„Im Epizentrum des Niederwaldes“

Gespannt verfolgten die Tagungsteilnehmer gestern die zahlreichen Vorträge rund um das Thema Niederwald im Burbacher Bürgerhaus.  Foto: dibi
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dibi Burbach. „Die traditionelle Nutzung im Rahmen der Haubergswirtschaft durch ortsansässige Genossenschaften scheint unter Berücksichtigung aller Aspekte auch weiterhin in unserer Region die wirtschaftlich sinnvollste zu sein.“ Auf diesen Nenner brachte gestern Dr. Rainer Joosten, Referent des NRW-Umweltministeriums, im Gespräch mit der Siegener Zeitung das Ergebnis einer neuen Machbarkeitsstudie bezüglich Energieholz aus Niederwäldern. Deren Verfasser, Prof. Dr. Heribert Jacke von der Universität Göttingen, war gestern einer der Referenten einer landesweiten Fachtagung im Burbacher Bürgerhaus. Rund 60 Teilnehmer (Naturschützer, Waldbesitzer und Forstexperten) waren der Einladung der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW gefolgt. Sie richtete gemeinsam mit den Biologischen Stationen Oberberg und Siegen-Wittgenstein, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und dem Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein die Tagung aus.

Landrat Paul Breuer begrüßte die Gäste in „Burbach, dem Epizentrum des Niederwaldes“. Siegen-Wittgenstein sei auch nach Kyrill mit 70 Prozent Waldanteil immer noch die waldreichste Region Deutschlands und speziell das Siegerland eine Vorzeigeregion in Sachen Niederwald. Von den rund 10 200 ha Niederwald (14 Prozent der Kreisfläche) würden aktuell etwa 2700 ha von den 200 Waldgenossenschaften mit 15 000 Anteilseignern genutzt. Etwa 30 000 Festmeter Eiche und Birke würden im Jahr eingeschlagen. Dies entspreche der Heizleistung von rund 7 Mill. Litern Heizöl. Die traditionelle Bewirtschaftung sei in der Bevölkerung tief verwurzelt. Das gerade in den letzten Jahren wieder richtig aufgekommene „Brennholzfieber“ sei auch eine wichtige dörfliche Tradition.

Angesichts der intensiven Nutzung sei er aber skeptisch, was die zusätzliche Verwendung angehe. Für den Versuch, weitere Potenziale zu nutzen, sei er aber offen.

Bürgermeister Christoph Ewers hätte zu dem „spannenden Thema“, das ihm während seiner Tätigkeit im Forstamt besonders am Herzen lag, am liebsten einen vertiefenden Vortrag gehalten. Doch als Gast beschränkte er sich in seinem Grußwort auf einige Angaben zur Gemeinde Burbach. Die kann einen Waldanteil von 65 Prozent vorweisen, die Hälfte davon ist Laubholz. Die Forstwirtschaft hat eine große Bedeutung, bis zu 20 Prozent des genutzten Holzes wird als Energieholz verwendet. Im Ort Lippe aktuell so intensiv, dass das RWE laut Ewers vorläufig davon abgesehen habe, den Ort ans Gasnetz anzubinden.

Die Tagung begann mit einem Vortrag des Historikers Dr. Bernward Selter zur kulturhistorischen Bedeutung der Niederwälder in Südwestfalen. Deren Wert für die biologische Vielfalt beleuchtete Peter Fasel (Biologische Station Siegen-Wittgenstein) bevor Prof. Dr. Heribert Jacke seine Machbarkeitsstudie vorstellte.Gedanken aus forstwirtschaftlicher Sicht machte sich Helmut Ahlborn vom heimischen Regionalforstamt. Sein Fazit: „Ein Teil des heimischen Forstes wird weiterhin als Niederwald bewirtschaftet.“ Eine größere Ausweitung hänge sehr von den künftigen Rahmenbedingungen (Stichworte: Ölpreis, Feinstaub, Feuerstättenverordnung) ab. Ohne öffentliche Fördermittel sehe er keine intensivere Nutzung, die ohnehin nie ohne Zustimmung der Waldbesitzer erfolgen werde.Eine industrielle Ernte, so erklärte der für den „Biomasseaktionsplan stoffliche und energetische Holzverwendung“ zuständige Dr. Rainer Joosten im SZ-Gespräch, werde sich hierzulande nicht lohnen. Die Bäume seien zu dünn, die Stückmasse zu gering. Auch müssten die Stöcke per Hand nachgearbeitet werden. Das sei zu teuer. Weil die Haubergsfläche insgesamt stetig abnehme, suche man nach neuen technischen Möglichkeiten für eine Renaissance der Hauberge. Da der Boom des Energieholzmarktes sehr interessant sei, erwartete er sich von der gestrigen Tagung „neue Ideen, um den Hauberg weiter nach vorne zu bringen“.Man wagte auch den Blick über den Zaun nach Rheinland-Pfalz. Christian Suchomel (Uni Freiburg) berichtete über Zwischenergebnisse der Niederwaldstudie Rheinland-Pfalz aus forsttechnischer Sicht. Vorträge zur Nutzung von Waldrändern als stille Brennholzreserve (Dr. Heinz Gockel/Landesbetreib Wald und Holz NRW) und die Anreicherung von Forstkulturen mit Energiehölzern und Energievorwäldern (Dr. Rüdiger Unseld/Uni Freiburg) rundeten das Programm ab.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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