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50 Jäger feiern im Partyzelt (Video)
Mittendrin: Ein Top-Beamter der Kreisverwaltung

Nach dem Abschluss der Drückjagd traf sich die Jagdgesellschaft in einem offenen Zelt.
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kay/mir Würgendorf. Allerorten im südlichen Westfalen hat die Corona-Pandemie – wie überall in Deutschland – das private und das wirtschaftlichen Leben im Griff. Soziale Kontakte müssen auf Anordnung der Gesundheits- und Ordnungsämter reduziert werden, Kneipen und Restaurants sind durch die Bank geschlossen worden. Größere Veranstaltungen finden nicht statt, sie sind generell untersagt.
Gerade vor dem Hintergrund wird der eine oder andere Passant am Freitag in Würgendorf zweimal hingeschaut haben: Auf dem Gelände des Skiliftes steht ein großes Zelt (an den Seiten offen), Tische und Bänke sind darunter platziert, Getränke aller Art aufgetischt. Am Wegesrand vor und hinter dem Lift stehen gut 50 Autos.

kay/mir Würgendorf. Allerorten im südlichen Westfalen hat die Corona-Pandemie – wie überall in Deutschland – das private und das wirtschaftlichen Leben im Griff. Soziale Kontakte müssen auf Anordnung der Gesundheits- und Ordnungsämter reduziert werden, Kneipen und Restaurants sind durch die Bank geschlossen worden. Größere Veranstaltungen finden nicht statt, sie sind generell untersagt.
Gerade vor dem Hintergrund wird der eine oder andere Passant am Freitag in Würgendorf zweimal hingeschaut haben: Auf dem Gelände des Skiliftes steht ein großes Zelt (an den Seiten offen), Tische und Bänke sind darunter platziert, Getränke aller Art aufgetischt. Am Wegesrand vor und hinter dem Lift stehen gut 50 Autos. Allesamt Teilnehmer einer revierübergreifenden Drückjagd der Reviere Würgendorf und Holzhausen-Nord, die am gestrigen Freitag stattfindet und am heutigen Samstag ihre Fortsetzung finden wird.

Nicht alle Zeitgenossen finden das einmalige Ensemble passend, einer hat die SZ-Redaktion unterrichtet und gleich zwei kurze Videos beigefügt, die er parallel auf Youtube eingestellt hat. Seine Interpretation des Geschehens verläuft total konträr, er spricht von einem „Pandemiefest der Jägerschaft“, an anderer Stelle ist von einem „rauschenden Fest“ die Rede. Zugleich spricht er die Missachtung jeglicher Regeln in Corona-Zeiten an. Nach außen offenes Festzelt, Weihnachtsbeleuchtung und Bierbänke, diese drei Komponenten lassen zumindest bei diesem Burbacher Passanten gerade nicht den Eindruck entstehen, als ob alles Corona-konform ablaufen sollte.

Henning Setzer: "Jagd ist systemrelevant“

Grund genug für Recherchen vor Ort. Beim ersten Nachfragen ist noch davon die Rede, das Zelt stehe immer dort, alles sei geregelt und gehe betont zivilisiert zu. Kaum zu glauben: Am Siegener Obergraben trifft diese Nachricht im Kreis der SZ-Redakteure auf erste Zweifel. Der Hinweisgeber soll ein Querulant ein? Auch diese Umschreibung reicht nicht, die Recherche abzuschließen. Beim zweiten Nachhaken wird es konkreter. „Auch unter Corona-Bedingungen ist es notwendig, den Wildbestand zu regulieren und zu jagen. Es ist ein Auftrag im öffentlichen Interesse. Jagd ist systemrelevant“, sagt Henning Setzer, der für das Jagdwesen zuständige Dezernent des Kreises Siegen-Wittgenstein. Erst hatte es geheißen, Setzer sei nur so privat vor Ort, später hat sich herausgestellt, er hat als aktiver Jäger teilgenommen. Für die Durchführung von Jagden habe das NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Umweltschutz entsprechende Richtlinien herausgegeben, die auch für diese Jagd im südlichen Zipfel des Kreisgebietes zum Tragen kommen und entsprechend umgesetzt werden, ergänzt Würgendorfs Ortsvorsteher Matthias Moos vor Ort. Als Ortsvorsteher sei er dafür zuständig, dass die entsprechenden Regeln unter Corona-Bedingungen umgesetzt und auch tatsächlich eingehalten werden.

"Das Gemütliche und Teile der Tradition fallen weg“

Als Beispiele dafür nennt Moos unter anderem die sehr großen Abstände zwischen den Tischen, die Registrierung der Teilnehmer, das Einrichten von Tischgruppen mit maximal fünf Personen, das stündliche Desinfizieren von Tischen, Bänken und Toiletten, Einbahnregelungen, das Bereitstellen von Handdesinfektionsstationen und die Maskenpflicht, falls sich jemand auf dem Freigelände fortbewegen wolle. Zum Zeitpunkt der SZ-Präsenz vor Ort sind diese Punkte durchweg zutreffend.
Eingeladen zu der Veranstaltung hatte Jagdpächter Jens Birkenheuer, der als Ausrichter die Umsetzung der Corona-bedingten Richtlinien veranlasst hat. „Wir haben eine Menge Einschränkungen. Es gibt keine Abendveranstaltung, kein Händeschütteln nach erfolgreicher Jagd – das Gemütliche und Teile der Tradition fallen weg“, so Birkenheuer. Die Kosten für die Durchführung seien auf Grund der Umsetzungsrichtlinien doppelt so hoch wie üblich, fügt er abschließend hinzu.

Lesen Sie hier unseren Kommentar zum Sachverhalt:

Nicht zeitgemäß
Nach dem Abschluss der Drückjagd traf sich die Jagdgesellschaft in einem offenen Zelt.
Die Strecke des ersten Tages ist gelegt, heute soll die Drückjagd fortgesetzt werden.
Autor:

Kay-Helge Hercher (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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