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FeBa Fensterbau setzt sich für Geflüchteten aus Guinea ein
Ousmane Bah fürchtet die Abschiebung

Ousmane Bah (vorn) lebt in der Angst, abgeschoben zu werden. Integrationslotse Rudolf Volkmann (hinten) und FeBa-Geschäftsführer Thomas Menk (l.) setzen sich für ihn ein. Bah ist bei FeBa in Vollzeit beschäftigt und ein geschätzter Kollege.
  • Ousmane Bah (vorn) lebt in der Angst, abgeschoben zu werden. Integrationslotse Rudolf Volkmann (hinten) und FeBa-Geschäftsführer Thomas Menk (l.) setzen sich für ihn ein. Bah ist bei FeBa in Vollzeit beschäftigt und ein geschätzter Kollege.
  • Foto: Tim Lehmann
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tile Neunkirchen/Burbach. Ousmane Bah hat Angst. Der Mann aus Guinea fürchtet, demnächst abgeholt und abgeschoben zu werden. Er könne kaum schlafen. Seit zwei Jahren arbeitet er bei der Firma FeBa Fensterbau in Burbach, seit Anfang des Jahres unbefristet und sozialversichert in Vollzeit. Daher hat er nun einen Antrag auf Beschäftigungsduldung gestellt, die für drei Jahre gelten würde. Aber die Bearbeitung zieht sich, während unter den Flüchtlingen aus dem westafrikanischen Land die Nachricht umgeht, dass gerade zahlreiche Landsmänner und Landsmänninnen in ihr Herkunftsland abgeschoben würden.
Antrag auf Asyl 2018 abgelehnt
Seit drei Jahren betreut Rudolf Volkmann den 34-Jährigen.

tile Neunkirchen/Burbach. Ousmane Bah hat Angst. Der Mann aus Guinea fürchtet, demnächst abgeholt und abgeschoben zu werden. Er könne kaum schlafen. Seit zwei Jahren arbeitet er bei der Firma FeBa Fensterbau in Burbach, seit Anfang des Jahres unbefristet und sozialversichert in Vollzeit. Daher hat er nun einen Antrag auf Beschäftigungsduldung gestellt, die für drei Jahre gelten würde. Aber die Bearbeitung zieht sich, während unter den Flüchtlingen aus dem westafrikanischen Land die Nachricht umgeht, dass gerade zahlreiche Landsmänner und Landsmänninnen in ihr Herkunftsland abgeschoben würden.

Antrag auf Asyl 2018 abgelehnt

Seit drei Jahren betreut Rudolf Volkmann den 34-Jährigen. 2018 sei der Antrag auf Asyl abgelehnt worden, seitdem kämpfen der Integrationslotse und der in Neunkirchen lebende Flüchtling um dessen Bleiberecht. Gegen den Ablehnungsbescheid wurde Klage erhoben, das Urteil des Verwaltungsgerichts Arnsberg steht noch aus.
Plan B: Integration durch Arbeit. Ousmane Bah sei hierfür ein Musterbeispiel, so Rudolf Volkmann. „Warum müssen geduldete, unbescholtene, integrationswillige Flüchtlinge in ständiger Angst vor Abschiebung leben, statt ihnen ein Bleiberecht zu ermöglichen?“, schrieb der Herdorfer jetzt an Landrat Andreas Müller. Die nötigen Unterlagen lägen vor, lediglich der Nachweis der Deutschkenntnisse fehle Corona-bedingt, das könne seinem „Schützling“ nicht angekreidet werden.

Ousmane Bah wertvoller Mitarbeiter bei FeBa Fensterbau Burbach

Rückendeckung erhält Ousmane Bah auch von seinem Arbeitgeber. FeBa-Geschäftsführer Thomas Menk hat sich ebenfalls an den Landrat gewandt, beschreibt dabei seinen Angestellten als „wertvollen Mitarbeiter“. Dieser sei ein überall akzeptierter Kollege, mit dem man sehr zufrieden sei. „Sonst hätten wir ihn nicht fest eingestellt“, macht Thomas Menk im SZ-Gespräch klar. Die Flüchtlingskrise sei stets als Chance für die Betriebe bezeichnet worden. Stichwort Fachkräftemangel. Das Burbacher Unternehmen wolle diese Chance nutzen. Aber nicht zum ersten Mal würden die Planungen der Firma durch drohende oder durchgesetzte Abschiebungen erschwert.
Ousmane Bah arbeitet in der Kommissionierung und Verladung. Das mache ihm Spaß, er gehe gern zur Arbeit. Dort habe er soziale Kontakte, Corona-bedingt habe er sonst kaum welche. Andere Bewohner seiner Unterkunft flüchteten sich in Drogen und Alkohol, damit wolle er nichts zu tun haben. Seine Zukunft sieht der 34-Jährige in Deutschland, zurück in die Heimat könne er nicht mehr. Dort floh er 2016 aus der Haft und vor Folter, kam über das Mittelmeer und Italien – illegal – nach Deutschland. Mutter und Bruder sind tot, er hat keine Familie mehr in Guinea.

Ousmane Bah traut sich nicht mehr alleine nach Siegen

Aus Burbach habe er kürzlich von guineischen Flüchtlingen gehört, die in einer „Nacht- und Nebelaktion“ in Abschiebehaft genommen worden seien. Mindestens einer davon habe in einem festen Arbeitsverhältnis gestanden – wie er. Daher traute er sich jetzt nicht mehr allein nach Siegen, um seine nur um eine Woche verlängerte Duldung abzuholen, und ließ sich von Rudolf Volkmann begleiten. „Ich musste ihn überreden ins Kreishaus zu gehen, er hat so große Angst verhaftet zu werden.“
Diese Furcht sei unbegründet, sagt Landrat Andreas Müller. Bei solchen Terminen werde niemand festgenommen. „Leute einbestellen und sie dann festsetzen, das machen wir nicht“, stellte er im Gespräch mit der Siegener Zeitung klar. In den vergangenen Jahren sei es nur ganz selten in „begründeten Ausnahmefällen“ zu polizeilichen Zugriffen gekommen. Dabei sei es um Straftaten gegangen, nicht um eine Abschiebung.
Es sei richtig, dass Ausländeramt und Polizei Abschiebungen durchführten, aber die Entscheidung, wer das Land verlassen müsse, liege nicht beim Kreis, sondern beim Bundesamt für Migration und Flüchlinge (BAMF), erklärt Andreas Müller. Die Bewilligung oder Ablehnung des Antrags von Ousmane Bah jedoch ist Sache des Kreises. Der Vorgang sei noch nicht ganz abgeschlossen, so der Landrat. Lange werde es aber nicht mehr dauern, bis der 34-Jährige einen Bescheid erhalte. Bis dahin heißt es: weiter zittern und bangen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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