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Ortsvorsteher Lippe schlägt "sanften Tourismus" vor
Konflikt am Silbersee

Jetzt ist es wieder ruhig am Silbersee in Lippe.
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sp Lippe. Langsam kehrt wieder Ruhe ein am Silbersee in Lippe. Die heißen Sommermonate sind zu Ende, jetzt besteht kein Interesse mehr daran, sich – verbotenerweise – im Wasser abzukühlen und eine Runde zu schwimmen. Die Ruhe wird anhalten bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder wärmer wird und sich mehr Menschen an dem idyllischen Ort versammeln.
Silbersee für Übungen nutzenSeit 1998 besteht ein Pachtvertrag mit den Gemeinden Burbach und Emmerzhausen sowie der Interessengemeinschaft Silbersee. Sie bildet sich aus dem Tauchclub Hickengrund, der DRLG Betzdorf und den Tauchsportfreunden Daaden. Sie dürfen den See für Übungen nutzen. Dafür aber ist es ihre Pflicht, das Wasser zu kontrollieren und den Eintrag, das heißt vor allem den Müll, aus dem See zu entfernen.

sp Lippe. Langsam kehrt wieder Ruhe ein am Silbersee in Lippe. Die heißen Sommermonate sind zu Ende, jetzt besteht kein Interesse mehr daran, sich – verbotenerweise – im Wasser abzukühlen und eine Runde zu schwimmen. Die Ruhe wird anhalten bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder wärmer wird und sich mehr Menschen an dem idyllischen Ort versammeln.

Silbersee für Übungen nutzen

Seit 1998 besteht ein Pachtvertrag mit den Gemeinden Burbach und Emmerzhausen sowie der Interessengemeinschaft Silbersee. Sie bildet sich aus dem Tauchclub Hickengrund, der DRLG Betzdorf und den Tauchsportfreunden Daaden. Sie dürfen den See für Übungen nutzen. Dafür aber ist es ihre Pflicht, das Wasser zu kontrollieren und den Eintrag, das heißt vor allem den Müll, aus dem See zu entfernen. Das ist besonders wichtig, weil der Edelkrebs dort lebt. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat ein Auge darauf und führt Untersuchungen zu dem Bestand durch.
In anderen Gewässern wird der Edelkrebs von anderen Arten, die zum Beispiel aus Amerika eingeschleppt wurden, zurückgedrängt. So werden aus dem Silbersee in Lippe Edelkrebse entnommen, um sie in an anderen Gewässern wieder anzusiedeln. Damit das möglich ist, kümmert sich die IG Silbersee um die Sauberkeit am und im See.

Schwimmen ist verboten

Schwimmer und Besucher allerdings verunreinigten das Wasser durch Sonnencreme und Müll, sagt Jörg Schulte, Vorsitzender des Tauchclubs Hickengrund. Es sei möglich, dass sich Besucher dort aufhielten, aber das Schwimmen sei eben verboten, und daran hielten sich die wenigsten, vor allem im Sommer. Mehrere Hundert Menschen kämen dann. „Alles, was man an so einem schönen See nicht machen sollte, wird gemacht“, sagt Schulte, der ihn als „unser Wohnzimmer“ bezeichnet.

Angler fischen unerlaubt Krebse 

Nicht nur Müll und Schwimmer stellen ein Problem dar. Zudem fischten Angler illegal die Krebse. Des Weiteren hätten Unbekannte Störe ausgesetzt, die die Krebse fressen und damit die Population gefährden. Schulte fasst zusammen: „Wenn da keiner guckt, dann geht der See kaputt.“ Er fasse nicht besonders viel Wasser, und einen Frischwasserzulauf gebe es auch nicht. Wer unbedingt in dem See schwimmen wolle, der könne sich in einem der Vereine anmelden oder an angebotenen Veranstaltungen teilnehmen. Mit der Tauchausbildung lerne man dann auch, so Schulte: „Umweltschutz hört nicht an der Wasseroberfläche auf.“

Der stark gefährdete Edelkrebs Der heimische Edelkrebs (Astacus astacus), auch europäischer Flusskrebs genannt, wird unter anderem durch invasive Flusskrebsarten gefährdet, die aus anderen Teilen der Welt eingeschleppt wurden. Diese Arten haben weniger Ansprüche an ihren Lebensraum und vermehren sich schneller. Außerdem übertragen sie die tödliche „Krebspest“, gegen die sie selbst resistent sind – die einheimischen Arten aber nicht. Menschen können sich nicht mit der Krebspest infizieren, tragen aber zu ihrer Verbreitung bei. An nasser Kleidung, Angel- oder Spielgeräten können die Sporen haften bleiben. Das Edelkrebs-Projekt NRW befürchtet zudem, dass weitere nicht heimische Flusskrebsarten – vor allen von Aquarianern aus Unwissenheit oder falsch verstandenem Tierschutz – ausgesetzt werden. Um die Edelkrebse vor Schwarzanglern zu schützen, werden nicht alle kartierten Lebensräume des Edelkrebses bekannt gegeben. Das LANUV weist darauf hin, dass die Tiere sehr sensibel seien und am besten gar nicht gestört werden sollten. Gewässer wie der Silbersee seien besonders wertvoll, um die Art zu schützen und wieder zu vermehren.

"Sanfter Tourismus" am See

Eine andere Nutzung des Sees und der Umgebung schwebt Sebastian Schoeppner, Ortsvorsteher in Lippe, vor. Er will einen „sanften Tourismus“ und spricht sich dafür aus, dass der See von allen genutzt werden darf. Eine Gefahr für die Krebse sieht er nicht. Das Gelände sollte nach seiner Meinung mit einem Zaun geschlossen und 30 Liegeplätze ausgezeichnet werden, die per App gebucht werden könnten. Er findet, dass die Pächter privilegiert seien.

Schilder weisen auf Verbote hin

Der Ortsvorsteher betont, dass das Betreten des Geländes auch jetzt schon erlaubt sei. Außerdem, so sagt er: „Es hat ein Umdenken stattgefunden, ein anderes Verhältnis zum Umweltschutz.“ Sein Vorschlag: Schilder aufstellen mit Bildern, wie es früher aussah – also mit Müll –, um abzuschrecken.
Der Konflikt hat längst das Rathaus in Burbach erreicht. Dort werden seit mehreren Jahren Gespräche mit allen Beteiligten geführt, um Lösungen zu schaffen und zu vermitteln. Es bei der Verwaltung bekannt, dass die Besucher nicht immer einsichtig sind, wenn es um die Verbote (Feuer machen, lagern, etc.) geht, auf die im Übrigen mit Schildern hingewiesen wird.

Fehlverhalten der Gemeinde Burbach melden

Darauf steht zudem: „Der Pächter ist dazu berechtigt und verpflichtet, alle unberechtigten Nutzungen der Gemeinde Burbach bzw. Gemeinde Emmerzhausen als Grundstückseigentümer anzuzeigen, welche strafrechtliche Schritte einleiten wird.“ Und gleichzeitig heißt es aus einem gemeinsamen Gespräch, das im Sommer 2019 geführt wurde: „Etwaiges Fehlverhalten seitens der Mitglieder der IG Silbersee soll der Gemeinde Burbach gemeldet werden.“

IG Silbersee hat Hausrecht

Weitere Maßnahmen und Regelungen waren bei diesem Gespräch im vergangenen Jahr festgehalten worden, zum Beispiel wurde der im Vertrag benannte Uferbereich mit drei Metern ab der Wasserkante festgelegt – hier darf die IG Silbersee Hausrecht ausüben und im Zweifelsfall auch das Ordnungsamt und die Polizei einschalten. Mit Beachtung der Abstandsgrenze am See und den geltenden Regeln dürfen sich Besucher wie Radfahrer und Wanderer auch weiter dort aufhalten. Ob das im nächsten Jahr ohne Probleme gelingt, wird sich zeigen.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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