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Burbach will kommunalen Zweckverband gründen
Landesweit einzigartiges Beförsterungs-Modell

Der Wald in der Gemeinde Burbach (hier Gilsbach, im Hintergrund Wilnsdorfer Gemeindegebiet und die A45) steht - wie vielerorts - vor Veränderungen. Eine nachhaltige Beförsterung ist aus Sicht der Waldgenossenschaften, Privatwaldbesitzern und der Gemeinde unabdingbar.
  • Der Wald in der Gemeinde Burbach (hier Gilsbach, im Hintergrund Wilnsdorfer Gemeindegebiet und die A45) steht - wie vielerorts - vor Veränderungen. Eine nachhaltige Beförsterung ist aus Sicht der Waldgenossenschaften, Privatwaldbesitzern und der Gemeinde unabdingbar.
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tile Burbach. Der Wald erlebt aktuell einen Veränderungsprozess, den es so in der Vergangenheit wohl noch nicht gegeben hat. Während der Borkenkäfer mutmaßlich dafür sorgen wird, dass der monokulturelle Fichtenwald in seiner jetzigen Form ausgedient hat, stellt der Gesetzgeber Waldbesitzer wegen der jüngsten Rechtsprechung vor die Herausforderung, Holzvermarktung und Beförsterung neu zu organisieren. Für den Verkauf des eingeschlagenen heimischen Holzes wurde etwa die forstwirtschaftliche Vereinigung (FWV) Südwestfälischer Gemeinschaftswald gegründet (Gesamtfläche ca. 60 000 Hektar), die nun ihrerseits Gesellschafterin des Holzkontors Rhein-Berg-Siegerland wird, über das nun der professionelle Verkauf abgewickelt wird.

tile Burbach. Der Wald erlebt aktuell einen Veränderungsprozess, den es so in der Vergangenheit wohl noch nicht gegeben hat. Während der Borkenkäfer mutmaßlich dafür sorgen wird, dass der monokulturelle Fichtenwald in seiner jetzigen Form ausgedient hat, stellt der Gesetzgeber Waldbesitzer wegen der jüngsten Rechtsprechung vor die Herausforderung, Holzvermarktung und Beförsterung neu zu organisieren. Für den Verkauf des eingeschlagenen heimischen Holzes wurde etwa die forstwirtschaftliche Vereinigung (FWV) Südwestfälischer Gemeinschaftswald gegründet (Gesamtfläche ca. 60 000 Hektar), die nun ihrerseits Gesellschafterin des Holzkontors Rhein-Berg-Siegerland wird, über das nun der professionelle Verkauf abgewickelt wird. Die dem Verkauf „vorgelagerten Dienstleistungen“ (Betriebsvollzug und Beförsterung) dürfen die Regionalforstämter des Landes nicht länger zu subventionierten Entgelten anbieten und somit indirekt fördern.

In dieser Form noch keine Initiative in NRW bekannt

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich in Burbach ein neues, in Nordrhein-Westfalen vielleicht beispielloses Modell zur Organisation der künftigen Beförsterung ab. Die Gemeinde Burbach, Besitzerin von 643 Hektar Wald zzgl. weiterer 182 Hektar durch Genossenschaftsanteile, schlägt die Gründung eines kommunalen Zweckverbands gemäß dem Gesetz über kommunale Gemeinschaftsarbeit (GkG NRW) vor. In diesem sollen auch Waldgenossenschaften und Privatwaldbesitzer Mitglied werden können. Zweck wäre die forstliche Betreuung des Waldes der Verbandsmitglieder. Auf SZ-Anfrage teilte das NRW-Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz gestern auf SZ-Anfrage mit: "In dieser Form ist uns keine weitere Initiative in NRW bekannt."

50.000 Euro pro Personalstelle werden gefördert

In der „Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen“ (Januar 2019) findet diese Organisationsform im Kreis der Zuwendungsempfänger jedenfalls keine Berücksichtung. Aber davon hängt viel ab: „Die Förderung ist auf fünf Jahre begrenzt, beträgt bis zu 80 Prozent der nachgewiesenen Kosten oder bis zu 50.000 Euro je Personalstelle bei der Durchführung der Aufgaben durch eigenes Personal“, schreibt die Gemeinde in einer Verwaltungsvorlage, die am Dienstag auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses stand.

Nachdem Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers in Düsseldorf darauf hingewiesen hat, dass laut Landesforstgesetz (LFoG § 13) kommunale Zweckverbände die Aufgabe der Bewirtschaftung von Waldstücken übernehmen dürfen, habe Landesforst-Chef Hubertus Kaiser inzwischen den Förderzugang in Aussicht gestellt, verrät der Rathauschef im SZ-Gespräch. Eine Änderung der Richtlinie sei dafür nicht erforderlich, lediglich ein Erlass. Aus Düsseldorf heißt es dazu: Bei Erfüllung der im Landesforstgesetz genannten Voraussetzungen "(satzungsgemäße Aufgaben, gemeinsamer Betriebsplan) sind also auch eine Förderung von Zweckverbänden und eine Aufnahme als Zuwendungsempfänger in die Förderrichtlinie zur direkten Förderung von forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen möglich."


Zwei Fachstellen möglich - wenn sich alle Waldgenossen anschließen


Sollten sich alle elf Waldgenossenschaften im Gemeindegebiet im Zweckverband organisieren, könnten vermutlich sogar zwei Fachstellen eingerichtet und dann mit bis zu 100.000 Euro gefördert werden, rechnet der Bürgermeister vor. Eine langfristige Bindung forstlichen Fachpersonals ist der Gemeinde ein großes Anliegen, nicht zuletzt wegen der anstehenden Maßnahmen, die aufgrund der Borkenkäfer-Kalamitäten notwendig werden. Außerdem wäre bei zwei Stellen die gegenseitige Vertretung gesichert.

Die bestehende Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Hickengrund, zu deren Mitgliedern sechs Waldgenossenschaften, die Gemeinde und einige Privatwaldbesitzer zählen (insgesamt ca. 1400 Hektar), solle durch den Zweckverband im Übrigen nicht ersetzt werden, empfiehlt der Forstwissenschaftler Ewers. Zum einen, weil der Zweckverband bei anderen Förderkulissen kein Zuwendungsempfänger sei, zum anderen, um den Akteuren die Möglichkeit zu geben, wenn gewünscht, nur in einem der Zusammenschlüsse Mitglied zu sein.

Zeitnahe Entscheidungen vonnöten

Das Echo der Waldbauern sei positiv. Es habe bereits eine Informationsveranstaltung gegeben, und er habe mit allen Waldvorstehern gesprochen, berichtet Ewers. Die Waldgenossenschaften hätten sich offen für die Idee gezeigt. Weitere Gespräche sollen folgen.

Um den „Burbacher Weg“ der nachhaltigen Beförsterung zu beschreiten, sind nun zeitnahe Entscheidungen vonnöten. Zum 31. Dezember laufen die Verträge mit dem Landesbetrieb aus. Bis dahin müssen die Strukturen geschaffen werden, um handlungsfähig zu sein. Entscheidungen sind erforderlich – von der Politik und den Waldgenossenschaften. Eine Satzung muss erarbeitet und von der Kommunalaufsicht abgesegnet werden, eine Zweckverbandsversammlung ist einzuberufen, der Förderantrag muss gestellt werden, eine Stellenausschreibung und -einstellung erfolgen. Alles noch in diesem Jahr.

Der erste Schritt wurde am Dienstag gemacht: Einstimmig empfahl der Haupt- und Finanzausschuss dem Rat, die Verwaltung zu beauftragen, die Bildung eines Zweckverbands vorzubereiten.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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