an. »Mein Vater führte seit 1922 bereits eine eigene Autowerkstatt für Adler und DKW und eine Tankstelle in Berlin-Hennigsdorf,« erinnerte sich der Senior jetzt im Gespräch mit der SZ. Und dennoch erlernte er zunächst den Beruf des Maschinenschlossers bei AEG. Dann fühlte er sich aber doch mehr zu den damals noch wohl gerundeten Automobilen hingezogen, schloss eine weitere Lehre als Autoschlosser an. Auch nach fünf Jahrzehnten ist ihm jeder Augenblick des Tages der Meisterprüfung in Erinnerung. Mit dem Motorrad, das Prüfungsstück auf dem Gepäckträger, sei er frühmorgens nach Potsdam gefahren. Der Meistertitel wurde anschließend gefeiert. Und bei der nächtlichen Heimfahrt habe er auch noch einen Plattfuß am Motorrad erlitten. Mit luftleerem Pneu sei er nach Hause gezuckelt. Zweiräder bildeten zunächst auch die Basis für den Jungunternehmer: »Nach dem Kriege hatte kaum jemand ein Auto. Ich startete mit einer Vertretung für IFA, DKW und Motorroller in die Selbstständigkeit.«

Seit 44 Jahren Fiat-Partner

Via Hamburg und Rheinland gelangte Heinz Lehmann nach seiner Flucht aus der DDR 1967 in den Hickengrund. Und blieb auch dort bis heute der Marke Fiat treu. Seit 44 Jahren ist der Familienbetrieb, den seit einem Jahrzehnt sein Sohn Helmut führt, Partner der italienischen Autobauer.

Doch das Arbeitsleben der Familie Lehmann – Ehefrau Ilse kümmerte sich viele Jahre ums Büro – war nicht nur von glücklichen Stunden geprägt. Der schwärzeste Tag fiel ausgerechnet ins Jahr des 25-jährigen Firmen-Jubiläums. Die Kfz-Werkstatt wurde 1992 ein Raub der Flammen, als das angrenzende Sägewerk niederbrannte. Nicht nur, dass neben mehreren Wagen auch ein zweiter Topolino verbrannte. Es dauerte eineinhalb Jahre, bis man endlich mit dem Wiederaufbau der Werkstatt beginnen konnte.

Nach kurzer Pause richtet der Seniorchef den Blick in die Zukunft: »Wenn es die Gesundheit zulässt, dann will ich den Topolino-Kombi bis zum September 2007 fertig haben. Dann rufe ich Sie zu unserer Diamantenen Hochzeit wieder für einen Fototermin an...«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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