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Festwochenende zum Bauhaus-Jubiläum
Landhaus Ilse und der „Seismographen-Mensch“

Der Zwilling zum Haus am Horn in Weimar: Nach und nach füllen sich die Seiten der Geschichte des Landhauses Ilse mit (skurrilen) Anekdoten über das Haus selbst und seine ehemaligen Bewohner bzw. Eigentümer.
  • Der Zwilling zum Haus am Horn in Weimar: Nach und nach füllen sich die Seiten der Geschichte des Landhauses Ilse mit (skurrilen) Anekdoten über das Haus selbst und seine ehemaligen Bewohner bzw. Eigentümer.
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tile/sz Burbach. Das Landhaus Ilse, verwandt mit dem Weltkulturerbe „Haus am Horn“ in Weimar, stellt sich der Öffentlichkeit im Rahmen eines kleinen Festes am zweiten Septemberwochenende für die ganze Familie vor. Als großzügige Spende erhielt die Gemeinde Burbach im September 2016 das Landhaus Ilse von dem damaligen Eigentümer-Ehepaar Adenauer. Der Kölner Unternehmer Dr. Patrick Adenauer ist der Enkel des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland (1949 bis 1963), Konrad Adenauer.

Das Haus in Burbach wird in seinem derzeitig ursprünglichen Zustand gezeigt, da dies die Geschichte des Hauses am ehesten deutlich mache, heißt es in der Ankündigung der Gemeinde.

tile/sz Burbach. Das Landhaus Ilse, verwandt mit dem Weltkulturerbe „Haus am Horn“ in Weimar, stellt sich der Öffentlichkeit im Rahmen eines kleinen Festes am zweiten Septemberwochenende für die ganze Familie vor. Als großzügige Spende erhielt die Gemeinde Burbach im September 2016 das Landhaus Ilse von dem damaligen Eigentümer-Ehepaar Adenauer. Der Kölner Unternehmer Dr. Patrick Adenauer ist der Enkel des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland (1949 bis 1963), Konrad Adenauer.

Das Haus in Burbach wird in seinem derzeitig ursprünglichen Zustand gezeigt, da dies die Geschichte des Hauses am ehesten deutlich mache, heißt es in der Ankündigung der Gemeinde. In den Räumen rund um den zentralen Wohnraum, der dem Landhaus Ilse seinen unverwechselbaren Charakter verleiht, wird es am Festwochenende verschiedene Vorträge angelehnt an das Thema Bauhaus geben.

Umfangreiches Programm

Am Samstag, 7. September, eröffnet Katrin Mehlich, Kulturbeauftragte der Gemeinde Burbach, um 13 Uhr den Reigen der Vorträge und Führungen mit einer Darstellung „Zur Geschichte des Landhauses Ilse“. Um 14 Uhr wird ein Vertreter des Adlerclubs Deutschlands die Besucher einen Vortrag zu „Walter Gropius – ein Architekt als Autodesigner? Die Wiederauferstehung des Gropius Adler“ halten. In diesem Jahr wird der von Gropius für die Autofirma Adler konzipierte „Standard 8“ wieder auferstehen. Anschließend wird Dr. Marlies Obier, Konzeptkünstlerin und Bauhaus-Enthusiastin, ab 16 Uhr einen Vortrag zu den „Frauen am Bauhaus“ halten. Dabei geht es auch um Alma Siedhoff-Buscher, die in Kreuztal geborene Bauhäuslerin.

Am darauffolgenden Sonntag, 8. September, geht es ab 13 Uhr mit einem Vortrag von Dr. Hans Hanke (LWL) weiter. Titel: „Das Landhaus Ilse“. Es folgt eine Autorenlesung um 15 Uhr von und mit Tom Saller, der aus seinem Bauhausroman „Wenn Martha tanzt“ lesen wird. Einen Büchertisch zum Thema Bauhaus und Tom Saller wird es ebenfalls geben.

Ein Mal-und Fotowettbewerb mit wertigen Preisen rundet das Fest ab. Dabei können sich Groß und Klein kreativ ausleben und das Landhaus Ilse von seiner besten Seite zeigen.

Auf Groblebens Spuren

Passend zum Bauhausjahr hatte das Kulturbüro noch vor den Sommerferien zu zwei besonderen Terminen des Erzählcafés in das Landhaus Ilse eingeladen. Filmemacherin und Installationskünstlerin Anna Henckel Donnersmarck interviewte hierbei für eine Ausstellung im Bauhaus Archiv Berlin (6. September bis 27. Januar 2020, Berlinische Galerie) einige Burbacher, die das Landhaus sowie die ehemalige Eigentümerfamilie Grobleben von früher kannten (die SZ berichtete). Dabei verfestigte sich gerade das Bild des Bauherren Willi Grobleben als wunderlicher und verschrobener Charakter.

Diesen Eindruck erweckt (heute) auch ein Zeitungsartikel aus dem „Memeler Dampfboot“. In der heute litauischen Hafenstadt Klaipeda (deutsch: Memel), bis 1920 die nördlichste Stadt Deutschlands, berichtete das Blatt am 30. September 1932 über den „Seismographen-Mensch von Burbach“. Dort wird dem Ingenieur W. Grobleben nachgesagt, dass er Erdbeben und Gewitter „vorausfühlen“ könne – „Vorhersagen, die eingetroffen sind“. Weiter heißt es von Grobleben, dass er eine „außerordentliche Empfindlichkeit für Naturphänomene aufweist“. In seiner Heimat, dem Siegerland, sei er eine „bekannte Erscheinung, der ein Nimbus des Geheimnisvollen anhaftet“. Dieser „stellungslose“ Ingenieur benötige nur einen Barographen und eine Hörzelle, um gravierende Naturereignisse vorherzusagen.

Ingenieur soll Beben vor Grubenunglück erspürt haben

Erstmals habe er im Alter von 24 Jahren „ursächliche Zusammenhänge zwischen der Erde und dem menschlichen Körper verspürt“. Demnach ließen sich Erdbeben bereits 28 Tage vorher erfühlen, Wirbelstürme kündigten sich ähnlich früh an. Mit Hilfe des Barographen ließen sich Stürme und Beben nochmals 85 Stunden vor Ausbruch registrieren.

„Nach Groblebens Theorie ist das Wetter eine Folge von Auswirkungen der Kraftverlagerungen in der Erde“, diese wiederum wirkten je nach Entfernung auf ihn, heißt es in dem Artikel weiter. So soll er 1930 wenige Tage vor dem schweren Grubenunglück in Alsdorf bei Aachen, bei dem oder dessen Folgen 299 Bergleute starben, darunter eine Frau, ein Beben „in der Gegend Aachen“ vorhergesagt haben. Im September 1932 prophezeite er dem Balkan im September 1932 ein Erdbeben. Tatsächlich habe am 8. September jenes Jahres ein schweres Gewitter in der Region getobt, schreibt die „Memeler Dampfboot“. Und in Agram (Zagreb) sei ein Erdbeben verzeichnet worden, „bei dem mehrere Personen ums Leben kamen“.

Wissenschaftlich unbeachtet

Trotz dieser „Beweise“, fehlte dem Burbacher Seismologen-Menschen Grobleben aber offenbar die Anerkennung. Er klage sich darüber, „dass die Wissenschaftler trotz seiner wiederholten Einladungen zu seinen Versuchen nicht erschienen seien“, heißt es, bevor der Artikel abschließend feststellt: „Es ist jedoch zu hoffen, dass sich ein wissenschaftlich geschulter Fachmann bald finden wird, der die immerhin ungewöhnlichen Leistungen, die Grobleben vollbracht haben soll, genau überprüfen wird.“

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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