Lehrermangel spitzt sich weiter zu

Realschule Burbach findet kein geeignetes Personal: »Abenteuerliche Bewerbungen«

Burbach. »Der Höhepunkt der Lehrermisere steht uns erst noch bevor. Prognosen gehen davon aus, dass es etwa 2005 so weit sein wird!« – Ludger Gruß, Rektor der Realschule Burbach, malte unlängst einmal mehr im Burbacher Schulausschuss ein düsteres Bild, was die Versorgung mit neuem Personal angeht. Er sei es leid, immer wieder für Dinge den Kopf hinhalten zu müssen, die man vor Ort gar nicht zu vertreten habe, machte Gruß seinem über drei Jahre angestauten Frust Luft. Auch wenn die Statistik – Ausschussvorsitzender Armin Nies (SPD) sprach von nur 0,1 Stellen Unterbesetzung – auf den ersten Blick gar nicht einmal schlecht für seine Schule aussehe, im kommenden Schuljahr fehlten ihm faktisch drei Lehrer. Die Stellen seien zwar inzwischen von der Bezirksregierung zugewiesen, allein es fehlten die geeigneten Interessenten, um sie auch adäquat zu besetzen. Thomas Helmkampf (CDU) hatte die Aufnahme des Themas »Lehrerversorgung an den Burbacher Schulen« zusätzlich zur Aufnahme in die Tagesordnung beantragt: »Wir wollen von den Schulleitern wissen, was Sache ist!«

Wie die Siegener Zeitung bereits berichtete, macht den Schulen im Dreiländereck vor allem die Konkurrenz zu den Nachbarländern zu schaffen, die mit besseren Konditionen Lehrer abziehen. Und zudem wolle kaum noch ein junger Lehrer in die Randgebiete ziehen. Was bleibe, sei die öffentliche Ausschreibung der vakanten Stellen. Dies ist in Sachen Realschule geschehen. Mit ebenso ernüchterndem Resultat. Gruß: »Da sich ja jetzt auch andere Berufsgruppen bewerben können, liegen uns schier abenteuerliche Bewerbungen vor.«

Und auch Reinhard Jacob, Rektor der Hellertalschule, untermauerte die Erfahrungen seines Kollegen: »Der Markt ist leer!« Wo die vom Land angekündigten 6000 neuen Lehrerinnen und Lehrer herkommen sollten, dies wisse er nicht. Für Gruß liegt die Ursache auf der Hand: »Man hat die jungen Studenten jahrelang vom Lehramtsstudium abgeschreckt! Junge Leute möchten sich das nicht mehr antun. Früher waren wir Lehrer die faulen Säcke, jetzt werden wir plötzlich von allen Seiten hochgejubelt, weil die Politiker erkannt haben, dass der Mangel dramatisch wird.«

Zufriedenstellend ist die Personalsituation derzeit offenbar nur in den Grundschulen. Obwohl auch dort bei krankheitsbedingten Ausfällen schnell Engpässe entstehen. Harri Hermann (Holzhausen) begklagte mit Verweis auf das hohe Durchschnittsalter des Kollegiums und steigender Krankheitstage, dass die Lehrerfeuerwehr des Kreises nicht mehr funktioniere. Was Rudolf Keßler (Burbach) bestätigte: »Statt ursprünglich 20 waren zeitweise nur noch drei Lehrer für solche Notfälle verfügbar.« In Burbach bestehe langfristig Bedarf für eine weitere Stelle.

Wie Konrektor Frank Wehnert berichtete, fehle in der Hauptschule eine Lehrkraft, für das neue Schuljahr habe man aber zum Glück schon eine neue Kollegin gefunden.

In der Realschule richtet man sich allmählich darauf ein, dass Überstunden ebenso zum Schulalltag gehören wie Notpläne. Gruß: »Wir vor Ort sind machtlos!« Und sein Konrektor Martin Grunewald ergänzte: »In diesem Schuljahr war das Kollegium nur an einem einzigen Tag komplett vertreten.« Derzeit fielen für die 17 Klassen 17 Stunden in der Woche aus. Eine Stunde also rechnerisch pro Klasse. Dies sei aber auch die positive Ausnahme. Ansonsten seien es stets mehr gewesen. Kopfzerbrechen bereite vor allem der ständige Wechsel von Lehrpersonal, weil die zugewiesenen Kollegen immer nur kurze Zeitverträge von der Bezirksregierung bekämen. Für Rainer Teichmann (CDU) Anlass, Kritik an den viel zu »starren und langwierigen Regularien« zu üben.

Der Ausschuss einigte sich schließlich darauf, erneut einen von York Diehl (SPD) formulierten eindeutigen Appell an die Bezirksregierung und den Landtag zu richten, damit die Missstände auch in Arnsberg und Düsseldorf endlich erkannt werden und vor allem schnell Abhilfe geschaffen wird.

dibi

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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