Hickengrund wird Testgebiet
Projekt "Data-Health" gegen Ärztemangel

sp Burbach-Holzhausen. Ein paar Handgriffe – und das kleine EKG-Gerät sitzt am Körper. Die Ergebnisse werden automatisch auf ein internetfähiges Gerät wie ein Laptop oder Smartphone geladen und mit einer App an den Hausarzt geschickt, der sich dann bei dem Patienten zurückmeldet – und das alles, ohne einen Termin vor Ort wahrnehmen zu müssen. So könnte die medizinische Versorgung in Zukunft vor allem in ländlichen Regionen aussehen, denn immer weniger Hausärzte treffen auf mehr und ältere Patienten. Damit aber die Gesundheitsversorgung sichergestellt werden kann, braucht es Alternativen – wie die Digitalisierung. Um diese in der Medizin weiter voranzubringen, wollen das Forschungskolleg (Fokos) und die Lebenswissenschaftliche Fakultät der Universität Siegen ein Leuchtturm-Projekt im Hickengrund starten. Mit „Data-Health“ sollen nicht mehr die Patienten mobilisiert werden, sondern ihre Gesundheitsdaten.

Hilfen für den Hickengrund

In einer Pressekonferenz in der Alten Schule in Burbach-Holzhausen stellten jetzt einige der Projektbeteiligten das Vorhaben vor. Mit dabei sein sollten eigentlich auch die beiden Hausärzte Dr. Jozsef Marton (Holzhausen) und Fudu Yu (Niederdresselndorf), die als medizinische Kooperationspartner fungieren. Sie mussten allerdings aufgrund von dringenen Terminen mit Patienten absagen – und demonstrierten damit direkt, wie dringlich die Situation künftig sein wird.
Bereits vor zwei Jahren begann Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers, sich Gedanken um die hausärztliche Versorgung in der Region zu machen. Richtig weiter gekommen sei man zuerst nicht, bis der Kontakt mit Fokos zustande gekommen sei: „Ohne am Anfang zu wissen, worauf wir uns einlassen, haben wir offen Gespräche geführt.“ Dabei habe die Frage im Mittelpunkt gestanden: „Gibt es für den Hickengrund, für die hausärztliche Situation, Lösungen, Hilfen, damit die medizinische Versorgung vorhanden bleibt?“
„Digitaler Transfer von Patientendaten“ lautet eine Antwort von Fokos – und der soll nun in der Praxis getestet werden. „Wie kann eine geeignete Schnittstelle aussehen, wo die Daten raus und rein gehen? Das muss diskutiert werden“, erklärte Fokos-Geschäftsführer Dr. Olaf Gaus. Dafür arbeiten drei verschiedene Lehrstühle der Universität zusammen. Schließlich braucht es nicht nur die Medizin, sondern auch die Informatik und die Technik. „Keiner von uns könnte dieses Projekt alleine sinnvoll umsetzen“, sagte Dr. Dr. Charles Adarkwah, Gesundheitsökonom und tätig am Lehrstuhl für Versorgungsforschung der Universität Siegen.

Schwerpunkt liegt auf Pflegebereich

„Wir müssen uns aber fokussieren“, betonte Gaus. Einen Schwerpunkt habe man auf den Pflegebereich gelegt. Deshalb sind die christlichen Seniorenhäuser Lützeln als Kooperationspartner mit dabei. Jochen Loos (Geschäftsführer der Lebensgemeinschaft Christlicher Senioren gGmbH Burbach-Lützeln) konnte von den alltäglichen Herausforderungen in dem Seniorenheim berichten. Er sei froh, dass das entstehe. Früher seien die Hausärzte in das Seniorenheim gekommen und hätten dort Sprechstunden angeboten, das sei heute nicht mehr möglich.
Adarkwah konnte Zahlen nennen: „In den nächsten zehn Jahren werden über 50 Prozent der Hausärzte im Kreis Siegen-Wittgenstein aufhören.“ Sie fänden keinen Nachfolger oder hätten die Suche bereits aufgegeben. Die Frage sei: „Müssen die Patienten wirklich jedes Mal leibhaftig in die Praxis gehen?“. Gerade bei Chronischkranken oder Patienten, die in ihrer Mobilität beschränkt seien, sei die Übermittlung von Daten ein Vorteil. Und gleichzeitig würden die Ärzte entlastet und könnten für andere Patienten intensiver da sein, so Bürgermeister Ewers.

Daten sollen sicher beim Arzt ankommen 

Bei dem Projekt soll laut Adarkwah auf eines besonders Wert gelegt werden: „Die Patienten stehen im Mittelpunkt.“ Dabei soll auf ihre Bedürfnisse geachtet werden, darauf, was sie brauchen und wozu sie bereit sind. Deshalb werde zunächst einmal nur mit relativ gesunden Patienten getestet. Blutdruck, Puls, Blutzucker, Sauerstoffsättigung – diese Daten können bereits von zu Hause aus erhoben werden. Wie kommen diese sensiblen Gesundheitsdaten dann auf einem sicheren Kanal beim Arzt an? Das gilt es herauszufinden. Um den Datenschutz einzuhalten, werde so ein großer Aufwand betrieben, erklärte Adarkwah.
Geräte, die für die Untersuchungen nötig sind und Daten auch weiter senden können, existieren bereits. Sie werden den Probanden zur Verfügung gestellt. Testpersonen sollen über die beiden Hausärzte Marton und Yu gefunden und anschließend betreut werden. „Es gibt ein großes Interesse“, sagte Adarkwah. Für das Projekt solle es Schulungen geben, aber „es soll so einfach sein, dass die Patienten das selber“ handhaben können. Für Personen, die das nicht mehr könnten, solle es mithilfe von Pflegern möglich sein. Jetzt soll allerdings erst einmal getestet werden.

Finanzielle Unterstützung 

„Das alles ist mit Kosten verbunden“, fasste Annika Wolf, Regionalmanagerin des Regionalvereins Leader-Region Drei-Länder-Eck, zusammen. Mit dem EU-Förderprogramm Leader soll das Projekt finanziell unterstützt werden. Im Moment werde der Antrag gestellt, dann müsse auf die Bewilligung der Bezirksregierung gewartet werden. Das Projekt habe aber gute Chance, weil die Ergebnisse eben nicht nur für den Hickengrund, sondern auch für andere ländliche Regionen interessant seien. Ist der Bescheid da, dann könnte das Projekt in wenigen Monaten starten.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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