Mahnmale für die Nachwelt erhalten

Heimatverein legte in Wahlbach zwei Luftschutzstollen von 1944 wieder frei

dibi Wahlbach. »Wir sind hierher dreimal mit der ganzen Schulklasse gelaufen und haben Schutz vor den Bomben gesucht!« – Horst Diehl kann sich noch genau an diese angstvollen Stunden erinnern. Und Rudi Bähr bestätigt: »Die Stollen wurden sehr stark frequentiert, vor allem die im Bereich des Sägewerkes. Dort haben waren wir manchmal tagelang.« Ortstermin am Ende der Diesterwegstraße in Wahlbach: Im Dunkel des Abends wurden bei so manchem älteren Mitstreiter des Heimatvereins Erinnerungen an die dunklen Stunden der Jugend wach. Und so konnten sie alle dem Vorsitzenden Albert Diehl sofort zustimmen, als er die Schlüssel für die beiden Stollentore an Bürgermeister Christoph Ewers mit dem Wunsch übergab: »Ich hoffe, dass diese Schlüssel nie wieder für den Zweck zum Einsatz kommen, für den die Stollen einst in mühevoller Handarbeit geschaffen wurden!« Rund 150 Stunden, so hat Bruno Bähr hochgerechnet, waren die ehrenamtlichen Helfer im Einsatz, um die beiden Stollen am Rande der Buchheller herzurichten. Zunächst wurden die Eingänge auch mit Hilfe des Bauhof-Baggers wieder freigelegt und die Stollen vom Unrat befreit. Dann wurden Gräben für die Fundamente gegraben, Bruchsteine herangeschafft und die seitlichen Stolleneingänge sowie ein Torbogen neu gemauert. Schließlich mussten auch noch zwei Metalltore konstruiert und montiert werden.

Wie Albert Diehl erläuterte, wolle der Heimatverein die beiden 19 und 26 m tief in den Berg getriebenen Luftschutzstollen zum einen der Nachwelt als Mahnmal erhalten, andererseits aber auch beispielsweise den Fledermäusen eine artgerechte Heimat bieten. »Schon bei den Bauarbeiten hatten wir allerlei Getier zu Besuch, vom Salamander bis zum Wildschwein«, berichtete der Heimatvereinschef im Gespräch mit der SZ. Nach seinen Recherchen war wohl ursprünglich geplant, beide Stollen zu verbinden. Doch das Kriegsende kam offenbar früher. Und so blieb eine mehrere Meter dicke Felswand zwischen den beiden unterirdischen Gängen stehen.

Dass auch die Untere Landschaftsbehörde solche Baumaßnahmen begrüße, erklärte Förster Elmar Wulf. Daher fördere sie auch diese Projekte mit so genannten Ersatzgeldern. Will heißen: Gelder, die für Eingriffe in die Natur gezahlt werden müssen, wenn kein adäquater Ausgleich möglich ist.

Bürgermeister Christoph Ewers und Bauamtsleiter Hartmut Tielmann dankten den Wahlbachern für deren Engagement. Solche Projekte seien nur möglich, weil Verein, Verwaltung und Bauhof ohne viel Bürokratie Hand in Hand arbeiteten. #83wers untermauerte die Wichtigkeit des Erhalts solcher Zeitzeugen für die Nachwelt. Beim Gang durch den feuchten und dunklen Stollen kann man als Angehöriger der Nachkriegsgeneration wohl kaum ermessen, welche Ängste unsere Vorfahren hier im Jahre 1944 durchlitten haben. Denn in Blickweite verläuft die Eisenbahnlinie, die immer wieder aus heiterem Himmel bombardiert wurde.

Im kommenden Jahr wollen die Heimatfreunde auch noch die beiden Stollen unterhalb vom Zimmerich im Bereich des Sägewerkes freilegen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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