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Gerhard Gläser auf Spurensuche
Indiana Jones im Buchhellertal

Penibel dokumentiert Gerhard Gläser seine Funde, u.a. mit GPS-Koordinaten – auch den Ort, an dem Otto Krasa den Standort einer vermeintlichen Schutzhütte erkannte.
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  • Penibel dokumentiert Gerhard Gläser seine Funde, u.a. mit GPS-Koordinaten – auch den Ort, an dem Otto Krasa den Standort einer vermeintlichen Schutzhütte erkannte.
  • Foto: Tim Lehmann
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tile Lippe. Über zehn Jahre bevor ein gewisser Indiana Jones auf der Kinoleinwand der Archäologie ein neues, abenteuerliches Image verpasste, bewiesen vier Jungen im Buchhellertal echten Forschergeist. „Pfadfinder gruben mittelalterliche Schutzhütte aus“ titelte die Siegener Zeitung am 18. August 1970. Was sie auf historischem Boden freigebuddelt hatten, ordnete der im Siegerland weithin bekannte Spatenforscher Otto Krasa der Rennfeuerzeit und dem 12. Jahrhundert zu. An dem Fundort nahe der Waldkapelle Eben-Ezer vermutete er außerdem einen Schmelzofen und zwei Meiler. Bis dato hatte es laut Krasa keinerlei Anzeichen einer mittelalterlichen Eisenverhüttung im Buchhellertal gegeben.
Gerhard Gläser verteidigt seinen Forscherahnen50 Jahre später.

tile Lippe. Über zehn Jahre bevor ein gewisser Indiana Jones auf der Kinoleinwand der Archäologie ein neues, abenteuerliches Image verpasste, bewiesen vier Jungen im Buchhellertal echten Forschergeist. „Pfadfinder gruben mittelalterliche Schutzhütte aus“ titelte die Siegener Zeitung am 18. August 1970. Was sie auf historischem Boden freigebuddelt hatten, ordnete der im Siegerland weithin bekannte Spatenforscher Otto Krasa der Rennfeuerzeit und dem 12. Jahrhundert zu. An dem Fundort nahe der Waldkapelle Eben-Ezer vermutete er außerdem einen Schmelzofen und zwei Meiler. Bis dato hatte es laut Krasa keinerlei Anzeichen einer mittelalterlichen Eisenverhüttung im Buchhellertal gegeben.

Gerhard Gläser verteidigt seinen Forscherahnen

50 Jahre später. Gerhard Gläser steht vor der kleinen Mulde, in der damals die vier Pfadfinder aus Lintfort gegraben haben. Der 74-Jährige hat seine Zweifel an der Entdeckung vor einem halben Jahrhundert, zumindest was die Schutzhütte angeht. Es fehle jeder Spur von Mauerwerk, erklärt der ehemalige Grundschullehrer. Dass hier Kohlenmeiler gestanden haben, sei ebenfalls unwahrscheinlich. Zwar habe es im Mittelalter Bodenmeiler gegeben, aber Meiler, wie man sie später im Siegerland kannte, eben noch nicht. „Das konnte Krasa nicht wissen“, verteidigt der Wahlbacher seinen Forscherahnen.
Tatsächlich inspirierte Krasa Gläser dazu, Archäologie vor der eigenen Haustür zu betreiben. Was sich dieser als Autodidakt an Wissen angeeignet habe, sei „phänomenal“ gewesen, schwärmt er. 1996 lernte Gerhard Gläser während einer Fortbildung für den Sachunterricht Dr. Hartmut Laumann von der LWL-Außenstelle Olpe kennen. Seither erkundet er vor allem in seiner Heimatkommune Burbach Wälder und Felder auf der Suche nach Artefakten der Vergangenheit. Insbesondere der frühen Montanindustrie ist er auf der Spur.

Heimatforscher Gerhard Gläser hat 2005 nahe der Waldkapelle Eben-Ezer einen mittelalterlichen Schmiedehammerkopf sowie eine Eisenluppe gefunden.
  • Heimatforscher Gerhard Gläser hat 2005 nahe der Waldkapelle Eben-Ezer einen mittelalterlichen Schmiedehammerkopf sowie eine Eisenluppe gefunden.
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Eindeutige Beweise für Verhüttung

2005 widmete er sich der Peterszeche und Umgebung. Der SZ-Artikel von 1970 war ihm damals bekannt. Von den mutmaßlichen Entdeckungen 35 Jahre zuvor, fand er allerdings nichts mehr vor. Auch beim LWL sei der damalige Fund nicht dokumentiert worden. Und dennoch lohnte sich die „Rückkehr“ an diesen Ort. Denn mit einigen Mutmaßungen hatte Otto Krasa goldrichtig gelegen. Anhand der vielfach vorhandenen Schlacke stützte Gerhard Gläser die Theorie, dass hier Verhüttung stattgefunden hat. Mehr noch: Mit einem Schmiedehammerkopf und einer Eisenluppe, die er mit einer Sonde keine zehn Meter von der vermeintlichen Schutzhütte entfernt gefunden hatte, lieferte er eindeutige Beweise. Zudem stieß er rund 50 Meter weiter auf die Überreste eines Rennofens, den der LWL eingehend untersuchte.
Inzwischen hat Gerhard Gläser jeweils rund 50 Schlackehalden im Mischebachtal und im Buchhellertal entdeckt. Sein Arbeitszimmer gleicht einem kleinen Museum, seine Funde stellt er regelmäßig als Leihgaben auf Zeit verschiedenen Ausstellungen zur Verfügung. Etwa die vier Stangenbarren, die er am Fuchsstein bei Lippe gefunden hat. Die zwei Tüllenkeile, die er nahe der ehemaligen Siegerlandkaserne gefunden hat, sind Belege für eine keltische Besiedlung und der einst dort gelegenen Wallburg auf 590 Metern Höhe.

Eisen spielte in der Region stets eine wichtige Rolle

Gerhard Gläser hat sein Auge für von Menschen gemachte Veränderungen des Geländes geschärft. Überall, wo eine Art Terrassierung stattgefunden habe beispielsweise, schaut er genauer hin. Häufig findet er an Bachläufen weitere Indizien, die auf mittelalterlichen Bergbau und Verhüttung schließen lassen. Außerdem hat er vielerorts Schlacke gefunden, die aus noch älterer Zeit stammt. Für ihn ist klar: Schon die Kelten haben hier Erz verarbeitet, im Mittelalter habe man dann sehr oft an denselben Stellen ebenfalls Eisen gewonnen.
Eisen habe in der Region eine stetige Rolle gespielt. „Aber wirklich verstehen kann man die Siegerländer Industriegeschichte nur, wenn man sie als Kette von Ereignissen betrachtet“, fasst Gerhard Gläser seine Motivation und Faszination an dieser speziellen historischen Nische zusammen. Wobei er nicht allein dem Bodenmetall auf der Spur ist. Alten Gemarkungskarten folgt er, um Grenzsteine historischer Waldbesitzungen aufzuspüren; er selbst kartografiert aktuell längst vergessene Hohlwege im Gelände.
Ob in 50 Jahren seine Erkenntnisse noch Bestand haben werden und andere Heimatforscher inspiriert, wird sich zeigen. Eines aber ist gewiss: Gerhard Gläser hat die Burbacher Bergbau- und Verhüttungsgeschichte um etliche Kapitel erweitert.

Exkursion am 5. September

Am 5. September lädt Gerhard Gläser zu einer Exkursion zum Wall der keltischen Befestigungsanlage ein. Treffpunkt ist um 14 Uhr der Wanderparkplatz NSG Gambach. Anmeldungen
über die Tourist-Info Burbach.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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