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Ausstellungskonzept für Alte Vogtei vorgestellt
Reduziert und fokussiert

Im Obergeschoss der Zehntscheune wird das im Werkstattwettbewerb gut angekommene "Haus im Haus"-Konzept realisiert. Überschrieben ist diese Sektion mit "Zusammenleben".
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  • Im Obergeschoss der Zehntscheune wird das im Werkstattwettbewerb gut angekommene "Haus im Haus"-Konzept realisiert. Überschrieben ist diese Sektion mit "Zusammenleben".
  • Foto: BOK + Gärtner GmbH
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Burbach. Es war in den vergangenen Monaten ruhig geworden um die Alte Vogtei. Immer häufiger stellten sich Burbacher zuletzt die Frage, ob sich in dem über 300 Jahre alten Gebäude überhaupt etwas tut. Die Antwort gab es am Dienstag im Gemeinderat: Ja, es geht voran – allerdings nur langsam (siehe Extrakasten). Untätig waren die involvierten Akteure indes nicht. Und so konnte das vor allem vom Heimatverein und der Agentur für Kommunikationsdesign und Szenografie BOK + Gärtner aus Münster erarbeitete Ausstellungskonzept des neuen Begegnungs-, Besucher- und Erlebniszentrums (BBEZ) vorgestellt werden.

Der künftige Ausstellungsbereich ist mit „Gemeinsam Burbach“ überschrieben und wurde unter museumspädagogischen Gesichtspunkten geplant.

tile Burbach. Es war in den vergangenen Monaten ruhig geworden um die Alte Vogtei. Immer häufiger stellten sich Burbacher zuletzt die Frage, ob sich in dem über 300 Jahre alten Gebäude überhaupt etwas tut. Die Antwort gab es am Dienstag im Gemeinderat: Ja, es geht voran – allerdings nur langsam (siehe Extrakasten). Untätig waren die involvierten Akteure indes nicht. Und so konnte das vor allem vom Heimatverein und der Agentur für Kommunikationsdesign und Szenografie BOK + Gärtner aus Münster erarbeitete Ausstellungskonzept des neuen Begegnungs-, Besucher- und Erlebniszentrums (BBEZ) vorgestellt werden.

Der künftige Ausstellungsbereich ist mit „Gemeinsam Burbach“ überschrieben und wurde unter museumspädagogischen Gesichtspunkten geplant. Vermittelt werden soll einerseits die historische, gegenwärtige sowie zukünftige Entwicklung des Ortes, andererseits sollen die Besonderheiten der Region veranschaulicht werden, beschrieb Christian Vogeler, Geschäftsführer BOK + Gärtner, in seinem Sachstandsbericht die Aufgabenstellung. Der Gemeinsinn sei in Burbach besonders ausgeprägt, sodass man diesen zum roten Faden der kulturhistorischen Dauerausstellung machen wolle. Zielgruppe: Menschen aus Burbach, der Region sowie Touristen.

Hauberg und Bergbau waren und sind identitätsstiftend

Aufgeteilt werden soll die Ausstellung in vier Bereiche, beginnend mit dem Prolog (Sektion 0) „Zusammenkommen“. Hier sollen sich Besucher an einem zentralen Tisch, umgeben von zum Nachdenken anregenden Zitaten, im ehemaligen Backesraum auf den Rundgang einstimmen lassen – oder das Erlebte reflektieren können; denn die Ausstellung lasse sich aus zwei Richtungen entdecken.

Folgt man der intendierten Route betritt man mit der Sektion 1 „Zusammenarbeiten“ die alte Schmiede der Zehntscheune, die an ihrem angestammten Standort bleiben soll. Die Botschaft lautet hier: Eine Besiedlung der an Bodenschätzen reichen Region Burbach war nur als Gemeinschaftsleistung möglich. „Die Identität der Burbacher ist bis heute wesentlich von der Hauberg- und der Bergbauwirtschaft geprägt“, erläuterte Agentur-Mitarbeiterin Annika Differding eine der Grundannahmen bei der Konzeptionierung, die auch als Vermittlungsziel definiert wurden. Hier werde es eine „Hands-on-Station“ geben. Um die Schmiede zum angrenzenden Exponatsraum zu öffnen und den Blick in die Themenbereiche Hauber und Bergbau direkt zu ermöglichen, würde man gerne die Gefache der trennenden Wand entfernen und nur die Baken stehen lassen.

"Melting Pot" Burbach

„Zusammenleben“ ist der Name der Sektion 2 im Obergeschoss der Zehntscheune, wo das vom Architekturbüro Team 51,5° im damaligen Werkstattwettbewerb vorgeschlagene „Haus im Haus“-Konzept umgesetzt werden soll. Hier wird Burbach als eine Art „melting pot“ dargestellt, der viele Menschen unterschiedlicher Kulturen integriert, wo das Leben in 140 Vereinen passiert. Besucher sehen sich mit Zitaten über Burbach, Gastfreundschaft und Gemeinschaft konfrontiert, lassen persönlich-emotionale Video-Collagen auf sich wirken, erfahren Wissenswertes über den Ort und seine Bürger – und diskutieren an einem weiteren Tisch die partizipative Frage: Was wünschst du dir für die Gemeinschaft Burbachs in Zukunft?

Sektion 3 „Zusammenwachsen“ schließt sich im ersten Obergeschoss des Vogtei-Gebäudes an. Dort ist eine eher klassische Ausstellungs-Abteilung geplant, deren Module (topografisches Modell Burbachs, Teile der historischen Apotheke, Exponate etc.) systematisch über administrative und politische Strukturen sowie Besonderheiten und deren Bedeutung für die Gemeinschaft informieren sollen – von der Doppelherrschaft Nassau-Sayn über die NS-Zeit bis heute.

Ein Schmankerl: Die Bedeutung des Burbacher Platt (Borbiier Bladd) als lokale Mundart könnte mit einer Audio-Station gewürdigt werden.

Kritik: "Steril" und "abgehoben"

Die Präsentation hinterließ Eindruck – sowohl positiven als auch negativen. Seine Erwartung an ein Heimatmuseum sei nicht erfüllt worden, gestand Frank Stolz (CDU). Er vermisse die vielen Exponate, die man früher bewundern konnte. Das Konzept erscheine ihm „steril“ und „abgehoben“, kritisierte er und erntete vereinzelt zustimmendes Kopfnicken. Für die Jugend sei nicht viel dabei, meinte Armin Nies (UWGB).

Gerade von den Jugendlichen erhoffe man sich Beteiligung, betonte Christian Vogler. Sie könnten etwa die Video-Collagen mit eigenen Filmen bereichern, ergänzen und weiterentwickeln. Auch die Wünsche und Visionen für das zukünftige Burbach seien ein wichtiger Aspekt. Zudem sei bereits eine „Spur“ (Rallye) nur für Kinder und Jugendliche durch die Ausstellung angeregt worden.

Eine weitere Frage von Günther Pohl (Grüne) aufgreifend, sei es auch denkbar, die Ausstellung nach „draußen“ zu verlängern und mittels Media-Guides (Leih-Tablets) in den Ort zu bringen, so Vogler. Gerade für Kinder und Jugendliche, aber auch für Touristen könnte dies interessant sein. Ohnehin solle die Ausstellung digital vertieft werden.

Kein Heimatmuseum - ein Begegnungszentrum

Und an Frank Stolz gerichtet, erinnerte Christian Vogler daran, dass es sich bei der neuen Alten Vogtei eben nicht mehr um ein Heimatmuseum handle, sondern um ein Begegnungszentrum. Ganz bewusst habe man die Ausstellung reduziert und sich auf das Kernthemen Gemeinsinn und dessen Ausprägung unter Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten des Haubergs und des Bergbaus, die einen wesentlichen Anteil daran gehabt hätten, fokussiert. Mit dem Heimatverein habe man dazu diejenigen Exponate ausgewählt, an denen man die Inhalte am besten vermitteln könne, erklärte Annika Differding. Zudem fällt auf, dass auf eine hohe Aufenthaltsqualität gesetzt wird, die zum Verweilen einlädt.

Bürgermeister Christoph Ewers ergänzte, dass auch ein Raum für Wechselausstellungen vorgesehen sei. Dort schaffe man die Möglichkeit, die Fülle an Exponaten unter verschiedenen Schwerpunkten zu präsentieren. Denkbar, ja vielleicht wünschenswert sei auch, über Dauer-Leihgaben an andere Heimatvereine nachzudenken, um die Menschen auch in die Ortsteile zu locken – denn auch dies sei ein Ziel des Begegnungszentrums.

Aktueller Stand des Bauprojekts

Ursächlich für das schleppende Vorankommen ist u. a. ein fehlendes statisches Gutachten bezogen auf die künftige Nutzung, das derzeit von einem Tragwerkplaner erstellt werde, erklärte Architekt Sven Geiss von Team 51,5°. Auch Personalwechsel beim LWL hätten das Projekt zurückgeworfen. Als schwierig habe sich ferner der Baugenehmigungsantrag erwiesen. Der Kreis habe das Vorhaben trotz dessen Komplexität nicht vorbesprechen wollen. Mittlerweile sei der Antrag aber gestellt. Derweil sei der Rückbau so gut wie beendet. Außerdem verriet Geiss, dass die Budgetkosten um 15 Prozent (plus 498 000 Euro) auf aktuell 3,94 Mill. Euro gestiegen seien.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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